Hunderte Liter Kraftstoff sind vergangene Woche in Seelbach in die Schutter gelangt. Inzwischen ist klar: Bleibende Schäden an der Natur sind nicht entstanden. Auch dank des schnellen Eingreifens der Feuerwehr, die eigentlich in den Mai feiern wollte.
Die Seelbacher Feuerwehr wurde in der vergangenen Woche zu einem ungewöhnlichen Einsatz gerufen. Die Kameraden, berichtet Kommandant Christian Vögele, waren mit der Sicherung der Kirchstraße beschäftigt, wo am Abend des 30. April der Maibaum gestellt wurde, und wollten gerade in den geselligen Teil des Abends übergehen, als der Anruf kam. Eine Zeugin hatte an der Staustufe der Historischen Mühle Glatz Diesel gerochen und einen Ölfilm auf dem Wasser entdeckt. Die Feuerwehr hatte die Aufgabe, die Lage zu erkunden. „Wir waren ja schon in Uniform und sind mit einem Fahrzeug zur Erkundung hingefahren“, schildert der Kommandant. An der Mühle angekommen, bestätigten sich die Schilderungen der Zeugin und für die Kameraden war klar: Aus der gemütlichen Feier in den Mai hinein wird nichts.
Kommandant kontaktierte umgehend das Landratsamt
Für die Feuerwehr galt es nun, eine Ölsperre zu setzen. Außerdem kontaktierte Vögele sofort das Landratsamt, das eine Vertreterin entsandte, die die Koordination übernahm. Sie empfahl, so Vögele, Verstärkung von der Lahrer Feuerwehr in Anspruch zu nehmen. Diese brachte ihr sogenanntes Ölsanimat mit, ein Gerät, um Wasser und Öle wie in diesem Fall Diesel voneinander zu trennen (siehe Info). Circa 1400 Liter Öl-Wasser-Gemisch wurden auf diese Weise abgepumpt.
Weiter machte sich die Feuerwehr daran, die Ursache für die Verunreinigung ausfindig zu machen. Die Suche führte die Kameraden schließlich an den Omersbach, ein Zulauf des Litschentalbachs. Durch eine Regenlaufrinne gelangte der Kraftstoff bis zum Litschentalbach und weiter bis in die Schutter nach Seelbach und Reichenbach.
Wie kam es zum Austritt? Aufklärung darüber gibt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg auf Nachfrage unserer Redaktion. Demnach sei der Diesel mutmaßlich aus einem Tank auf einem Privatgelände ausgelaufen. Ob ein Defekt einer Pumpe oder eine falsche Bedienung des Tanks den Vorfall verursachte, kann die Polizei noch nicht abschließend sagen. Die Beamten gehen nicht davon aus, dass mit Absicht gehandelt wurde, sondern sprechen von Fahrlässigkeit. Sie ermitteln wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung. Die Feuerwehr streute auf dem Grundstück des Verursachers die Rückstände mit Bindemittel ab.
Die gute Nachricht: Zu nachhaltigen Schäden an der Natur ist es offenbar nicht gekommen. Es seien etwa keine toten Fische im Bach entdeckt worden, erklärt die Polizei. Wie die Gemeinde mitteilt, wurden die Böschungen und Uferbereiche der einzelnen Gewässer in der Zwischenzeit auf anhaftende Verunreinigungen untersucht. „Die aktuellen Proben zeigen keine Verunreinigungen mehr“, so die Gemeinde. Aus gewässerökologischer Sicht sei der Fall damit abgeschlossen.
Ölschlingen sind inzwischen abgebaut
Auch die Ölschlingen, die von der Seelbacher Feuerwehr entlang der Schutter platziert wurden, um letzte Dieselreste abzufangen, die durch Regen möglicherweise wieder in die Schutter hätten gelangen können, sind inzwischen abgebaut. Am Mittwoch, so Vögele, habe die Feuerwehr den Einsatz damit endgültig beenden können.
Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Start in den Mai, der ganz anders lief als gedacht. Die 20 Kameraden, zehn aus Seelbach, zehn aus Lahr, harrten bis 4.30 Uhr an der Schutter aus, beaufsichtigten das Abpumpen des Diesels und leuchteten die Einsatzstelle aus. „Glücklicherweise hat uns das DRK, das beim Maibaumstellen bewirtete, mit Essen und heißem Kaffee versorgt, um uns bei Laune zu halten“, erklärt Vögele dankbar. Die Trauer um die verpasste Feier wiege aber nicht so schwer. „Wir konnten einen Beitrag dazu leisten, dass keine größeren Schäden in der Umwelt entstehen“.
Info – Ölsanimat
Der Ölsanimat, meist in Form eines Anhängers, ist ein Gerät, das Öl-Wasser-Gemische voneinander trennt. Dafür wird die Eigenschaft genutzt, dass Öl auf Wasser schwimmt. Das Gemisch wird mit einer Schneckenpumpe durch vier Kammern geleitet, in denen die beiden Stoffe getrennt werden.