Mit einem festlichen Abend hat Niedereschach das 50-jährige Bestehen der Patenschaft mit der vierten Kompanie des Jägerbataillons 292 gefeiert.
Viele Erinnerungen wurden beim offiziellen Festakt anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Patenschaft zwischen der Gemeinde Niedereschach und der vierten Kompanie des Jägerbataillons 292 aus Donaueschingen wachgerufen. Das lag auch daran, dass viele frühere Kompaniechefs teils von weit her angereist waren und mit dem früheren Niedereschacher Bürgermeister Otto Sieber auch ein Zeitzeuge der ersten Stunden mit dabei war.
Er und auch alle Redner des Abends waren sich einig: Der Blick auf die Bundeswehr hat sich in den vergangenen 50 Jahren verändert. Ungeachtet dessen hat die bestehende Patenschaft seit 50 Jahren Bestand und alle zeigten sich zuversichtlich, dass dies auch in den nächsten 50 Jahren so sein wird.
Es wurden erinnerungsträchtige Jubiläumsurkunden und Geschenke ausgetauscht und nach den Ansprachen rundete ein gemeinsames Abendessen und ein DJ das Jubiläumsfest ab.
Erlös wird gespendet
Vojtech Horejsi Eröffnet wurde der Reigen der Ansprachen von Oberstabsfeldwebel und Kompaniefeldwebel Vojtech Horejsi, der sich über den guten Besuch und das gemeinsame Miteinander sehr freute. Er gab bekannt, dass der komplette Erlös des Jubiläumsfestes zu gleichen Teilen dem Bundeswehr-Sozialwerk und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zugutekommen wird. „Die Gemeinde nimmt uns in allen Punkten so, wie wir sind“, lobte Horejsi und verteilte eine Vielzahl von Dankesworten an alle, die zu diesem erfolgreichen Jubiläumsfest einen Beitrag geleistet haben.
Hagen Fetzer „Niedereschach macht es einem einfach“, fasste der bisherige Kompaniechef Hagen Fetzer in dessen Ansprache die Zusammenarbeit mit der Patengemeinde Niedereschach zusammen und fügte hinzu: „In Niedereschach werden die Soldaten immer mit offenen Armen empfangen und wir unterstützen die Gemeinde stets gerne“.
Zusammen mit seinem Nachfolger als Kompaniechef, Vadim Lorenz, überreichte er ein Jubiläumspräsent. Zur Freude aller machte Lorenz deutlich, dass auch er als neuer Kompaniechef seinen Beitrag zum Erhalt der „lebendigen Patenschaft“ für die nächsten 50 Jahre leisten wolle. Er überreichte Bürgermeister Martin Ragg als Zeichen der Wertschätzung ein Kompaniewappen. „Lassen sie uns genauso weitermachen“, so sein Wunsch.
Vielzahl der Einsätze und Hilfeleistungen
Martin Ragg Dem Bürgermeister war es eine Herzenssache, allen zu danken, die sich in den vergangenen 50 Jahren im Sinne der Patenschaft engagiert haben. Zudem erinnerte er an die Vielzahl der Einsätze und Hilfeleistungen der Soldaten in Niedereschach in den vergangenen 50 Jahren und freute sich, mit seinem Amtsvorgänger Otto Sieber einem Mann der ersten Stunde das Wort erteilen zu können.
Otto Sieber Der Alt-Bürgermeister erinnerte an die Anfänge der Patenschaft im Jahr 1972, die dann 1976 offiziell besiegelt wurde. Damals, zwei Jahre nach seiner Wahl zum Niedereschacher Bürgermeister, wohnte er noch im Gässle bei Karl Schuler zur Miete, als spätabends ein in Donaueschingen stationierte Soldat „aus der Schramberger Gegend stammend“ an sein Badezimmerfenster klopfte und anfragte, ob Donaueschinger Soldaten in Niedereschach einmal ein Biwak abhalten dürften, allerdings verbunden mit der Bitte, dass diese Soldaten privat übernachten können, um so mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Sieber sagte zu, hatte allerdings Bedenken, ob sich genügend Bürger bereit erklären würden, Soldaten bei sich aufzunehmen.
Umso größer war seine Überraschung, dass sich die Bürger 1972, als die Soldaten im Militärbus in Niedereschach eintrafen, regelrecht darum stritten, einen Soldaten als Übernachtungsgast zu bekommen.
„Die Soldaten gingen weg wie warme Semmel und einige, die leer ausgingen, haben sich sogar bei mir beschwert“, erinnerte sich Sieber schmunzelnd.
Nach vier Jahren ist die Patenschaft offiziell
Es dauerte vier Jahre, bis die Patenschaft offiziell besiegelt wurde. In den Anfangsjahren sei die Patenschaft in erster Linie vom Engagement des Feuerwehrkommandanten Kurt Natschke und dem Vorsitzenden des SV Niedereschach, Arno Schlenker, sowie Kaiserwirt Fridolin Riedlinger, bei dem die Soldaten während des Biwaks jeden Tag ein kostenloses Frühstück einnehmen konnten, getragen worden.
„Die Bevölkerung stand dahinter, Freundschaften entstanden, gemeinsame Bälle wurden durchgeführt und es gab sogar Hochzeiten von Soldaten mit Bürgerinnen aus Niedereschach“, so Sieber, dem es zudem wichtig war, allen anwesenden Soldaten für ihren heutigen und in schwierigen Zeiten stattfindenden Dienst in der Bundeswehr zu danken. „Davor kann man nur den Hut ziehen“.