Holger Sielski legt das Amt des Kommandanten in Bitz nieder. Er zieht sich aus dem aktiven Geschehen zurück.
Mit 13 Jahren kam er zur Freiwilligen Feuerwehr in Bitz. „Ein Kamerad hat mich mitgenommen“, erinnert sich Holger Sielski. Inzwischen blickt der 56-Jährige auf mehr als 40 Jahre bei der Feuerwehr zurück. 25 Jahre davon war er Feuerwehrkommandant. Ein weiteres Mal will er sich nicht aufstellen lassen: „Irgendwann kommt man in einen Trott rein, dann fällt einem Veränderung immer schwerer.
Da tun sich Jüngere um einiges leichter“, sagt der Bitzer reflektiert. Und jung ist sein Nachfolger: Julian Steinert ist unter 30 und wird das Amt übernehmen. Bis es Ende Februar offiziell so weit ist, hält Holger Sielski noch die Stellung.
„Ich war damals mit 31 Jahren der jüngste Feuerwehr-Kommandant im Landkreis“, erinnert sich Sielski. 1996 war er bereits zum stellvertretenden Feuerwehrkommandanten gewählt worden, 2001 dann zum Kommandanten. Eine der wichtigsten Eigenschaften in diesem Amt? Ruhe bewahren. „Du hast die Verantwortung und musst den Überblick behalten“, sagt Sielski. „Kommandanten übernehmen die Einsatzleitung. Sie sind zwar vor Ort, aber nicht am Einsatzgeschehen beteiligt. Du musst schauen: Wie kann ich die Situation am besten bekämpfen, ohne dass Schaden entsteht?“
„Hat mir den Rücken gestärkt“
Allein hätte er das Amt nicht ausüben können, da ist sich Sielski sicher: „Ich war immer gottfroh, dass mir meine Frau den Rücken gestärkt hat“, betont er. „Als Kommandant hat man viel Schreibarbeit, das erledige ich immer an den Samstagen.“
Die Bürokratie sei deutlich mehr geworden im Vergleich zu seinen Anfangszeiten. Mit dem Bürotag ist die Arbeit noch nicht getan. Sielski gibt zudem Schulungen zu Brandschutz, bietet Feuerlöschtrainings an, leitet Sitzungen, fährt auf Einsätze. Und das alles neben seinem Hauptjob als Werkzeugmechaniker.
In 40 Jahren Feuerwehr einiges erlebt
In seinen 40 Jahren bei der Feuerwehr sind einige Erlebnisse zusammengekommen: Sielski war schon bei einem brennenden Bauernhof, hat Keller leergepumpt, die nach einem Unwetter mit Wasser vollgelaufen waren, und mitgeholfen, den Brand bei der Recyclingfirma Korn in Albstadt zu löschen.
Besonders einprägsam waren für Sielski die Momente, in denen eine Person aus der Gefahr gerettet werden konnte. „Sie wissen, der Person ging es nicht gut, und drei, vier Wochen später treffen sie die Person wieder und sie bedankt sich bei Ihnen. Das hat mich immer am meisten gefreut“, sagt der Feuerwehrmann. Die Wertschätzung der Menschen sei da: „Es ist eher selten, dass wir keine Rückmeldung bekommen.“
Früher keine Schutzkleidung
Die Technik ist mit den Jahren immer besser geworden. „Früher hatten wir einen blauen Anton an, wenn wir zu Einsätzen gefahren sind, also gewöhnlichen Baumwollstoff. Und Atemschutz war im Entstehen, als ich zur Feuerwehr gekommen bin“, erinnert sich Sielski.
Die Folge: Ein brennendes Gebäude konnte nur von außen gelöscht werden, weil alles andere zu gefährlich gewesen wäre. Das führte zu größeren Schäden durch Wasser und Feuer. Die professionelle Schutzkleidung heutzutage ermöglicht es, direkt zum Feuer vorzudringen und so gezielter löschen zu können.
Nicht nur die Technik hat sich verbessert, auch die Zusammenarbeit zwischen den Wehren funktioniere inzwischen deutlich besser – in Bitz betrifft das vor allem den Austausch mit der Winterlinger Feuerwehr. „Früher war das anders. Da hieß es eher mal: Das ist unser Feuer, ihr habt hier nichts zu suchen“, sagt Sielski.
Und wie geht es jetzt weiter? „Aus dem aktiven Bereich ziehe ich mich zurück. Es gibt nichts Schlimmeres für einen neuen Kommandanten als wenn der Alte noch herumgeistert“, sagt Sielski.
Erinnert sich gern an aktive Zeit
Er erinnert sich gern an die aktive Zeit, freut sich aber auf neue Freiheiten, die nun auf ihn warten: einfach mal ein paar Tage wegfahren, ohne vorher eine Vertretung zu organisieren, und nicht immer auf Abruf bereitstehen zu müssen, zum Beispiel. Ganz raus aus der Feuerwehr ist er schon aus familiären Gründen nicht: Alle drei Söhne sind ebenfalls dort aktiv. „Ich habe sie nicht dazu gezwungen“, sagt Sielski mit einem Schmunzeln.
Mit seiner Frau Angela möchte er verreisen und Kurztrips an den Wochenenden unternehmen. Und ein erstes Projekt hat er auch schon im Blick: „Früher hatte ich mal ein Aquarium.“ Aus Zeitgründen hatte er es irgendwann aufgegeben, kann sich aber gut vorstellen, wieder eines ins Haus zu holen: „Fische sind schön zum Anschauen und schwätzen einem nicht rein.“