Kunst kann nicht nur in der Kreativwirtschaft den Blick auf Prozesse schärfen, ist Unternehmer Matthias Stroezel überzeugt. Engagiert er sich deshalb beim Festival „The Gate“?
Noch bis einschließlich 22. Mai sucht im Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart in Stuttgart-Vaihingen (Nobelstraße 19) das Festival „The Gate“ digitale Innovation, Wirtschaft und Kunst in Dialog zu bringen. Matthias Stroezel, Gründer und Geschäftsführer des Datenverarbeitungs-Unternehmens SSC Services in Böblingen, engagierte sich schon 2024 für die erste Ausgabe von „The Gate“. Was interessiert ihn?
Herr Stroezel, Sie sind von Beginn an beim Media Solution Center und bei „The Gate“ engagiert. Beeinflusst dieses Interesse auch Prozesse in Ihrem Unternehmen?
Auf jeden Fall. Der Blick wird einfach schon durch das Auseinandersetzen mit anderen Disziplinen und der damit einher kommenden Kultur deutlich erweitert. Und es gibt bei uns in den SSC Services-Teams auch ganz konkrete Ansätze wie das Thema Artistic Research, also das Hinzuziehen kreativer Intelligenz bei komplexen Problemen.
Konkret: In diesem „The Gate“-Jahr ist das thematische KI-Gewicht enorm. Beschleunigt KI auch bei Ihnen nicht nur die Prozesse, sondern verändert eventuell auch die Wege, Prozesse zu denken?
KI beschleunigt auf jeden Fall, aber weniger in Richtung von Arbeitsplatzersatz, sondern in der Steigerung des Outputs und vor allem auch der Qualität, wenn man zum Beispiel an das Testen von Software denkt. Die Ansprüche an den Prozess und damit an den Architekten steigen allerdings auch, sodass man hier vorsichtig skalieren muss.
Die Festival-Ausstellung lebt von Effekten, die in der Medienkunst seit vielen Jahren eingesetzt werden. Gleichwohl faszinieren Sie immer wieder. Brauchen wir als Publikum also schlicht länger als gedacht, um uns in den künstlichen Räumen – noch dazu selbst aktivierbaren – zurecht zu finden?
Auf jeden Fall. Das persönliche Erlebnis scheint für mich in der Wirkung sogar eher noch verstärkt zu sein, wenn man es mit den virtuellen Erlebnissen vergleicht. Die Vorstellung des Stuttgarter Balletts mit ihrem Tanzlabor DanceLab war für mich unglaublich beeindruckend. Die unmittelbare Erfahrung befördert zugleich die Bereitschaft, technologische Innovationen nicht als abstrakt zu sehen, sondern als Raum, den man mitgestalten kann und will.