Sie feiern den 75. Geburtstag ihres Hotels: Hannes, Britta und Hermann Bareiss Foto: Niklas Ortmann

Das Hotel Bareiss beging sein 75-jähriges Jubiläum mit einem Festakt, bei dem die Erfolgsgeschichte des Hauses mit prominenten Gästen gewürdigt und gefeiert wurde.

75 Jahre Hotel Bareiss. Damit sei eigentlich schon alles gesagt, leitete Hannes Bareiss seine Festrede ein. Aber das reicht natürlich bei weitem nicht aus, um die Erfolgsgeschichte des Hotels zu beschreiben, das den beschaulichen Baiersbronner Teilort Mitteltal auf die Weltkarte gebracht hat.

 

Fünf Sterne Superior, drei Michelin-Keys, Höchstnoten in den renommierten Hotel-Guides. Das Restaurant Bareiss um Küchenchef Claus-Peter Lumpp mit den drei Michelin-Sternen. Die Auszeichnungen für das Bareiss, mit denen sich schon eine Rede füllen ließe, geben einen ersten Eindruck von dem, was die Familie in drei Generationen aufgebaut hat, sind aber letztlich auch nur Zahlen respektive Urkunden, die kaum das wiedergeben können, was der Hausherr „Bareiss-Feeling“ nennt.

Wenn es einen Satz gibt, der die 75-jährige Erfolgsgeschichte auf den Punkt bringt, der das beschreibt, was in der Fachsprache heute Unternehmensphilosophie genannt wird, dann den der Hotelgründerin Hermine Bareiss: „Für den Gast gibt es kein Nein.“ Er war ihre selbst gesetzte Messlatte, die Sohn Hermann keinen Zentimeter nach unten legte – und die auch heute die Arbeit von Hannes und Britta Bareiss prägt.

Und der Satz galt selbstverständlich auch bei der Jubiläumsfeier, zu der die Familie rund 100 geladene Gäste empfing, die sich getreu der Philosophie des Hauses alle als Ehrengäste gewürdigt sehen durften, wie Hannes Bareiss betonte.

Auch bei der Jubiläumsfeier Gastgeber mit Passion: Sommelier Teoman Mezda und Restaurantleiter Thomas Brandt Foto: Niklas Ortmann

Er begrüßte ein Who is Who aus Politik, Wirtschaft und Hotellerie – darunter Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, den ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger, Anthony Torkington, Managing Director von Relais & Châteaux, die Hoteliersfamilien Finkbeiner und Sackmann sowie Birgit und Meinrad Schmiederer. Die Gästeliste steht sinnbildlich für die heutige Strahlkraft des Hotels, die sich Hermine Bareiss bei der Gründung im Jahr 1951 wohl nicht hätte ausmalen können.

Die Gäste werden bei der Jubiläumsfeier mit Speis und Trank verwöhnt. Foto: Niklas Ortmann

Dabei mangelte es ihr gewiss nicht an einer Vision. „Sie war eine große Hotelpionierin, die den Gründergeist des Bareiss unnachgiebig gelebt hat“, würdigte Hannes Bareiss seine Großmutter.

Gastrednerin Hoffmeister-Kraut erinnerte an die Vita der Hotelgründerin: Sie heiratete 1939 den Förster Jakob Bareiss, wurde jedoch in den letzten Kriegswochen zur Witwe und war mit ihren Kindern Heide und Hermann auf sich allein gestellt.

Familie Bareiss im Austausch mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut Foto: Niklas Ortmann

„Doch Hermine Bareiss war eine tüchtige Frau voller Zuversicht – und ich glaube, diesen Geist brauchen wir heute in diesen bewegten Zeiten wieder vermehrt“, betonte Hoffmeister-Kraut. 1947, als Deutschland am Boden lag, übernahm Hermine Bareiss das Gasthaus Kranz in Mitteltal. 1951 eröffnete sie schließlich das neu erbaute Kurhotel Mitteltal, das heute den Familiennamen trägt.

Rund 100 Gäste empfing die Familie zur Jubiläumsfeier Foto: Niklas Ortmann
...darunter neben der Wirtschaftsministerin auch den früheren Ministerpräsidenten Günther Oettinger. Foto: Niklas Ortmann

Dabei setzte sie sich gegen Widerstand aus dem Gemeinderat durch und musste auch damals schon bürokratische Hürden überwinden, erinnerte Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf in seiner Rede. Sie war „arm an materiellen Sicherheiten, grenzenlos reich an visionären Zuversichten“.

