Die Mitgliederzahl der Junginger Feuerwehr liegt unter dem Soll. Kommandant Speidel und sein Stellvertreter Funk bitten die Gemeinde um Unterstützung bei der Mitgliedergewinnung.
Das kommt selten oder nie vor: Die Junginger Feuerwehr weiß sich keinen Rat mehr. In der zurückliegenden Hauptversammlung und nochmals in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates bat sie die Verwaltung um Hilfe bei der Suche nach personeller Verstärkung. Im Jahr 2025 traten fünf Angehörige aus, zwei „Quereinsteiger“ neu ein. Derzeit stehen 26 Feuerwehrleute im Dienst der Abteilung. 34 sollten es laut Bedarfsplan sein, 40 wären besser.
Keinesfalls kann man den Vorwurf erheben, Kommandant Frank Speidel und seine Leute würden sich nicht ausreichend kümmern. Die Feuerwehr ist präsent, rührt die Werbetrommel, macht auf sich aufmerksam, wo sie kann. So bei der jährlichen Hauptübung, beim Tag der offenen Tür im Gerätehaus, bei Schulungen in der Grundschule und im Kindergarten sowie bei der Sonnwendfeier. Auch die neuen Medien, Facebook und Instagram, werden mit Botschaften bespielt.
Der Erfolg kann sich sehen lassen, ist sogar erstaunlich. Immerhin zählt die Nachwuchswehr des Ortes 14 Mitglieder. Sechs von ihnen stehen unmittelbar vor dem Alter, in dem sie in die Reihen der Aktiven übertreten können. „Aber wer tut den Schritt dann wirklich?“, lautete die Frage. In dem Alter drängen sich bei jungen Leute Schule und Ausbildung oder neue Interessen in den Vordergrund, meinte der Kommandant. Er erhielt zustimmendes Nicken aus den Reihen der Räte – das sei das Problem jeglicher Vereine, wurde ihm bestätigt. Gemeinderat Axel Pick sprach die Möglichkeit einer Zusammenlegung mit umliegenden Wehren an. Die Chance, in heutiger Zeit auf breiter Ebene Menschen für das Ehrenamt, zumal ein solches, das viel Zeit und Einsatz erfordert, noch begeistern zu können, sah er nicht.
Seine Anregung stieß jedoch auf keine sonderliche Zustimmung. Dazu müsste die Bereitschaft nicht nur der Wehren, sondern auch der Kommunen vorhanden sein, hieß es.
Der Vorschlag von Benjamin Funk, Stellvertretender Abteilungskommandant, ging in eine andere Richtung. Ob die Gemeinde nicht „Anreize“ für den Beitritt zur Feuerwehr schaffen könnte? Womit er finanzielle Anreize meinte.
Auch dieser Vorschlag wurde einerseits kritisch bewertet. Wer sich für die Feuerwehr entscheidet, tue das aus Leidenschaft heraus. Andere ließen sich auch mit Geld nicht locken. Jedoch – dieses Argument brachte wiederum Speidel ins Spiel – waren die Mitgliederzahlen bei den Feuerwehren in den Zeiten höher, als noch eine allgemeine Feuerwehrabgabe erhoben wurde. (Sie fiel 1995.) Vermutlich traten damals nicht wenige auch deshalb in den Dienst ein, weil sie sich diese Abgabe sparen wollten. Ein finanzieller Anreiz könnte also doch hilfreich sein.
Wie könnten diese Anreize aussehen? In anderen Gemeinden erhalten beispielsweise Feuerwehrmitglieder Bonuspunkte bei der Bauplatzvergabe. Die Antwort, was in Jungingen getan werden könnte, blieb zunächst offen.
Das Thema soll in einer kommenden Sitzung erneut erörtert werden. Die Gemeinderäte wurden gebeten, sich Gedanken zu machen, an die Verwaltung erging der Wunsch, etwaige Möglichkeiten zu prüfen.
Wie Frank Speidel uns gegenüber sagte, hänge die Attraktivität einer Feuerwehr zugleich von ihrer Ausstattung ab. Jungingen verfügt über drei Fahrzeuge. Der Gerätetransportwagen hat inzwischen 29 Jahre auf dem Buckel. Laut Bedarfsplan sollte dafür ein Löschfahrzeug neu beschafft werden. Allein der Gemeinderat zögert aus Kostengründen.