Miri – Du bist unsere beste Ordnungshüterin auf dem Festival-Campingplatz Foto: Jürgen Lück

Zum Auftakt des Rock of Ages Festivals ist die Stimmung der Fans auf dem Campingplatz gut. Doch an der Kasse gibt es Probleme. Die Presse muss draußen bleiben.

Was ist das nur für ein verrückter Campingplatz? Statt Sonnenschutz hängen Sexpuppen unter dem Wischer. Die „Polizei“ lässt die Muskeln spielen – einfach die Klamotten runter. Blaulicht und Martinshorn ertönen. Das Signal: „Hier wird dein Durst gelöscht!“ Und die Kinder quengeln nicht nach Vergnügungspark, Eis oder Cola, sondern nach Rock.

 

Der legendäre Campingplatz

Es ist wieder Rock of Ages. Der legendäre Campingplatz der Festivalbesucher. E-Mark aus Gäufelden: „Mein Geschäft ist das Rohrreinigen. Doch ab heute werden keine Rohre gespült, sondern die Kehle!“Ehefrau Carola ist schon seit Mittwoch hier, hat das Wohnmobil schon gerichtet. E-Marc lästert: „Ich hätte ja gerne Grillfleisch. Aber meine Carola kann auf die Küche nicht verzichten.“ Da gibts gleich die Pfanne von der Liebsten...

Festivalbesucher erzählen

Plötzlich ertönt Blaulicht und Martinshorn neben dem Feuerwehrauto. Müssen jetzt die Retter eingreifen? Die Party-Polizei steht jedenfalls schon bereit. Miri hat das US-Police-Car vorgefahren, die Jungs lassen die Muskeln spielen: T-Shirt runter und den Sixpack zeigen. Danach gleich rauf auf die Motorhaube und hoch die Hände in den Himmel.

Da wird die Biene Maja ganz wuschig. Beziehungsweise Palim. Er sagt: „Wir sind schon lange mit dabei. Erst waren wir beim Bang Your Head. Da gab’s aber aggressive Tendenzen und Poser. Seitdem sind wir beim Rock of Ages. Mit Michi zusammen haben wir früher Boxen auf Paletten gestellt und im Sprinter geschlafen. Doch da sind wir ein paar mal abgesoffen!“

Palim weiter: „Michi hat dann gesagt: Ich kauf mir ein Feuerwehrauto, baue da alles rein. Eismaschine, Zapfanlage, Musikanlage.“ Kult auf dem Campingplatz. Und weil es noch so früh ist (15.15 Uhr), hat Michi noch den Bademantel an seinem Feuerwehrauto an. Dreht noch mal auf, und Petra tanzt voll ab.

Eine fröhliche Runde ein paar Zelte weiter. Mittendrin die kleine Julia. Die Rock-of-Ages-Dame aus Remscheid sagt: „Julia ist schon auf dem Festival dabei, seitdem sie zwei Jahre alt ist. Jetzt ist sie neun!“ Was gefällt ihr an diesem Festival? Wie aus der Pistole geschossen sagt Julia: „Das Zelten und der Rock!“

Der Reporter lobt: „Was für eine gelungene Erziehung!“ Alle lachen.

Keine Chance trotz Akkreditierung

Beste Stimmung auf dem Campingplatz. Zurück zur Akkreditierung. An der ersten Kasse nachgefragt: „Sie müssen hinten zum Holzhäuschen!“ Hier steht schon eine lange Schlange. Ich frage kurz rein, ob man als akkreditierter Journalist auch warten muss. Die Uhr tickt für die Zeitungsproduktion.

Antwort: „Sie müssen anstehen.“ Ab nach hinten. Die Schlange hinter mir wird immer länger. Ein Pärchen hinter mir scheint wohl VIP-Karten zu haben. Er sagt: „Kann wohl nicht wahr sein, dass wir anstehen müssen. Bei uns in der Firma müsste der Verantwortliche dafür gerade stehen!“

Vorne ruft es: „Leute auf der Gästeliste – bitte vorkommen.“ Ich geh nach vorne, lege meinen Presseausweis auf den Tisch: „Ich bin akkreditiert.“ Antwort: „Nein. Sie sind nicht auf der Liste. Sie dürfen nicht rein.“

Liegt es an der Berichterstattung?

Liegt es an der kritischen Berichterstattung unserer Redaktion über die Absage von Bang Your Head und dem Wirbel rund um die Rückgabe der Tickets beziehungsweise um die Umschreibung auf das Rock of Ages-Festival? Nicht ausgeschlossen, denn am Dienstagabend war die Stimmung gegenüber unserer Redaktion vor Ort recht eindeutig. Die kritische Berichterstattung sei beim Veranstalter nicht gut angekommen.

Der Schwarzwälder Bote hatte sich im Vorfeld des Rock of Ages-Festivals um Kontakt mit dem Veranstalter bemüht. Doch sowohl per Telefon, E-Mail oder Facebook-Nachricht blieben die Anfragen unbeantwortet. Auch Nachfragen zur Akkreditierung liefen ins Leere. So ging es unserer Redaktion wie einigen Fans, die auf Facebook ebenfalls schilderten, keine Antworten auf ihre Anfragen zu noch nicht vorliegenden oder umgetauschten Tickets erhalten zu haben.