Der Wettergott muss ein Markgräfler sein. Denn trotz dunkler Wolken ringsum blieb der siebte Gutedel-Wandertag von anhaltenden Schauern weitgehend verschont.
Schon vor der offiziellen Eröffnung herrschte in der Engetalstraße eine „Druggete“. Erwartungsfroh stimmten sich zahlreiche Genusswanderer beim Weingut Huck-Wagner, erstmals Startpunkt der Panoramatour im Zeichen der typischen Markgräfler Weinsorte, auf den Tag ein.
Bedeckter Himmel, das sei „optimales Trink- und Wanderwetter“, meinte Markus Büchin, Chef des Vereines veranstaltenden Vereins „Markgräfler Wein“. Efringen-Kirchens Bürgermeisterin Carolin Holzmüller freute sich, dass 20 Weinerzeuger aus dem südlichen Markgräflerland mobilisiert werden konnten, die entlang der zwölf Kilometer langen Strecke mehr als 100 Weine und Sekte präsentierten – stets in Kombination mit Caterern, Metzgern oder Gastromobilen.
Erstmals begleitete die Markgräfler Weinprinzessin Rosa Kost einen Wein-Wandertag als Schirmherrin. Die Winzerin und Studentin der Agrarbiologie, die aus Sankt Georgen stammt, dem nördlichsten Ort des Markgräflerlands, ließ es sich nicht nehmen, mit Freunden und Familie selbst auf Genusstour zu gehen.
Frisch und lebendig
Der Gutedel sei „frisch, lebendig und bodenständig“ und wachse in einem der reizvollsten Anbaugebiete Deutschlands, hatte sie verkündet. Eine Aussage, die die Besucher durch vollmundige Tropfen und herrliche Ausblicke in die Basler Bucht und die Vogesen bestätigt fanden.
Weingut in fünfter Generation
Das Weingut Huck-Wagner wird in fünfter Generation von den Geschwistern Oliver und Simone Wagner geführt und ist damit zugleich ein traditionsreicher und junger Erzeugerbetrieb. Vom Vinum Weinguide 2026 zur „Entdeckung des Jahres“ gekürt, steht Familie Huck-Wagner dieses Jahr besonders im Fokus. Dass sie nicht nur versierte Weinmache sind, sondern auch glänzende Gastgeber, bewiesen sie den gesamten Tag über.
Das Duo „Ad Hoc“, das unter anderem „Summer Wine“ und „You got a friend“ anstimmte, fand den passenden musikalischen Rahmen, den am Nachmittag „House of Music“ aufgriff.
Bollerwagen und Co.
Der Aufruf, auf die typische Vatertags-Ausstattung zu verzichten, fiel dagegen nicht immer auf fruchtbaren Boden. Vor allem die Jüngeren rückten dennoch mit Bollerwagen und wummernder Ballermann-Musik an. Der gelösten Stimmung tat dies aber keinen Abbruch.
Nach dem ersten steilen Aufstieg am Oelberg konnte dann so richtig genossen werden. Einheimische Gruppen probierten sich ebenso durch die Sortimente wie Gäste aus Nah und Fern. Neben Alemannisch waren auch zahlreiche weitere Dialekte – und natürlich auch Schweizerdeutsch und Englisch – zu vernehmen.
Zahlreiche treue Wanderer
Seit Jahren mit dabei sind die Sportfreunde Hügelheim, die gemeinsam mit den Höllbergfratzen einen Bus chartertern und mit 47 Personen die Tour antraten – fest entschlossen, „die ganze Strecke zu machen“, wie Silvia Fühner berichtete. Sollte die Kondition doch nicht ganz bis zur Endstation im Kurpark Bad Bellingen reichen, habe sie aber „einen guten Draht zum Busfahrer“, merkte sie augenzwinkernd an.
Ehepaar verpasst keinen Gutedel-Wandertag
Auch ein Ehepaar aus Waldshut verpasst seit Jahren keinen Gutedel-Wandertag, den es stets mit einer Übernachtung verbindet. „Wir sind richtig glücklich“, schilderten sie mit einem Glas roten Gutedels in der Hand hoch oben über Huttingen.
„Wir werden zufrieden nach Hause gehen“, stand für Ingo Ehret, Kellermeister der Haltinger Winzer, die in diesem Jahr 90 Jahre alt werden, schon gegen 14 Uhr fest. Besonders gefragt war bei den Haltingern der 2023-er Gutedel vom Weiler Schlipf, Silbermedaillengewinner beim diesjährigen Gutedelcup.
„Wer hätte das gedacht angesichts der Wetterprognosen“, zeigte sich auch Markus Büchin gegen 16 Uhr restlos zufrieden mit dem Gutedel-Wandertag. Die Wandertag-Gläser seien ausverkauft, ergänzte er, woraus man auf eine Besucherzahl zwischen 15.000 und 20.000 schließen könne. Er habe nur positives Feedback erhalten, etwa von Besuchergruppen aus Frankfurt oder Mainz. Die Mainzer hätten sich am Abend zuvor nochmals versichert, ob der Event auch stattfinde. „Selbst bei Regen hätten wir nicht abgesagt“, so Büchin. Denn der Aufwand lohne sich durch ein entsprechendes Nachgeschäft auf jeden Fall. Auch Büchin hatte einen sehr gut laufenden fruchtigen Gutedel im Ausschank. Noch besser gingen bei ihm sogar die Rose-Weine, die es als Gutedel nicht gibt.
Als Erfolg wertete auch Jens-Uwe Iburg, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Müllheim-Badenweiler den Gutedeltag. Rund 30 Wanderer absolvierten auf Extra-Rundkursen das Wanderabzeichen. „Wir konnten auch über unsere Arbeit aufklären und auch etliche neue Mitglieder gewinnen“, freute er sich.