Auf dem Land kehrt die Lebensfreude zurück. Foto: Köncke

Zum Feuernachtstraum hatte die Kulturwerkstatt in Simmersfeld geladen. Und die Zuschauer kamen in Scharen. Beide Vorstellungen waren ausverkauft und erlebten eine stimmungsvolle Show.

Simmersfeld - Dreimal schlägt die Totenglocke, grauer Rauch steigt auf, eine vermummte Gestalt in schwarzem Gewand schwingt sich auf ein Podest, breitet weit die Arme aus und verschwindet Minuten später unter großem Getöse hinter einem Vorhang. War das die Pest? Will ein zorniger Gott die Menschen bestrafen?

Mit dem szenischen Prolog aus Boccaccios "Decamerone" beginnt auf der Wiese vor dem Festspielhaus der Feuernachtstraum der Simmersfelder Kulturwerkstatt. Aus der Ferne dringt das Wehgeschrei einer verzweifelten Mutter ans Ohr. Die Seuche hat ihr Kind hinweggerafft. Eine Sängerin (Raphaela Stürmer) stimmt Klagelieder an. Leichname werden in weiße Laken gewickelt, auf einen Ochsenwagen gelegt und von Maskierten zu dramatischer Musik aus Carmina Burana auf einen Hügel mit Holzkreuzen gekarrt.

Open Air trotz Regenfällen

Wir schreiben das Jahr 1348. Die Pest wütet überall in Europa – besonders in der italienischen Stadt Florenz. Furcht und Schrecken machen sich breit. Soll man sich dem Schicksal übergeben? Eine Handvoll Überlebender entschließt sich zur Flucht. In ländlicher Abgeschiedenheit will man das Ende der Pest abwarten. Langsam kehrt die Lebensfreude zurück. Vor allem bei jungen Mädchen. Ihre Stimmung steigt noch mehr, als Burschen aufkreuzen und einer von ihnen von der Schönheit der Jungfrauen geblendet zur allgemeinen Belustigung nur "O Gott, o Gott" herausbringen kann.

Nach dem Schlussapplaus und mehreren Verbeugungen wurde – beschallt vom Gefangenenchor aus "Nabucco" – der Schauplatz gewechselt. Auf der Freilichtbühne hinter dem Festspielhaus hatten die "Haiducken" aus Freiburg unter einem Kirschbaum Platz genommen. Seit Oktober 2020 hatten sie keinen öffentlichen Auftritt mehr, informierte der Bandleader – und versprach nach den finsteren Ereignissen auf dem Vorplatz mit jüdischer Hochzeitsmusik und Balkanstücken trübe Gedanken zu vertreiben. Was dem fünfköpfigen Ensemble mit Akkordeon, Klarinette, Kontrabass und Percussion auch glänzend gelang.

Zu später Stunde wurde von der Jungen Kulturwerkstatt ein märchenhaftes Naturfeuerwerk inszeniert. Funken sprühten aus meterhohen Holzstämmen, Flammen züngelten an brennenden Fackeln, Feuerpois tanzten durch die Nacht, kleine Schiffe schwammen auf der mit einem Laken abgedeckten Wasseroberfläche der Freilichtbühne und Feuervögel tauchten die Kulisse in bengalisches Licht. Abgerundet wurde das Spektakel von den Haiducken. Mit sphärischen Klängen und Geräuschen, erzeugt von "Grodock" aus Freiburg endete ein ereignisreicher Kulturabend.

Auch die zweite Vorstellung am Samstag war ausverkauft und fand trotz Regenfällen vor Beginn komplett open air statt.

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