Im Prozess wegen der Brandstiftungen in Geislingen haben Kriminalpolizisten berichtet, wie die Spuren des Täters gesichert wurden und wie die Ermittlungen auf den Angeklagten führten.
Im Landgericht Hechingen sagten am Donnerstag auch zwei Beamte der Kriminalpolizei Balingen aus: Die Kriminaltechnikerin hatte nach den Bränden an der Isinger und der Huberstraße Spuren gesichert, ihr Kollege leitete die Ermittlungen.
Spürhund im Einsatz
Bei dem Feuer am 20. Juni brannte eine landwirtschaftliche Halle komplett aus. „Dann ist es schwer, eine Brandursache festzustellen“, hielt die Beamtin fest. Fotos der Streifenpolizisten ließen aber Rückschlüsse darauf zu, wo es zuerst brannte: „Wenn das Feuer nicht von einer landwirtschaftlichen Maschine ausgeht, ist Brandstiftung wahrscheinlich.“
Deshalb wurde ein Brandmittelspürhund nach Geislingen gebracht, der laut der Oberkommissarin an zwei Stellen Zeichen gegeben hat. Dort wurden Bodenproben genommen und vom Landeskriminalamt analysiert. An einer Stelle hinter der zerstörten landwirtschaftlichen Halle wurden Benzinrückstände nachgewiesen.
Auch nach dem Brand am 4. Juli kam der Hund zum Einsatz. Bei dem angezündeten Palettenstappel wurde mit seiner Hilfe Kraftstoff nachgewiesen, wo keiner zufällig hingelangen konnte: „Da bleibt nichts anderes übrig, als dass das jemand ausgebracht haben muss“, sagte die Polizistin.
Benzin im Kanister
Sei Benzin bei Brandstiftungen als Brandbeschleuniger typisch, wollte der Vorsitzende Richter wissen. Ja, denn Benzin sei weit verbreitet und jeder wisse, dass das „gut funktioniert“, antwortete die Zeugin.
Bereits nach dem ersten Versuch, den Stall im Emertal anzustecken, wurden Kaminhölzer und ein angeschmorter, grüner Plastikdeckel gefunden, wahrscheinlich von einem Benzinkanister. Zufällig habe man einen Kanister kaum dabei, kommentierte die Polizistin: „Man muss das dann vorhaben und sich vorbereiten.“
Ermittlungsgruppe
Bereits nach dem ersten Brand am 7. Juni wurde bei der Kripo eine Ermittlungsgruppe eingerichtet: „Es war anzunehmen, dass es sich um eine beginnende Brandstiftungsserie handelte“, berichtete deren Leiter in der Verhandlung.
Das bestätigte sich: Eine Woche später wurde an einer anderen Stelle desselben Gebäudes erneut Feuer gelegt. Erneut fanden sich Hinweise für eine Brandstiftung.
Auf der Spur des Täters
Wie intensiv die Suche nach dem „Feuerteufel“ war, schilderte der Kriminalpolizist: Mehr als 70 Geislinger wurden befragt, mehr als 100 Gespräche geführt. Es gab zahlreiche nächtliche Einsätze, sechs Wochen lang sei man praktisch jeden Tag in Geislingen gewesen , teilweise 16 oder 17 Stunden im Dienst.
Auf den Angeklagten wurden die Ermittler nach der Brandstiftung am 4. Juli aufmerksam: Am selben Abend hat es in Geislingen eine Serie von Beschädigungen an geparkten Autos gegeben; ein Zeuge hat den Übeltäter erkannt und gegenüber der Polizei namentlich genannt.
Dieser fiel auch im Zusammenhang mit einem Einbruch in die Scheune des ehemaligen Gasthauses „Schützen“ am 4. Juli auf: In dem leerstehenden Gebäude, das zum Bau des geplanten Kreisverkehrs abgebrochen werden soll, ließ der Täter eine auffällige Baseball-Kappe zurück.
Diese erkannte später ein Polizist als die des bereits der Sachbeschädigung Beschuldigten: Jenen hatte der Beamte im Januar 2024 nach einem Diebstahl in Rottweil vernommen.
Durchsuchung am Morgen
In der Nacht des 16. Juli versuchte der Verdächtige ein zweites Mal, eine Halle in Verlängerung der Hubertstraße anzuzünden. Dabei wurde er von einer durch den Besitzer zusätzlich installierten Kamera deutlich erkennbar aufgenommen: Es war genau zu erkennen, wie er das Feuer mit der linken Hand legte.
Kaum drei Stunden später, um 5 Uhr morgens, stand dann die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss vor seiner Wohnung und nahm ihn aufgrund dringenden Tatverdachts fest. Man habe dabei die Kleidung direkt neben seinem Bett gefunden, die er auf dem Video trägt, berichtete der Ermittlungsleiter. Seine die Schuhe seien nass gewesen und hatten Grasspuren.
Vielzahl von Beweisstücken
Außerdem entdeckte die Beamten eine Vielzahl leerer Bierdosen und Plastikflaschen, an denen das LKA Spuren von Benzin nachwies, und mehrere Nachfüllflaschen mit Feuerzeuggas. In der Garage lagen der Rucksack des Tatverdächtigen und ein Benzinkanister.
Bei der Untersuchung des vorläufig Festgenommenen wurden an seiner linken Hand mutmaßlich durch Hitze abgeflammte Haare festgestellt. Außerdem hatte er Gras- oder Pflanzenreste an der Wange
Die Polizei hat auch den vermutlichen Fußweg des Angeklagten von seinem Wohnhaus zu den Tatorten rekonstruiert: Dieser führt vom Hintereingang des Hauses durch den Garten und ein Gebüsch zur Isinger Straße. Von dort sind es nur wenige 100 Meter bis zu den drei Tatorten.
Der Prozess geht am Dienstag, 4. März, mit dem voraussichtlich letzten Verhandlungstag weiter.