Max Leinmüller (von links) und Siegbert Merkt aus Trichtingen, Timmy Haibt und Silke Haibt aus Harthausen sowie Eduard Widmann, Christian Vogel und Hannes Gühring aus Epfendorf engagieren sich in der Feuerwehr. Foto: Cools

Die Epfendorfer Feuerwehr möchte tiefere Einblicke in ihr Tun geben. Langjährige Aktive und Neuzugänge erzählen uns, was sie antreibt, wie sich das Vorgehen bei Einsätzen gewandelt hat, und welche Entwicklung ihnen große Sorge bereitet.

Es gibt Einsätze, die bleiben im Gedächtnis. Zum Beispiel der Brand des Biolandhofs in Epfendorf im Jahr 2016 oder der Großbrand auf einem Aussiedlerhof in Harthausen drei Jahre zuvor. Für die einen, weil sie an vorderster Front bei der Brandbekämpfung geholfen haben, für die anderen, weil ihnen im Angesicht einer Katastrophe klar wurde, dass sie ebenfalls helfen wollen.

 

Abteilungen sind wichtig

So ging es Timmy Haibt aus Harthausen. Der 30-Jährige hat nach dem Großbrand in Harthausen vor mehr als elf Jahren zusammen mit einigen anderen beschlossen, Teil der Epfendorfer Gesamtwehr zu werden.

Damals bestand die Harthausener Abteilung aus 18 Kräften, erinnert er sich. Inzwischen sind es deutlich weniger, weshalb die Abteilung ihre Übungsdienste seit diesem Jahr zusammen mit der Epfendorfer Abteilung durchführt.

Eigenständig bleibt sie trotzdem. Und das sei für den „taktischen Erstangriff“ und aufgrund der Ortskenntnis auch wichtig, meint Haibt.

Es geht um Leben und Tod

Seine Frau Silke hat das Feuerwehrfieber vor fünf Jahren mit ihrem Umzug in die Gemeinde dann auch erfasst. Sie kam eines Montags mit zum Übungsdienst und blieb gleich da. „Im Einsatz sind wir aber kein Paar, sondern normale Feuerwehr-Kameraden“, sagen beide.

Wenn ein Einsatz ansteht, muss alles funktionieren, denn im Zweifel geht es um Leben und Tod. Die Kameraden müssen sich gegenseitig kennen, ein Rädchen muss ins andere greifen, damit schnell geholfen werden kann, und damit einem selbst auch nichts passiert.

Jeder hat eine Aufgabe

„Man muss den Teamkameraden vertrauen können, denn man legt sein Leben in ihre Hände“, sagt Silke Haibt. „Und man muss sich auf jeden verlassen können, weil man immer eine verschieden zusammengesetzte Truppe im Auto hat und jeder wichtig für das Gelingen des Einsatzes ist“, sagt Christian Vogel.

Der 56-jährige Epfendorfer ist Feuerwehrmann durch und durch. Er ist mit zwölf Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten – heutzutage geht das schon ab acht Jahren – und seitdem, mit einer kurzen Unterbrechung, dabei. Neben dem Bedürfnis, Menschen zu helfen, hat ihn auch das Interesse an der Technik zur Feuerwehr gebracht.

Kein Einsatz ist wie der andere

So ging es auch Hannes Gühring (22) aus Epfendorf, der seit seinem 13. Lebensjahr dabei ist. Bei einem Jugendfeuerwehr-Infoabend ließ er sich vor allem für die Ausrüstung und die Fahrzeuge begeistern und ist seither dabeigeblieben.

Was Christian Vogel außerdem faszinierend findet: „Dass man innerhalb kürzester Zeit mit einer Situation klarkommen muss, die es vorher nie gegeben hat, denn kein Einsatz ist wie der andere“. Umso wichtiger sei es, dass die Basics, die man in der Ausbildung lernt, sitzen.

Adrenalin bleibt

Das sieht auch Eduard Widmann so. Der 68-Jährige ist seit 50 Jahren Teil der Epfendorfer Feuerwehr und für die Brandschutzerziehung und die Alterswehr zuständig. Ein gute Vorbereitung nehme viel Druck weg.

