Zwei wunderschöne Urkunden aus den Anfangsjahren des evangelischen Kirchenchores Meßstetten sind – zufällig – im Jubiläumsjahr auf Flohmärkten aufgetaucht. Foto: Karina Eyrich

125 Jahre evangelischer Kirchenchor Meßstetten werden gefeiert mit Festgottesdienst und Jubiläumskonzert am Samstag, 15. November, ab 17 Uhr in der Lamprechtskirche.

Unverhofft kommt – in diesem Fall – oft: Eine Urkunde, mit der Dorothea Roth 1906 als Sängerin des evangelischen Kirchenchors Meßstetten geehrt worden war, hatte ein Stöberer auf einem Flohmarkt entdeckt und sie der aktuellen Sängerin Monika Fritz-König gegeben.

 

Sie brachte die prächtige, gerahmte Urkunde dem Vorsitzenden Bruno Lachmann – das passende Geschenk im 125. Jahr des Chores. Ein weiteres kam noch dazu: „Keine zwei Wochen später rief jemand aus Pfeffingen an, der ebenfalls eine Urkunde in Flohmarkt-Ware entdeckt hatte“, so Lachmann: Auch Johannes Strölin war 1905 mit dem geschmackvoll gestalteten „Ehren-Diplom“ ausgezeichnet worden.

Die Einladung zum Jubiläum ist mit der schönen Dame, die auch die Urkunden ziert, geschmückt. Foto: Karina Eyrich

Die schöne Dame mit Leier und Lorbeerkranz, die beide Urkunden schmückt, hat das Jubiläumsteam um Lachmann, seinen Stellvertreter Harald Horn und Edelgard Herre, Mitglied im Ausschuss, auf die Einladung zum Jubiläumskonzert mit Festgottesdienst am Samstag, 15. November, ab 17 Uhr in der Lamprechtskirche gedruckt, das bei freiem Eintritt unter dem Motto steht: „Ich will dem Herrn singen ein Leben lang“. Spenden kommen der Orgelrevision zugute – für die derzeit 30 Sängerinnen und Sänger ein wichtiges Instrument. Zumal nicht wenige der bisherigen Chorleiter – etwa Wilfried Groh und Bernd Braun – auch Organisten sind.

Auch auf Bühnen hat der evangelische Kirchenchor Meßstetten große Auftritte gehabt, wie diese Reproduktion eines Archivbildes zeigt. Foto: Karina Eyrich

Nämliches gilt für Ulrike Klie, die Lachmann als Glücksfall bezeichnet: Seit die junge Organistin aus Stetten am kalten Markt den Chor leite, habe er auch wieder Zulauf, seien sogar Ehemalige zurückgekommen – wie alle Chöre hatte der evangelische Kirchenchor Meßstetten in Zeiten der Coronavirus-Pandemie Verluste.

Die Frauen überwiegen – das war schon in den 1970er-Jahren so, als dieses hier reproduzierte Foto entstanden sein dürfte. Foto: Karina Eyrich

Was der Chor in den 125 Jahren seines Bestehens alles erlebt hat, mussten Lachmann, Horn und Herre aus dem evangelischen Gemeindebrief „Heimatklänge“ herauslesen, sind seine Archivunterlagen doch seit Anfang der 2000er-Jahre in Stuttgart klimatisiert untergebracht. Doch im Gemeindebrief sind seit dem Gründungsjahr Meilensteine wie die große Gounod-Messe, das Bach-Weihnachtsoratorium, das Mozart-Konzert 2006 und das Gospelkonzert 2003 mit dem katholischen Kirchenchor Meßstetten beschrieben.

Harald Horn, Edelgard Herre und Bruno Lachmann stöbern zum Jubiläum in alten Fotos. Foto: Karina Eyrich

Weil die geselligen Aktivitäten für den Zusammenhalt des Chores aber mindestens ebenso wichtig sind wie die Erfolge in Kirchen und auf Bühnen, kommen in den Berichten auch die Ausflüge und die Chorfeste, die ein bis zwei Mal pro Jahr auch die Familienangehörigen der Aktiven mitfeiern, ebenfalls nicht zu kurz.

Nicht nur in der Kirche – auch bei Festen im Freien singt der Chor gerne, wie diese Reproduktion eines Archivbildes zeigt. Foto: Karina Eyrich

Beschrieben sind dort auch die gemeinsamen Auftritt mit dem Partnerchor St. Sebastian in Mundenheim – die Kooperation kam durch Bernd Brauns Freundschaft mit dem dortigen Chorleiter zustande – und natürlich die Höhepunkte im alljährlichen Programm: Bei Festgottesdiensten an kirchlichen Feiertagen ist der Kirchenchor eine feste Größe und probt dafür immer montags ab 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus.

2008 wurde Eva Kadelbach, die 16 Jahre lang den Kirchenchor geleitet hatte, von Pfarrer Oskar Beuttler und dem Vorsitzenden Bruno Lachmann geehrt. Foto: Peter Franke

Was wünscht sich der Chor zu seinem Jubiläum? „Dass junge Sänger kommen!“, sagt Bruno Lachmann und schmunzelt: Noch immer besteht – wie bei fast allen Chören – akuter Mangel an Tenören und Bässen. Doch das war wohl immer schon so: In einer Aufzeichnung von 1913 ist von vier Bässen, vier Tenören, 15 Altistinnen und 26 Sopranistinnen die Rede. Doch mit der jungen Chorleiterin Ulrike Klie ändert sich das ja bereits – und in den nächsten 125 Jahren darf der Aufschwung weiter gehen.