Schon auf der Anfahrt zeigt sich das Ausmaß des Feuers mit einer meterhohen Rauchsäule. So gelingt es den Einsatzkräften, den Schaden zu begrenzen.
„Ich saß gerade mit zwei Feuerwehrkameraden zusammen, als der Alarm losging“, erinnert sich Steffen Albert, Abteilungskommandant der Hüfinger Feuerwehr. „Einer davon war Jan-Philipp Bäurer, also mein Vorgänger. Und das war schon mal ein relativ großer Vorteil für uns.“
Der Einsatz wurde direkt als „Brand 3, Gebäudebrand“ beim Lidl-Lager gemeldet. Das sei ungewöhnlich, weil normalerweise zuerst die Brandmeldeanlage Alarm schlage. Dass dieses Mal sofort von einem größeren Gebäudebrand ausgegangen wurde, sorgte bei den Einsatzkräften zunächst für einen Schockmoment.
Schon auf dem Weg zum Feuerwehrhaus war über Hüfingen eine dichte, pechschwarze Rauchsäule zu sehen. Im Industriegebiet Im Weiher standen am Abend des 9. Mai im Außenbereich des Lidl-Logistikzentrums meterhohe Kunststoffpaletten in Flammen. Das Feuer griff bereits auf die Fassade über, die Flammen schlugen weit über das Dach hinaus.
„Uns war sofort klar, dass die Gefahr bestand, dass sich die Flammen auf das gesamte Gebäude ausbreiten könnten. Deshalb mussten wir schnell handeln“, berichtet Steffen Albert. Bereits auf der Anfahrt hatte er sich mit Einsatzleiter Markus Ziganczuk darauf verständigt, dass er einen Abschnitt kontrolliert und sie das Feuer von zwei Seiten in die Zange nehmen. Der Brand war mittlerweile auf einen „Brand vier, Industriebrand“, gestuft worden.
„Wir waren personell von Beginn an optimal aufgestellt. Gemeinsam mit Einsatzleiter Markus Ziganczuk waren wir direkt zu viert unterwegs, Jan-Philipp Bäurer und ich als Abschnittsleiter und ein weiterer Kamerad, der uns unterstützt, gefunkt und gefahren hat“, so Albert weiter.
Bereits 14 Minuten nach der Alarmierung waren alle sechs Einsatzfahrzeuge der Abteilung Hüfingen Stadt voll besetzt an der Einsatzstelle eingetroffen. Schnell wurde klar: Der Brand würde nur mit einem massiven Löschangriff unter Kontrolle zu bringen sein. Von mehreren Seiten kämpften die Feuerwehrleute gegen die Flammen, unterstützt von Drehleitern aus Donaueschingen und Blumberg.
„Die größten Herausforderungen waren die Größe des Gebäudes und die Höhe des Feuers“, erinnert sich Markus Ziganczuk, Kommandant der Hüfinger Feuerwehr und Einsatzleiter des Abends. Der 53-Jährige ist seit 35 Jahren bei der Feuerwehr. In seinen sieben Jahren als Kommandant sei der Lidl-Brand mit das größte Ereignis gewesen.
Kein Spielraum für Zögern
„Das Wichtigste war, zu verhindern, dass der Brand ins Dach und damit ins Gebäude rein brennt. Dann wäre es heftig geworden“, führt Ziganczuk weiter aus. „Das bedeutete in diesem Fall schnell sein und einfach schiere Unmengen an Wasser ins Feuer bringen“, ergänzt Steffen Albert.
Gleichzeitig mussten immer wieder neue Gefahren abgewehrt werden: Funkenflug sorgte sogar im Wohngebiet Mönchshof für kleinere Brandstellen. Dort kontrollierten die Einsatzkräfte vorsorglich die Lage. Der großflächige, dreiseitige Löschangriff zeigte nach etwas mehr als einer Stunde Erfolg, sodass eine weitere Ausbreitung verhindert und „Feuer unter Kontrolle“ gemeldet werden konnte. Stefan Meier war bereits im dritten Löschfahrzeug an die Einsatzstelle gekommen und im ersten Trupp, der unter Atemschutz ins Gebäude ging. „Wir sind bis unters Dach in den zweiten Stock vorgedrungen und haben dort gezielt nach möglichen Hitzequellen gesucht“, so Meier. Im Inneren wurde jedoch kein Brandherd festgestellt.
Äußerlich wurde mit dem Donaueschinger Drohnentrupp die Fassade abgeflogen und mögliche Brandstellen identifiziert. Kommandant Gerd Wimmer zeigte der Einsatzleitung auf dem Monitor mit Nachtsicht oder Wärmebildkamera, wo Brände oder Glutnester ausfindig zu machen sind. An diesem Abend galt der Flug mehr der Überprüfung, denn das Feuer war bereits weitestgehend unter Kontrolle gebracht, so Wimmer.
Auch Bürgermeister Patrick Haas war den ganzen Abend vor Ort. Ihn beeindruckte vor allem, wie gut die Wehren organisiert waren.
Stundenlanger Einsatz
Erst nach mehreren Stunden war der Brand vollständig gelöscht und „Feuer aus“ konnte gemeldet werden. Anschließend zogen Einsatzkräfte das verbrannte Material auseinander, um letzte Glutnester zu beseitigen. „Die Kameradschaft, die hier den ganzen Abend über herrschte, habe ich als sehr angenehm empfunden“, erinnert sich Meier. Auch die Unterstützung der Mitarbeitenden des Lidl-Standorts bei der Evakuierung und technischen Fragen sei sehr hilfreich gewesen.
„Gegen halb 3 in der Nacht hatten wir alles so aufgeräumt, um wieder einsatzbereit zu sein“, sagt Albert. Die Spannung nach so einem Einsatz werde dann allerdings mit in den nächsten Tag mitgenommen und sei bis heute etwas, über das sich die Kameraden austauschen. Über 100 Feuerwehrleute waren in dieser Nacht vor Ort. „So ein Einsatz wirkt schon nach, man ist auch körperlich sehr erschöpft“, schließt Albert.
Zur Brandursache
Die Ermittlungen
zur Brandursache dauern derzeit noch an, heißt es vonseiten der Polizei. „In der Tat sind Brandermittlungen schwierig. Der Aufwand hängt von der Zerstörung des Brandobjektes ab und man kann nur mit dem arbeiten, was noch übrig ist, salopp gesagt“, so Daniel Brill vom Polizeipräsidium Konstanz. Zwar gebe es technische und sogar tierische Unterstützungsmittel, die die Spurensuche erleichtern, dennoch gestalte sich die Ursachenforschung häufig schwierig. In vielen Fällen würden Brandsachverständige hinzugezogen, die die polizeilichen Ermittlungen ergänzen.