Aber selbst dann bleibt das Adrenalin, wenn der Funk losgeht. „Diese Aufregung legt sich nie. Das ist aber normal, denn ein Fehler kann einen ja schlimmstenfalls das Leben kosten“, weiß der Trichtinger Siegbert Merkt. Er ist seit mehr als 40 Jahren Teil der Feuerwehr. In eine Gedankenspirale dürfe man aber auch nicht verfallen: „Wer grübelt, macht Fehler.“

Bessere Ausrüstung gibt Vertrauen

Glücklicherweise sei die Feuerwehr heutzutage viel besser ausgerüstet als früher, sagt Eduard Widmann. Einsatzkleidung sei in seiner Anfangszeit dünn wie ein Bettuch gewesen, erinnert er sich. Seine Ausrüstung habe man früher zu Hause angezogen und auch nach dem Einsatz wieder mit heim genommen.

Mitte der 1970er-Jahre habe es auch noch keinen Atemschutz gegeben. Man sei mit einem Taschentuch über Mund und Nase in ein brennendes Gebäude gegangen, ergänzt Siegbert Merkt. Das führte deutlich häufiger zu Rauchvergiftungen.

Auch in Sachen Vorgehen bei der Brandbekämpfung hat sich einiges geändert. Früher habe man Gebäude vor allem von außen gelöscht, sagt Gesamtkommandant Alexander Heim. Heutzutage gehe man rein und bekämpfe gezielt die Brandherde.

Mehr technische Hilfeleistungen

Rund 30 Einsätze hat die Gesamtwehr jährlich zu bewältigen. Was die Art der Einsätze angehe, so habe man früher häufiger mit Bränden zu tun gehabt, erzählt Christian Vogel. Inzwischen seien es mehr technische Hilfeleistungen, etwa bei Verkehrsunfällen, Türöffnungen und Bäumen, die auf die Straße gefallen sind, aber auch bei Hochwasser.

Eine der größten Herausforderungen ist die personelle Ausstattung. Unter der Aussetzung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes hätten alle Blaulichtfraktionen zu leiden, weiß Timmy Haibt.

Hinzu komme, dass früher die meisten im Ort oder in der näheren Umgebung gearbeitet hätten, sagt Alexander Heim. Nun seien die Anfahrtswege von der Arbeit bei manchen Kameraden deutlich weiter. Glücklicherweise sei die Epfendorfer Gesamtwehr beim Ausrücken aber sehr schnell und könne die Hilfsfrist einhalten.

Rücksichtsloses Verhalten

Was den Feuerwehrkameraden sauer aufstößt, ist das Verhalten der Autofahrer, wie Eduard Widmann sagt. Diese verhielten sich bei Absperrungen deutlich rücksichtsloser als früher. „Der Egoismus ist größer geworden“, hat Widmann beobachtet. Er wünscht sich, dass die Feuerwehr in ihrer Arbeit künftig unterstützt statt blockiert wird.

Vor zwei Jahren zur Feuerwehr gestoßen ist der 20-jährige Max Leinmüller aus Trichtingen. Gelegenheiten für Einsätze gab es seitdem noch nicht viele.

Neuzugänge müssten aber auch nicht befürchten, gleich ins kalte Wasser geworfen zu werden, erklärt Alexander Heim. Man führe sie langsam an die Tätigkeiten heran, finde ihre Stärken heraus und achte darauf, ihnen nicht zu viel zuzumuten.

Gemeinschaftsgefühl ist einmalig

Denn mancher Einsatz hat es ganz schön in sich. Eduard Widmann beispielsweise war im Laufe seiner Feuerwehrtätigkeit mit drei Todesfällen konfrontiert. „In einem Fall war es sogar ein Kamerad von mir.“ So etwas beschäftige einen natürlich auch lange nach dem Einsatz noch.

Wer psychologische Hilfe in Anspruch nehmen wolle, der könne mit dem Feuerwehrseelsorger im Kreis Rottweil sprechen, erklärt Heim.

Oftmals helfe es für die Bewältigung des Erlebten aber schon, den Einsatz danach mit den Kameraden zu besprechen. Denn das ist eben auch einer der Faktoren, die dafür sorgen, dass die Feuerwehr allzeit schlagkräftig ist: die Gemeinschaft und das Gefühl, dass man hier wie eine Familie ist.