Auch die Tanzaufführung stand ganz im Zeichen Frankreichs. Foto: Schwarz

Das Wochenende stand ganz im Zeichen der 60-jährigen Partnerschaft zwischen Freudenstadt und Courbevoie. Beim gemeinsamen Festakt wurde die Partnerschaft erneuert.

Freudenstadt - Eigentlich war die Jubiläumsfeier bereits vor einem Jahr geplant, konnte damals wegen Corona aber nicht stattfinden. Der Atmosphäre geschadet hat diese Verzögerung aber nicht.

Am Samstagabend konnte Oberbürgermeister Julian Osswald nicht nur eine große Delegation rund um Bürgermeister Jacques Kossowksi aus Corbevoie in Freudenstadt begrüßen, sondern auch Delegationen aus den Partnergemeinden Heide, Schönegg und Männedorf. Die musikalische Begrüßung und Umrahmung des Festakts übernahm die Stadtkapelle. Sie spielte Stücke wie den "Marche de Paris" oder auch die "Ode an die Freude".

Oberbürgermeister Osswald sieht viele Gemeinsamkeiten

Oberbürgermeister Julian Osswald erinnerte in seiner Ansprache an die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde am 1. Oktober 1961 durch die damaligen Bürgermeister Walter Bärlin und Charles Deprez am selben Ort. Er verglich diese Partnerschaft mit einer diamantenen Hochzeit und sprach von einer "wertvollen und robusten" Ehe. Trotz des auf den ersten Blick ungleichen Paars hätten beide Städte auch viel gemeinsam. "Beide Städte sind sehr grün, vielfältig, traditions- und geschichtsbewusst, reich an historischer Bausubstanz, gleichzeitig modern, offen und kreativ", so Osswald.

Deutliche Worte gegen Nationalismus

Beide Städte schauten nach vorne, ohne das historische Erbe zu vergessen. Beide stünden zudem vor denselben Problemen, wie der regelmäßige Austausch gezeigt hätte. Von den unterschiedlichen Herangehensweisen an die Themen und Probleme profitiere man gegenseitig.

Nachdenklich stimmten ihn nationalistisch-separatistische Tendenzen und populistische Strömungen in Teilen der Gesellschaft, die auch vor Frankreich und Deutschland nicht halt machten. Man dürfe das nicht zulassen. Wie wichtig die Idee eines freien und geeinten Europas sei, zeige sich ganz besonders mit Blick auf die Ukraine.

Appell an europäische Solidarität

Nur geschlossen und solidarisch gelinge es Europa, sich in dieser Krise zu behaupten. "Der deutsch-französische Motor, vor fast 60 Jahren mit dem Elysée-Vertrag gestartet, war, ist und wird auch in Zukunft Herz und Antrieb Europas sein", betonte Oberbürgermeister Osswald.

Die Freundschaft zwischen Courbevoie und Freudenstadt werde aufgrund der Partnerschaft aus der Mitte der Gesellschaft heraus getragen – durch Vereine, Freiwilligenprogramme, Schüleraustausche, durch die Verwaltungen und durch die viele privaten Verbindungen, die dabei entstanden seien.

"Vive le Jumelage Freudenstadt-Courbevoie"

Unvergessen sei ihm der Aufenthalt in Courvevoie zum 50. Partnerschaftsjubiläum mit vielen tollen Eindrücken. Zum Abschluss seiner Rede rief Osswald aus: "Vive la France, vive L’Allemagne und Vive le Jumelage Freudenstadt-Courbevoie."

Bürgermeister Jacques Kossowski bedankte sich für die große Gastfreundschaft, die man in Freudenstadt immer wieder erleben dürfe. Entstanden sei nicht nur eine Freundschaft, sondern echte "Fraternité" – also Brüderlichkeit, die über den reinen Austausch längst hinausreiche. Die Freundschaft gründe sich auf menschliche, intellektuelle, physische und moralische Bindungen, meinte Kossowski.

Wenn aus Städtepartnerschaft Liebe wird

Wenn er aus Freudenstadt in die Heimat zurückkehre, dann trage er regelmäßig nicht nur Erinnerungen, sondern auch neue Ideen in sich, die er versuche zu adaptieren. Als Beispiel nannte er das Engagement für die Biomüllverwertung.

Beständige Städtepartnerschaften halte er persönlich für eine der größten menschlichen Errungenschaften in der Geschichte der internationalen Beziehungen und auch für ein menschliches Abenteuer. Immerhin hätten sich mehrere deutsch-französischen Paare gefunden.

Bühnenprogramm mit französischen Tänzen

Nach den Ansprachen wurde der Partnerschaftsvertrag durch die feierliche Unterschrift beider Stadtoberhäupter erneuert. Nach einer kurzen Umbauphase folgte das Bühnenprogramm mit tänzerischen Darbietungen von "Julia’s Dance Center Freudenstadt".

Die Frauen tanzten zu ganz unterschiedlichen Melodien mit Bezug zum Nachbarland. So erklang unter anderem "La vie en rose", "Can Can" oder auch "Let’s go Paris". Das Publikum applaudierte begeistert.