Die Gäste lauschen der Rede von Bürgermeister Michael Ruf. Foto: Niklas Ortmann

Zuversicht. Dinge möglich machen. Kein Nein für den Gast. Den von Hermine begründeten Bareisschen Perfektionismus brachte Redner H.P.O. Breuer, Wegbegleiter der Familie und Autor des Buchs „Bareiss: Der Unternehmer – Das Unternehmen“, mit einer Anekdote über einen Speckflammkuchen auf den Punkt. Speckflammkuchen? Das klingt nicht nach Bareiss. Beim festlichen Mittagessen zum Jubiläum stehen auf dem Menü etwa Parfait von der Gänseleber mit Apfelcrème und Baumkuchen sowie Cassoulet vom bretonischen Hummer mit Morcheln und Fêves.

Parfait von der Gänseleber mit Apfelcrème und Baumkuchen Foto: Niklas Ortmann
Cassoulet vom bretonischen Hummer mit Morcheln und Fêves Foto: Niklas Ortmann

An einen einfachen Speckflammkuchen – er war eine ihrer Leibspeisen –, stellte Hermine Bareiss die gleichen Ansprüche wie an alle anderen Gerichte. Wenn er nicht kam, wie er sollte – golden, glänzend, auf den Punkt zubereitet –, „wurde der Koch an den Tisch zitiert und hatte nicht mehr viel zu bestellen“, erzählte Breuer.

Ein Speckflammkuchen als Symbol für den Bareisschen Perfektionismus: H.P.O. Breuer Foto: Niklas Ortmann

Klar, die Dinge haben sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Der Führungsstil im Haus ist moderner geworden. Die Mitarbeiter, die Bareissianer, sind neben den Gästen die zweite wichtige Zielgruppe des Hotels, wie Hannes Bareiss betonte. 440 Mitarbeiter aus 31 Herkunftsländern beschäftigt das Bareiss aktuell, was umgerechnet 340 Vollzeitstellen entspricht. Rund ein Drittel von ihnen sind Auszubildende.

Den 100. Geburtstag im Blick

Und der Nachwuchs steht auch in der eigenen Familie bereit: „Wenn alles wie geplant läuft, dann wird auch eines unserer drei Kinder einsteigen und das Hotel im gleichen Verständnis weiterführen“, erklärte Hannes Bareiss. „Möge das Bareiss in 25 Jahren zum 100. Geburtstag weiterhin so strahlen wie zum 75. Geburtstag!“

Hannes Bareiss bei seiner Festrede Foto: Niklas Ortmann

Alles gesagt? Mitnichten. Denn einer fehlte noch. Der Mann, der die Geschichte des Hauses wie kein Zweiter erzählen kann, weil er sie seit sechs Jahrzehnten prägt. Es begann mit dem mittlerweile berühmten Anruf seiner Mutter Hermine im Jahr 1966, als Hermann Bareiss, damals 22 Jahre alt, Wanderjahre in den USA und in Asien plante: „Entweder Du kommst nach Hause oder ich verkaufe das Hotel.“ Der Ausgang ist bekannt.

Der Erfolg als Nebenprodukt: Patron Hermann Bareiss Foto: Niklas Ortmann

Hermann Bareiss kündigte als letzter Redner in aller Bescheidenheit an, nur noch den Kehraus machen zu wollen, bevor es für die Gäste zu Tisch geht – als hätten diese nicht mit Spannung erwartet, was er, der Patron, zum Jubiläum zu sagen hat.

„Auf Erfolg kommt es zu allerletzt an“

Wer eine Erfolgsformel hören wollte, wartete vergeblich. „Auf Erfolg kommt es zu allerletzt an, denn er stellt sich von ganz allein ein, wenn einer auf seinem Niveau, seiner Begabung und seines Könnens alles und sein Bestes gibt.“ In aller Deutlichkeit: „Wer Erfolg für das Wichtigste hält, ist besoffen von sich selbst!“

Nachdem Hermann Bareiss den „Kehraus“ machte, geht es zu Tisch. Foto: Niklas Ortmann
Für die Gäste gab es bei der Jubiläumsfeier ein festliches Mittagessen. Foto: Niklas Ortmann

Der Erfolg als angenehme Nebenwirkung. Worauf es eigentlich ankommt? „Die größte Freude und die meiste Dankbarkeit habe ich, wenn ich die glücklichen Augen unserer Mitarbeiter und unserer Gäste sehe. Dann weiß ich: Das Bareiss hat gegeben, wofür es das Bareiss gibt: andere Glücklich zu machen.“