Die polnische Gruppe Dikanda bescherte den Gästen der Kulturwerkstatt Simmersfeld einen berauschenden Abend. Binnen weniger Minuten verwandelte sich das Festspielhaus in einen vor Musik und Emotionen siedenden Druckkessel.
Wie oft Dikanda in Simmersfeld bereits auftrat, konnten die Musiker aus Szczecin (Stettin) nicht sagen – sicherlich aber waren es aber drei oder vier Mal. Denn seit der Gründung des Ensembles 1997 wechselte sich die Besetzung mehrmals, und jetzt sorgten Ania Witczak (Gesang, Akkordeon) und Kasia Bogusz (Gesang) sowie Szymon Bobrowski (Trompete), Daniel Kaczmarczyk (Percussion), Dominik Bieńczycki (Violine), Piotr Rejdak (Gitarren) und Grzegorz Kolbrecki (Kontrabass) für eine unvergleichbare und explosive Stimmung.
Das mit dem ersten Preis bei Eurofolk-Wettbewerb in Plock ausgezeichnete Ensemble gab mehrere eigene Alben heraus, demnächst erscheint ein weiteres. Zum Charakter der Musik passt am besten die Bezeichnung „Truppe“, denn die Künstler wirkten auf der Bühne wie Familienmitglieder eines Wandervolkes – unbeschwert wie Kinder und frei wie die Vögel, die durch die Länder Europas, Asiens und Nahost ziehen und ihre Lebensfreude hemmungslos bekunden.
Sowohl die frappierende Gesangskunst der beiden Frontfrauen als auch das bedingungslose Engagement aller Musiker machten das Konzert zu einem Ausnahme-Spektakel. Die Instrumentalisten gingen an ihre technischen und künstlerischen Grenzen, agierten und improvisierten so hingebungsvoll, dass sich die Besucher beinahe als Geisel der oft exotischen Musik mit markant-gewaltigen Rhythmen fühlten. Es entstand ein lebensbejahendes, geradezu ekstatisches Klima. Kein Wunder, dass einige Frauen aus dem Publikum zum Tanzen vor der Bühne aufsprangen.
Wurzeln in der Folklore
Die Musik von Dikanda hat ihre Wurzel in der Folklore mehrerer Völker – von Mittel- und Osteuropa, Balkan, Arabien bis hin zum indischen Bundesstaat Rajasthan. Doch die Stettiner Künstler zitieren die Ursprungsquellen nicht, sondern greifen ihre spezifischen Hauptmerkmale auf und verarbeiten diese zu eigenen, originellen wie ausdrucksstarken Arrangements.
Dabei machen sie keinen Halt vor expressiven bis explosiven Ausdrucksmitteln, die die Mentalität verschiedener Ethnien im musikalischen und auch szenischen Aspekt widerspiegeln und verwandeln die Musik in eine Apotheose des Lebens. Und so ähnelten manche Songs dem Gesang aus der Hohen Tatra, die anderen der Musik von einer jüdischen Hochzeit oder der von Roma am Lagerfeuer. Obendrauf muteten die subtil-sinnlichen Tanzbewegungen der Sängerinnen wie Bilder aus dem Orient an.
Feurige Samba als Zugabe
Pausenlos, eineinhalb Stunden lang, lebte und bebte die Bühne, und immer wieder brach Applaus aus. Durch wirkungsvolle Zäsuren provozierte die Truppe das Publikum zu nächsten Beifallwellen und auf johlendes Verlangen legten sie eine feurige Samba als Zugabe zu.