Die Opernfestspiele 2025 im Wasserschloss bei Sulz sind nit 2000 Besuchern bis jetzt bereits jetzt ein Erfolg. Dabei gibt es nach „Traviata“, „Tosca“ und Co. dieses Jahr eine besondere Premiere.
Mit zwei gefeierten Aufführungen von „Die Fledermaus“ haben die Opernfestspiele Schloss Glatt einen wunderbaren Start hingelegt.
Früh am Premierenabend war klar: Glatt kann auch Operette. Und wie! Natürlich haben sich die Opernfestspiele längst etabliert – nach außen, wie nach innen. Was sie freilich nicht zum Selbstläufer macht. Eher wächst daraus eine Verpflichtung, insbesondere natürlich gegenüber dem Publikum. Und Intendant Sven Gnass hat dieses auch bei der „Fledermaus“ fest im Blick.
Musikalisch setzt Gnass einmal mehr auf ein hohes Maß an Plastizität. Da geht in Glatt die Bodensee-Philharmonie gerne mit. Ausdrucksstark, mit gleichermaßen kompaktem wie vollem Ton lassen sich die Musiker gerne durch ein forderndes System führen: In diesem dehnt Gnass die Agogik bis an den Rand, ohne die Musik ins Manierierte kippen zu lassen oder die Ohrwurm-Qualitäten der Stücke aufzuheben. Das geht so weit, dass das Publikum einzelne Verse mitsingt, Teil dieser Walzerseligkeit wird.
Inspirierte Interpretation
Fast lustvoll füllen die Musiker auch den gesamten dynamischen Raum bis hin zu scharfen Spitzen, die die Ironie auf der Bühne noch einmal akzentuieren.
Dort hat sich ein famoses Ensemble zusammengefunden, um das Rachespiel aus Täuschung, Verführung und der zunehmenden Auflösung in einem einzigen großen, champagnerseligen Taumel so richtig auf- und vor allem auch vorzuführen.
Hervorragendes Ensemble
Da sind natürlich Heiko Börner als Eisenstein und Marie-Audrey Schatz, in Glatt immer gerne gesehen, als dessen Frau Rosalinde. Ein in vielerlei Hinsicht ungleiches Paar. Hier der Möchtegern-Bonvivant, den Börner mit Verve und großer Präsenz ausspielt. Dort die Lady, die Audrey fast beiläufig als Inbegriff der Kunst auftreten lässt, um sie dann mit derselben Authentizität mal als gestresste Dame des Hauses, mal mit einem Aufblitzen eigener Leidenschaft agieren zu lassen.
Wiedersehen mit Publikumslieblingen
Und natürlich sind da auch zwei Publikumslieblinge der Festspiele: Adam Kim, der als Dr. Falke in Glatt übrigens sein Operetten-Debüt gibt, und dem Gnass im Finale des zweiten Aktes die „Toréador“-Arie vom Balkon herab spendiert, Mancinis „Pink Panther“-Thema bleibt instrumental – ein besonderer Höhepunkt der Glatter Produktion. Und Eleazar Rodriguez, der sich in der „Traviata“ vor zwei Jahren nachhaltig in die Herzen der Festspiel-Fans gesungen hat. Als Alfred, sehr plastisch verhinderter Liebhaber Rosalindes, rockt er in einfach köstlichem Outfit die Szene.
Detailreiche Inszenierung
Als ziemlich straighten Partygastgeber Prinz Orlofsky hat Gnass die ebenfalls von den Festspielen 2023 in guter Erinnerung gebliebene Alexandra Kadurina eingeladen. Kai Preussker als Gefängnisdirektor und Stefan Hahn als Anwalt Dr. Blind sind sehr gute Besetzungen, die sich mit ihrer Präsenz hervorragend in das Ensemble fügen.
Yukari Fukui ist als Frosch eine herrliche Buffa – und Hyeonjeong Kim hievt das Starlet Adele eindeutig in Richtung Star. Begeisternd. Genau so wie die Regiearbeit von Gregor Horres, der aus hervorragenden Sängern hervorragende Schauspieler macht.
Was da auf der Bühne – und gerne auch neben der Szene – geschieht, ist vielleicht ein bisschen dem Geist von Glatt geschuldet. So ein detailreiches Spiel, das Figuren und Handlung ganz ohne Künstelei entwickelt, sieht man nicht alle Tage. Und der von Johannes Knecht vorbereitete Philharmonia Chor ist in Glatt ohnehin eine Bank.
Zwei Aufführungen – am kommenden Freitag und Samstag, 18./19. Juli, stehen noch aus. Allerdings gibt es nur noch wenige Restkarten.