Sascha Eichkorn gibt Einblick in seine Aufgabe als Kommandant der Feuerwehr. Foto: Schimkat

Sascha Eichkorn ist seit 27 Jahren Mitglied der Feuerwehr Brigachtal, seit 2011 leitet er die Gesamtwehr als Kommandant.

Brigachtal - Im Interview spricht der Kommandant über Herausforderungen durch die Pandemie beispielsweise in der Ausbildungsarbeit aber auch beim Verzicht auf Feiern. Zudem gibt er einen Einblick in die zurückliegenden Einsätze.

Seit wann sind Sie bei der Freiwilligen Feuerwehr Brigachtal?

Ich bin im Alter von elfeinhalb Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Damals lag das offizielle Eintrittsalter noch bei zwölf Jahren. Aktiven Dienst leiste ich seit meiner Volljährigkeit im Jahre 1995 und bin somit seit 27 Jahren Mitglied der aktiven Mannschaften.

Seit wann sind Sie Kommandant der Gesamtwehr?

Ich wurde bereits 2003 im Alter von 26 Jahren zum Abteilungsleiter der damaligen Abteilung Kirchdorf gewählt. Dieses Amt hatte ich bis zur Auslösung aller Abteilungen im Jahr 2021 ausgeführt, also 18 Jahre. Seit 2011 bin ich darüber hinaus Kommandant der Gesamtwehr Brigachtal. Aktuell befinde ich mich in meiner dritten Amtszeit in dieser Funktion.

Wie viele Aktive zählt die Wehr, wie viele Jungfeuerwehrleute gibt es und wie viele Männer gehören zur Altersmannschaft?

Die Einsatzabteilung der Feuerwehr Brigachtal verfügt aktuell über 87 aktive Kameraden. Hinzu kommen 32 Mitglieder in der Jungfeuerwehr, und 35 Kameraden sind Teil der Altersmannschaft.

Welche Fahrzeuge hat die Wehr?

Wir verfügen derzeit über drei Großfahrzeuge (zwei Löschfahrzeuge und einen Gerätewagen-Logistik-2) sowie zwei Mannschaftstransporter. Für einen der beiden Transporter läuft aktuell eine Ersatzbeschaffung.

Haben Sie eine Tageseinsatzgruppe?

Nicht mehr. Im Jahr 2021 fand eine umfassende Reorganisation statt. Wir haben die drei vorhandenen Abteilungen Kirchdorf, Klengen und Überauchen aufgelöst und in eine gesamthafte Einsatzabteilung der Feuerwehr Brigachtal überführt. Die seit Jahrzehnten bestehende Tageseinsatzgruppe haben wir in diesem Kontext aufgelöst. Sie war im Grunde einer von mehreren wesentlichen Bausteinen unseres schrittweisen Zusammenwachsens. Unsere Tagesverfügbarkeit ist aktuell durch Mitglieder, die bei örtlichen Betrieben arbeiten, gut gewährleistet. Hinzu kommen zahlreiche Kameraden, die im nahen Umfeld tätig sind. Unsere Alarmierungsstrukturen sind bereits seit vielen Jahren auf gesamthaftes Arbeiten ausgerichtet, hier gab es also keinerlei Anpassungsbedarf.

Mit welchen Einschränkungen haben Sie seit der Corona-Pandemie zu tun?

Die Pandemie setzt natürlich auch uns ganz schön zu. Im Wesentlichen belastet sie unsere Proben- und Ausbildungsarbeit. Wir sind seit den letzten beiden Jahren damit beschäftigt, vorhandene Planungen über den Haufen zu werfen, um irgendeine Art von Ausbildungsarbeit ermöglichen zu können. Termine müssen pandemiebedingt fortlaufend ausfallen oder verändert ausgeführt werden. Kleingruppenkonzepte werfen bewährte Strukturen über den Haufen und fordern uns fortlaufend in der Organisation, um Alternativen zu planen. In Summe leidet die Probenarbeit bis heute enorm. Wir fragen uns vor jedem Termin, ob wir ihn ausführen können beziehungsweise dürfen – es gilt auch, Vorgaben seitens der Ministerien zu beachten. Was anfangs für uns noch eine Pause zur rechten Zeit war, insbesondere nach dem Jubiläumsjahr 2019 und den zahllosen Sitzungen rund um die Reorganisation 2019/2020, entpuppt sich nun als Dauerbelastung in der Aufrechterhaltung der Einsatzfähigkeit.

Was sind spezifische Themen, mit denen Sie in der Pandemie konfrontiert wurden?

Neben den zahllosen Anpassungen von Ausbildungs- und Terminplänen samt zugehöriger Konzepte, war die Phase der ersten Impfungen sehr herausfordernd. Ich selbst hatte sehr viel Zeit investiert, um meiner Mannschaft die Impfung schnellstmöglich zu ermöglichen, als wir mit der Impfpriorisierung endlich an der Reihe waren. Für alle 87 Kameraden haben ich alle Nachweis-Dokumente vorausgefüllt und von der Verwaltung entsprechend abzeichnen lassen. Zusätzlich haben wir gemeinsam mit unserer Hausarztpraxis Bennetz & Ulrich drei Impftermine in einem rundum Paket abgewickelt, das heißt inklusive aller Dokumente und Modalitäten drumherum. Beim sogenannten Booster-Termin konnten wir auch Familienmitglieder berücksichtigen und haben so 165 Personen eine Booster-Impfung ermöglicht.

Müssen Sie auf Ausflüge und Feiern verzichten?

