Auf dem künftigen Energiehügel: Markus Friesenbichler mit dem Bürgermeister Philipp Hahn und Michael Werner, verantwortlich für Bau und Technik bei der Stadt (v. l.). Im unmittelbaren Hintergrund das Speicherbecken, am Horizont die Burg Hohenzollern. Foto: Horst Haas

Am Fuße der Burg Hohenzollern entsteht ein Wohngebiet, das künftig innovativ und klimafreundlich heizen wird. Hechingen sieht sich mit der Technologie bundesweit als Vorreiter in der Energiewende.

Markus Friesenbichler ist jetzt schon stolz auf das, was bisher vor allem eine Drecklandschaft ist. Besonders nach Regentagen hängen einem die Erdklumpen an den Schuhen, wenn man mit dem Leiter der Hechinger Stadtwerke zu dem Ort spaziert, mit dem sich die Kommune am Fuße der Burg Hohenzollern in der Energiewende hervortun will. Was sie hier vorhaben, sagt Friesenbichler, ist bisher einzigartig in Deutschland. Entsprechend bekomme er immer wieder Anfragen von Kollegen, wie das denn alles funktionieren soll. Führungen sind schon in Planung, denn die Leute wollen und sollen verstehen, an welchem Rad hier gerade gedreht wird.

 

Hechingen mit seinen 20 000 Einwohnern bereitet gerade im Nordwesten ein neues Wohngebiet für circa 1300 Menschen vor. Seit dem Spatenstich vor wenigen Tagen planieren und graben die Lastwagen und Bagger drauf los. Im ersten Schritt werden die Straßen gebaut. Doch das, worauf Friesenbichler so stolz ist, liegt einige Fußminuten vom Neubaugebiet entfernt: eine alte Erddeponie, die künftig der Energiehügel von Hechingen sein soll. Die Kommune hat sich entschieden, hier ein innovatives, klimafreundliches Heizkonzept auszuprobieren: eine Kombination aus Solar- und Geothermie, mit der sich die Bewohner in spe duschen und die Zimmer heizen werden.

Solarthermie trifft auf Geothermie

Eine Bürgerbeteiligung hatte 2016 ergeben, dass sich die Leute eine klimafreundliche Energieversorgung für das neue Wohngebiet „Killberg“ wünschen. Das dürfte sich seither – Stichwort Energiekrise – eher noch verstärkt haben. Rund 70 Prozent der benötigten Wärme soll eine Solarthermieanlage liefern, den Rest Erdwärmesonden und Wärmepumpen. Auf dem Gipfel der stillgelegten Deponie wird derzeit ein Speicherbecken mit 18 000 Kubikmeter gegraben, in dem die in den Sommermonaten gewonnene Wärme mit bis zu 95 Grad gespeichert werden soll. Von einer Heizzentrale, die Friesenbichler das Herzstück nennt, wird die Nahwärme dann in die Gebäude verteilt.

Das Pilotprojekt lässt sich die Stadt Hechingen etwas kosten: Man rechne mit 17,5 Millionen Euro, sagt Friesenbichler. Eine Förderung von etwa 7,5 Millionen Euro ist in Aussicht gestellt. Den Förderantrag habe man im November 2022 eingereicht, wenn er daran zurückdenkt, schüttelt er den Kopf: 40 Anlagen hatte der Antrag. Weil so langsam die Zeit davonläuft, hat sich Hechingen entschieden, streng genommen ins Risiko zu gehen – und schon einmal loszulegen. „Das Becken muss im Frühjahr 2024 fertig sein“, sagt der Stadtwerke-Chef. Denn die neuen Bewohner sollen, wenn alles glattgeht, im Herbst 2024 einziehen.

Demnächst beginnt die Vermarktung der etwa 540 Wohneinheiten. Dass man sich hier in ein innovatives Projekt einkauft, geht an keinem vorbei. „Es gibt einen Anschluss- und Benutzungszwang“, sagt Friesenbichler. Heißt übersetzt: Man ist verpflichtet, die Wärme über das neuartige Nahwärmenetz zu beziehen, Holzöfen beispielsweise sind verboten. Da es sich bei dem Projekt um eine Blaupause handelt, geht man aber auf Nummer sicher. Man habe ein „Back-up“, wie Friesenbichler es nennt. Falls die erneuerbaren Energien aus irgendeinem Grund einmal ausfallen sollten, könne man die Heizzentrale auch mit Gas betreiben.