Die Jahreshauptversammlung der Bad Dürrheimer Kernstadt-Feuerwehr wurde von Entscheidungsträgern auch als Ventil zum Luftablassen genutzt.
Die Feuerwehr zählt aktuell 59 aktive Einsatzkräfte, fünf davon sind Frauen.
Der Feuerwehrkommandant der Abteilung Bad Dürrheim, Thomas Lippert, sieht seine Feuerwehr als „Mädchen für alles“ wenn vergleichsweise oft zu kleinen technischen Hilfeleistungen wie Türöffnungen zum Einsatz gerufen wird.
Gesamtkommandant Volker Heppler ärgerte sich über viele Alarmierungen zu Türöffnungen, von denen 90 Prozent auf die Kernstadt entfielen. „Wir rücken halt aus, wenn irgendwo ein Schlössle klemmt“, brummte Heppler. Ihn ärgert bei den inferioren Einsätzen auch der hohe Verwaltungsaufwand, wenn der Einsatz der Feuerwehrleute mit deren Arbeitgebern kompliziert verrechnet werden muss.
Als Bürgermeister ist Jonathan Bergötz zugleich oberster Dienstherr der Floriansjünger. Er ergänzte die Problematik der oft zu schnellen Alarmierungen bei kleinen Problemstellungen.
Kurz vor Krisenstab
Den Rathauschef ärgerte beim knapp einstündigen Stromausfall am vorletzten Sonntagnachmittag das seiner Meinung nach schnelle übergroße Nachfragen bei der Feuerwehr, was denn da passiert sei. Berggötz mahnte zu mehr Gelassenheit bei solchen Vorfällen. Er schilderte aber auch, dass es gar nicht mehr so zeitlich weit weg gewesen sei, womöglich einen Krisenstab einberufen zu müssen. Man stand schon in Kontakt mit den Energieversorgern.
Wegen Stromausfall könnten wichtige Informationen mit elektronischen Medien (Festnetztelefon, Handy, Internet, Radio und Ähnlichem) im Extremfall nicht mehr vermittelt werden, welche dann etwa mit Lautsprecherfahrzeugen erfolgen müssten.
Feuerwehrhaudegen Hermann Bury sprach an, dass Mitarbeiter im Feuerwehrhaus (nicht Notruf) telefonisch in solchen Fällen Informationen geben sollten. Bei ihm seien allein vier Mal besorgte Anrufe eingegangen. Seine Kollegen meinten hemdsärmlig im Spaß, dass eine solche Notfallhotline deshalb doch bei ihm persönlich eingerichtet werden sollte.
Besondere Einsätze
In einer Rückschau wurden gleich zwei besondere Einsätze aufgezeigt. Ausgerechnet parallel beim Narrenbaumaufstellen zum 100-Jahr-Jubiläum der Narrenzunft musste zu einem schließlich glimpflich verlaufenen großen Küchenfeuer ausgerückt werden.
Insgesamt 45 Alarmierungen erfolgten zur technischen Hilfeleistung, zwölf zu Brandeinsätzen. 41 Fehlalarme waren zu verzeichnen.
Statistisch wurden an Montagen und Donnerstagen jeweils zu zwölf Einsätzen gerufen, an Sonntagen zu zwanzig. Insgesamt wurden 36 Personen gerettet.
Insgesamt wurden zehn große Objektübungen auch unter Atemschutz absolviert. Insgesamt gab es 48 Ausbildungs- und Dienstabende in denen in über 120 Stunden Feuerwehrwissen vermittelt wurde. Bei acht Großveranstaltungen wurde Brandsicherheitsdienst, beziehungsweise Sitzbereitschaft geleistet.
13 Mitglieder in der Jugendwehr
Über die Jugendfeuerwehr informierte Robert Zimmer. Die Jugend zählt 13 Personen, drei davon Frauen. Insgesamt wurden 46 Diensteinsätze von jeweils 1,5 Stunden geleistet. Ein Highlight war das Sommerferienprogramm mit interessanten Experimenten für die Dreikäsehochs im Feuerwehrhaus mit Altkommandant Markus Karrer alias Peter Lustig gewesen.
Insgesamt 15 Feuerwehrleute zählt die durchaus agile Alterswehr unter Leitung von Hermann Bury. Eine große Überraschung offenbarte sich: Der im vergangenen Jahr verstorbene Feuerwehrkamerad Franz Wursthorn hat der „Oldietruppe“ 500 Euro vererbt. Die stolze Summe, soll ganz in dessen Sinn, für ein zünftiges großes Fest verwendet werden.
Kassierer Leon Limberger konnte ein solides positives Zahlenwerk darlegen. Ein gut vierstelliger Gewinn ist durch Einnahmen beim Tag der Offenen Tür und durch die Absage des Weihnachtsfestes bedingt. Limberger wurde für seine perfekte Buchhaltung, auch die der Jugendkasse, von den Kassenprüfern Maximilian Maier und Stefan Karrer gelobt.
Bürgermeister Berggötz freute sich und kommentierte: „Das sind weit bessere Zahlen als bei der Stadt.“ Wie einige anwesende Gemeinderäte zeigte er hohe Wertschätzung für die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr auf.
Zum seit 2007 immer noch nicht geklärten Gerichtsfall um das „krumme Gerätehaus“ konnte der Bürgermeister auf Nachfrage vor dem anstehenden „20-Jahre-Jubiläum“ keine Neuigkeiten vermelden. Angesetzte Gerichtsverfahren seien mehrmals aufgehoben worden. An eine anvisierte Neuansetzung, möglicherweise in einem halben Jahr, glaubt Berggötz selbst nicht wirklich.