Bis auf einen Kameradschaftsabend im Herbst 2021, den wir in einer Phase ausgeführt haben, in der die Inzidenzwerte sehr niedrig waren, konnten keinerlei Veranstaltungen dieser Art ausgeführt werden. Das ist eine große Belastung für das Miteinander. Der Kameradschaftsabend hat offenbart, wie stark das Verlangen der Kameraden nach mehr Miteinander mittlerweile geworden ist. Da selbst der Ausbildungsbetrieb keinerlei Möglichkeiten mehr bietet, diesen Teil zu pflegen, bleibt wirklich einiges auf der Strecke, was unser Miteinander ausmacht. Auch wir in der Führungsmannschaft versuchen natürlich, kleine Signale zu senden, wie zum Beispiel das persönliche Verteilen von Neujahrskränzen an jedes einzelne Mitglied, anstelle des Auswürfelns am Silvesternachmittag, aber das sind unter dem Strich nicht mehr als Trostpflaster und kleine Gesten. In meiner Rolle als einer der Hauptorganisatoren des Brigachtaer Dorffestes haben mir bei einer gerade abgeschlossenen Abfrage der teilnehmenden Vereine des Dorffestes alle ihre Zusage für ein Dorffest 2022 gegeben, sollte die Pandemie eine solche Veranstaltung zulassen. Ich habe die Hoffnung, dass uns die Pandemie auch wieder einmal ein Stück weit geerdet hat. Mehr Wertschätzung für die Arbeit der Vereine, für Feste und Veranstaltungen, die wir alle selbst in der Vergangenheit gestemmt haben, das täte uns allen gut. Professionelle Veranstaltungen, für die die Besucher viel Geld auszugeben bereit waren, kompensieren nicht, was das vermeintlich kleine Vereinsfest zu leisten im Stande ist, Geselligkeit und Miteinander mit Freunden und Bekannten im vertrauten örtlichen Umfeld.

Welches waren die größten Einsätze in den vergangenen Jahren, gab es Großbrände?

Wir haben Gott sei Dank seit dem Großbrand im Januar 2017 auf dem Stellenhof, bei welchem einer unserer Kameraden persönlich betroffen war, keine gleichartigen Ereignisse mehr erlebt. Damals verendeten über 35 Stück Jungvieh. Seither gab es verschiedene größere und kleinere Einsätze. Zuletzt brannte im September 2021 ein landwirtschaftlicher Unterstand samt Gerätschaften und eingelagertem Stroh nieder. Hier wurde in Richtung Brandstiftung ermittelt, was natürlich immer nochmals besonders betroffen macht. Im Einsatzverlauf blickt man als Führungskraft in die Augen der betroffenen Eigentümer, die mit so einem Schadensereignis konfrontiert werden, und sieht, was das alles auslöst. Keine schönen Eindrücke, die dort haften bleiben.

Haben Einsätze bei Verkehrsunfällen zugenommen, gab es mehr Personensuchen?

Nein, bei uns im Brigachtal kann man das verneinen. Wir haben Gott sei Dank keine außerordentlich unfallträchtigen Straßen auf unserer Gemarkung.

Haben Einsätze bei Umweltschäden oder auch Stürmen oder Hochwasser zugenommen?

Brigachtal ist durch den Umstand gekennzeichnet, dass insbesondere die Talauen der Brigach nicht bebaut sind, deshalb sind normale Hochwasserlagen eigentlich kein Thema. Was immer wieder ungläubiges Staunen hervorruft, sind Starkregenereignisse, die ganze Straßenzüge unter Wasser setzen, bei denen niemand mit Hochwasserlagen rechnen würde. Hier hat die Flächenversiegelung und die Ausdehnung der bebauten Fläche auch einen Anteil daran. Von einem Trend zu sprechen wäre aber wohl nicht gerechtfertigt.

Wie sieht es mit Rettung von hilflosen Personen, zum Beispiel in Wohnungen, aus?

Wir stellen für uns aktuell keine wirklichen Schwerpunkte fest. Es gab Zeiten, da hatte man den Eindruck, dass insbesondere die Zahl der häuslichen Notlagen zunimmt. Es kam immer wieder zu Türöffnungseinsätzen, die ein Stück weit darauf hindeuten, dass zunehmend Menschen im hohen Alter auf sich alleine gestellt sind und den Alltag bewältigen müssen.

Wie gerne sind Sie Kommandant, wie groß sind der Stress und die Verantwortung?

Ich lebe dieses Amt mit voller Überzeugung. Es ist eine große Bürde, die sich ein jeder Kommandant ein Stück weit auch selbst definiert und auferlegt. Ich habe für mich persönlich einen entsprechenden Anspruch definiert, dem ich auch gerecht werden möchte. Es erfordert viel Bereitschaft und eine extreme Konsequenz, sich über all die Jahre dieser Aufgabe Tag für Tag zu stellen und dafür auf andere Dinge zu verzichten. Ich selbst äußere oft den Satz, dass es nicht so schlimm ist, wenn einer oder mehrere von 87 Kameraden einmal unpässlich sind oder nicht erscheinen, aber einer repräsentiert die Feuerwehr immer und zu jeder Zeit, egal ob in Uniform oder privat, das ist der Kommandant. Dieses Bild jeden Tag zu leben, erfordert einen hohen Einsatz. Ich ziehe meinem Hut vor jedem, der in vergleichbarer Funktion für ein Mitglied der Blaulichtfamilie oder einen anderen Verein tätig ist. Das Amt hat für mich nichts mit Spaß zu tun, aber es erfüllt einen mit Stolz, es ausüben zu dürfen und irgendwann zurückblicken zu dürfen und hoffentlich zu sagen, ich habe es hoffentlich auch gut gemacht. Das beurteilen am Ende aber immer andere.