Franz Wild (links) und OB Erik Pauly enthüllen die Jubiläumstafel am Rathaus in Allmendshofen. Foto: Müller

Das Wochenende in Allmendshofen beginnt mit einem spritzigem Fassanstich. Statt vieler Reden wird ein Theaterstück aufgeführt.

Der Bieranstich zur Eröffnung der Allmendshofener Festivitäten wird allen als einer der längsten in Erinnerung bleiben: Sage und schreibe fünf Anläufe – nicht fünf Schläge, sondern fünf Anläufe à einiger Schläge – von Wolfgang Gut hatte es gebraucht, bis der Gerstensaft in die Krüge lief. Dieses Szenario passt zur launigen Gemeinschaft der Allmendshofener und hätte auch ein Programmpunkt der Festivitäten sein können. Moderiert wurden diese vom „Bürgermeister von Allmendshofen a. D.“ Franz Wild – auch diesen Titel darf man nicht ganz so ernst nehmen.

 

Ob Riedhexen, Sieben-Blätz-Hexen, Riedböcke, Hans Heini Narro, DJK-Kicker oder MGV Allmendshofen: Alle packten im Vorfeld und während der Veranstaltung – sowie sicherlich ab heute beim Abbauen – mit an. Nach dem Bieranstich ging es dann vor das Rote Rathaus, wo Oberbürgermeister Erik Pauly mit Franz Wild feierlich eine Gedenktafel enthüllte. Für musikalische Umrahmung sorgten die Sänger des MGV Allmendshofen.

Dennoch fragte man sich, warum die Sänger in schwarzen Anzügen mit einem weißen Hemd auftraten. Manch einer vermutete schon wieder einen Comedy-Akt – ob es eventuell der Trauerzug für die Allmendshofener Kicker war, die aktuell um den Klassenerhalt in der Landesliga spielen? Möglicherweise hatten die Sänger das Zwischenergebnis beim Auswärtsspiel auf dem Schirm? Weit gefehlt, es war einfach eine Hommage an die Tracht vor 100 Jahren, als man halt einfach schwarze Anzüge trug.

„So kiännst gsi si!“ begeistert

Ab 18 Uhr war unter den Festbesuchern dann eine gewisse Unruhe zu spüren, denn 30 Minuten später stand das kurze Theaterstück „So kiännst gsi si!“ auf dem Programm, und schon bildeten sich an Vorder- und Hintereingang plötzlich lange Schlangen – das Auditorium war nämlich auf 100 Plätze begrenzt.

Spritzige Angelegenheit: Wolfgang Gut und Sebastian Biedermann beim Bieranstich. Foto: Roger Müller

In wenigen Minuten war der kleine Saal im Obergeschoss des Allmendshofener Rathauses voll besetzt, und das aus der Feder von Wolfgang Gut stammende Theaterstück wurde uraufgeführt. Es ging darum, wie vor 100 Jahren eventuell eine Sitzung des Allmendshofener Gemeinderats hätte aussehen können – natürlich auf die humoristische Art, mit einem gehörigen, im wahrsten Sinne des Wortes üppigen Bierernst.

Im Stück wurde einem Gemeinderatsmitglied die Genehmigung für den Bau eines zehn mal zehn Meter großen Saustalls verwehrt. Er hatte aber die rote Außenfarbe für den Stall bereits gekauft und schenkte diese kurzerhand der Gemeinde. Diese verwendete sie für den Anstrich des Rathauses. Ganz nach dem Motto: „So kiännst gsi si!“

Aufgrund der unglaublich großen Besucherresonanz des Theaterstücks wurde dieses dann spontan 45 Minuten später noch einmal aufgeführt.

Auch am Sonntag gingen die Festivitäten im Donaueschinger Stadtteil munter weiter. Am Ende war es eine äußerst gelungene Jubelfeier – ganz so, wie es die Allmendshofener handhaben.

Vielfältige Nutzung

Das im Jahre 1926
fertiggestellte Rathaus in Allmendshofen blickt auf eine ereignisreiche Geschichte mit vielfältigen Nutzungen zurück. Es diente als Rathaus, Jugendherberge, Arbeiterwohlfahrt und Schule, bevor es schließlich seine aktuelle Funktion als Domizil für die ortsansässigen Vereine erhielt. Zuletzt wurde das Gebäude 2016 und 2017 saniert sowie den heutigen energetischen Standards und Sicherheitsansprüchen angepasst.