Weilheim feiert seinen 750. Geburtstag mit einer Festwoche vom 7. bis 13. Juli. Ein Blick in die Historie zeigt, wie der Spitzname „Hutzlabäuch“ zustande gekommen ist.
Die intensiven Planungen für die große Festwoche in Weilheim sind abgeschlossen, neue Willkommensschilder am Ortseingang weisen auf das Jubiläum hin. Ab Montag, 7. Juli, wird im Storchendorf der 750. Jahrestag der erstmaligen urkundlichen Erwähnung gefeiert. Los geht es mit einem Festakt um 19 Uhr in der Turn- und Festhalle, bei dem Otto Bogenschütz einen Einblick in die Weilheimer Geschichte geben wird.
Unsere Redaktion hat vorab mit Historik-Experte Bogenschütz gesprochen und die wichtigsten Etappen der Weilheimer Geschichte zusammengefasst. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Pfarrei Weilheim auf einer Einzugsliste des Bistums Konstanz im Jahr 1275. Hintergrund war die Sammlung von Abgaben für einen geplanten Kreuzzug, der letztlich aber nicht stattfand.
Kloster Reichenau hatte lange Zeit Einfluss
Otto Bogenschütz geht in seinen Erzählungen aber noch einen Schritt in der Geschichte zurück. Ursprünglich oblag dem Alemannischen Fürst Berthold die Macht über das Gebiet um Weilheim. Im Jahr 746 musste dieser Teile seines Reichtums abgeben – dieser landete im Besitz des Bruders von Königin Hildegard, die Frau von Karl dem Großen. Aus Angst davor in Ungnade zu fallen, spendete Hildegards Bruder Gerold wiederum einen Teil seines Besitzes an das Kloster Reichenau (Bodensee). Folglich wurde der Bereich um Weilheim, Bisingen und Thanheim von ebenjenem Klostersitz verwaltet.
Später bauten die Zollergrafen, die aus dem Elsass stammten, ihre Herrschaft rund um Weilheim auf; der Einfluss des Kloster Reichenaus sank. Gegen 1350 grassierte in Weilheim dann die Pest, die Felder lagen brach, die Gegend wurde in Mitleidenschaft gezogen. Dazu setzte 1352 ein Konzentrationsprozess ein. Das heißt, Bauernhöfe aus den Feldfluren zogen in die leerstehenden Gebäude rund um die Weilheimer Kirche, Siedlungen im Freien wurden aufgegeben.
Die Pest hatte jedoch auch Folgen auf die Machtverhältnisse in der Grafschaft: Nach einem Krieg zwischen den Herren von Hohenberg und den Zollergrafen in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wanderten letztere in das Raubrittertum ab. 1423 lag die Grafschaft folglich am Boden und Graf Eitel-Fritz begann mit dem Wiederaufbau. 1472 spaltete sich dann die Grosselfinger Kirche von Weilheim ab und bildete eine eigene Pfarrei.
Bauernaufstände und Dreißigjähriger Krieg
Das nächste Kapitel der Weilheimer Geschichte folgt dann im Jahr 1540: Den Bauern wurde die freie Jagd verboten, was zu Aufständen führte. Auch mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) verbindet Weilheim negative Erlebnisse. Denn der Ort lag nahe der sogenannten „Schweizer Straße“, auf welcher fremde Heere vorbeizogen. Diese haben sich von den umliegenden Orten ernährt, Getreide und Kühe geklaut. Die Bevölkerung flüchtete teils in die Waldgebiete und ernährte sich dort von „Hutzla“, woher auch der Weilheimer Spitzname „Hutzlabäuch“ stammt.
Die nächste Not herrschte in Weilheim während der Napoleonischen Belagerung. Hohe Abgaben mussten gezahlt werden, die Kindersterblichkeit war immens.
Zu Beginn der preußischen Herrschaft war das Gebiet rund um Weilheim nach wie vor rückständig. Mit dem Bau der Burg Hohenzollern wurde Arbeit geschaffen, Tagelöhner kamen so von der Straße. Auch in den Eisenbahnbau investierten die Preußen, die für eine Zeit richtig Geld in Hohenzollern investierten. Letztlich verloren sie aber das Interesse an der Gegend.
Bekannt wurde Weilheim industriell durch die Ansiedlung der Textilfirma Maute aus Tailfingen. Dort fanden viele Frauen als Näherinnen Arbeit. Heute zählt Weilheim rund 750 Einwohner und feiert groß seinen 750. Geburtstag.
Das Festprogramm zu 750 Jahre Weilheim
Montag, 7. Juli, ab 19 Uhr
Festakt in der Turn- und Festhalle mit einer Begrüßung durch Ortsvorsteher Gerd Eberwein, einem Grußwort von Bürgermeister Philipp Hahn, einem Vortrag über die Ortsgeschichte von Otto Bogenschütz und einem sich anschließenden Empfang.
Mittwoch, 9. Juli, ab 14 Uhr
Seniorennachmittag in der Turn- und Festhalle.
Samstag, 12. Juli, ab 14 Uhr
Fotoausstellung im Rathaus mit Quiz; ab 14 Uhr geführte Hutzeltour mit Johann Jung; ab 17 Uhr Fassanstich durch Bürgermeister Philipp Hahn; Festeröffnung mit dem Kindergarten St. Marien, der Tanzgarde SV Weilheim und dem Musikverein Weilheim; 19 bis 22 Uhr Unterhaltung durch die Böhmischen Schwaben; ab 22 Uhr DJ.
Sonntag, 13. Juli, ab 9.30 Uhr
Fotoausstellung im Rathaus mit Quiz (Abgabe bis 15 Uhr); ab 9.30 Uhr: ökumenischer Gottesdienst; ab 11 Uhr Kinderkarussell und Oldtimerausstellung; von 11 bis 13 Uhr Unterhaltung durch den Musikverein Weilheim; ab 11 Uhr Bogenschießen; ab 13 Uhr geführte Hutzeltour mit Johann Jung; von 13 bis 16 Uhr „echte Super-8-Szenen“ – Filmvorführung stündlich im oberen Klassenzimmer; ab 13 Uhr: Kinderunterhaltung mit der Freiwilligen Feuerwehr und Ratzgiwatz; ab 14.30 Uhr Unterhaltung durch die Maibühl-Musikanten des MV Rangendingen; ab 17 Uhr Bekanntgabe der Quiz-Gewinner.
Samstag/Sonntag:
Festzelt in der Ortsmitte.