Der Ausbau der Pfarrer-Sieger-Straße soll bald starten – aber erst nach dem Lauterbacher Dorffest. Foto: Dold

Vor einem Dilemma stand der Gemeinderat vor dem Ausbau der Pfarrer-Sieger-Straße: Eine Leitung für Fernwärme verlegen – oder auf dieses Projekt aus finanziellen Gründen verzichten.

In der Pfarrer-Sieger-Straße ist ein Fernwärmenetz denkbar, über das die Häuser ihre Heizwärme beziehen könnten. Von 22 Gebäudeeigentümern bekundeten bei einer Abfrage im Jahr 2023 neun Interesse. Möglich wäre es, dass dieses Interesse noch steigt, wenn bei weiteren Eigentümern der Austausch der Heizung ansteht – doch das ist aktuell noch Kaffeesatzleserei.

 

Die Meinungen gingen weit auseinander. Ansgar Fehrenbacher sprach sich klar für die „große Lösung“ aus, bei der 250 000 Euro für den Bau einer Wärmeleitung eingesetzt werden müssten. Wie kritisch die Energieversorgung sei, habe man in den vergangenen Monaten gesehen. „Wir müssen vorausdenken für eine vernünftige Wärmeversorgung. Wenn wir das nicht machen, sagen wir in einigen Jahren sicher: Wie konnten wir das bloß auslassen?“, sagte er. „Das wäre ein großer Schritt für Lauterbachs Zukunft“, war sich Ansgar Fehrenbacher sicher.

Zudem dürfe man auf Förderung vom Land hoffen. Außerdem dürfe man die Klimakrise nicht vergessen. „Das ist unser zentrales Problem in der Zukunft“, so Fehrenbacher.

Kritische Finanzlage

Ganz anders sah es Rolf Buchholz: „Das wäre ein Schildbürgerstreich. Eine Heizzentrale würde sich hinten und vorne nicht lohnen“, sagte er angesichts der drohenden Kosten. Zudem rechnete er mit 40.000 bis 60.000 Euro Kosten für den Anschluss pro Gebäude. „Für Fernwärme braucht es eine dichtere Bebauung. 250 000 Euro für eine Leitung, die nie im Leben gebraucht wird: Da werde ich nicht zustimmen“, lautete sein Urteil.

Emile Epagna sah es so: „Die Idee ist gut, aber nicht machbar. Wir sollten eher an Sparpläne denken“. Siegfried King sah das Projekt als sinnvoll an, „aber die Finanzlage spricht dagegen“. Die Gemeinde könne kein Fernwärmenetz für ein paar wenige Einwohner vorhalten. Das sei nicht fair.

Große Heizzentrale

„Wir wissen nicht, wo die Heizzentrale hin soll, wer anschließen möchte und haben kein Geld“, sagte Ralf Schlögel. Wenn in 15 Jahren 40 Leute anschließen wollten, dann müsse man es eben dann machen.

„Fernwärme steht und fällt mit der Zahl der Anschlussnehmer“, sagte Klaus Weingärtner vom gleichnamigen Ingenieurbüro, der als Experte geladen war. Öl- und Gasheizungen sollten reduziert werden, Wärmepumpen seien für ältere Gebäude schwierig. Daher könnte ein Fernwärmenetz durchaus eine Alternative sein.

Johannes Geprägs fragte an, wie groß eine Heizzentrale sein müsste. 500 bis 550 kW brauche man für die ganze Straße, sagte Weingärtner.

Wenn noch mehr anschließen wollten, sei man schnell bei 800 bis 900 kW. „Eine halbe Million ist da schnell verbaut“, sagte er.

Aufträge vergeben

Letztlich wurde der Auftrag für Ausbau und Sanierung der Straße an die Firma Stumpp vergeben. Die Stadtwerke Schramberg verlegen die Wasserleitung. Die Finanzierung erfolgt in den Haushalten 2026 und 2027. Die nicht finanzierten Kosten von 41 000 Euro werden durch die Rückstellung des Rathausdachs finanziert.

Außerdem wurde das Büro Weingärtner damit beauftragt, zu prüfen, welche Kosten für die Gebäude 17 und 32 bei einem Anschluss an die Heizzentrale in der Schule entstehen.

Die Bauarbeiten in der Pfarrer-Sieger-Straße sollen baldmöglichst beginnen. „Allerdings nicht vor dem Dorffest am 13. und 14. Juni“, ergänzte Bürgermeister Jürgen Leichtle. Dauern werden die Arbeiten bis ins kommende Jahr.

Kosten

Die Gesamtkosten
 für den Ausbau der Pfarrer-Sieger-Straße werden mit 2,2 Millionen Euro veranschlagt. An Zuschüssen fließen 809.000 Euro, so das der Eigenanteil der Gemeinde bei 1,39 Millionen Euro liegt.

Für den Bau der Hauptwärmeleitung
  – die letztlich abgelehnt wurde – wäre eine Summe von 250.000 Euro fällig geworden. Hinzu gekommen wären im Nachhinein Hausanschlüsse für je 18.600 Euro. Allerdings hätte dann Straße und Gehweg für jeden Hausanschluss wieder aufgegraben werden müssen.

Eine weitere Variante
hätte den Bau der Leitung plus sämtlicher Hausanschlüsse vorgesehen. Hier wären 522.000 Euro angefallen. Allerdings wäre das Risiko bestanden, dass Hausanschlüsse verlegt worden wären, die nie genutzt würden – wenn der Eigentümer kein Interesse hätte.