Am 1. Juni 2021 haben sich Gabriel und Bettina Wagner das Ja-Wort gegeben – 400 Jahre, nachdem das Haus in Bergfelden errichtet wurde. Foto: ARD-Room-Tour / Screenshot: Ganter

Errichtet 1621 und denkmalprämiert 2025 – in der ARD-Sendung „Room-Tour“ geben Gabriel und Bettina Wagner exklusive Einblicke in ein ganz besonderes Haus in Bergfelden.

„Wenn ich daran denke, dass hier schon ganz viele Menschen vor mir gelebt habe, bekomme ich eine Gänsehaut“, gesteht Bettina. Das sei ein sehr berührendes Erlebnis – was man in einem Neubau nie erleben könne.

 

Denn gemeinsam mit ihrem Mann Gabriel hat sie das vermutlich älteste Fachwerkhaus in Bergfelden – errichtet 1621 – saniert. Im Juni 2025 ist es zum Denkmal des Monats gekürt worden, jetzt nimmt das Paar für die Fernsehsendung „Room-Tour“ die Zuschauer mit in ihr Schmuckstück.

Wohnen mit Holz

Im Inneren sieht man helle Holzdielen, ganze Baumstämme stützen die Decke, als Trennwand fungieren stilecht aufgeschichtete Scheite aus Alt- und Abfallhölzern. Und wenn man auf die Küchenplatte oder einen kleinen Tisch in der Mitte des Raumes blickt – keine Frage: alles aus Holz.

Ein Kaminofen verbreitet einen heimeligen Feuerschein, an den Wänden sind die Balken des Fachwerks deutlich zu erkennen. „Holz ist ein natürliches Produkt, es lebt, es atmet“, erklärt Gabriel. Der Zimmermann hatte nach seiner Wanderschaft zuerst seine Frau – und dann mit ihr zusammen das Haus – gefunden.

Waschbecken aus Naturstein

Doch damals habe noch alles anders ausgesehen – es gab nämlich tiefgreifende Schäden durch den echten Hausschwamm. „Das ist einer der schlimmsten parasitären Hausfäule-Pilze, die es gibt“, sagt der Experte.

Davon ist mittlerweile nichts mehr zu bemerken. Die Küche stellt das „Herzstück“ des Hauses dar. Das Waschbecken, das als Spüle dient, ist aus einem einzigen Sandstein herausgeschlagen. „Ich wollte Naturstein, das ist mir ganz wichtig“, sagt Bettina.

Sitzheizung aus Stein

Die Töpfe und weitere Küchenutensilien stehen auch nicht, wie in anderen Wohnungen, in Regalschränken, sondern hängen platzsparend von einem Metallgitter an der Decke herab.

Mit einem Griff über dem Kopf hat man den passenden Topf, Sieb oder auch eine Pfanne zur Hand. Ein Holzofen in der Mitte des Raumes beheizt mit seinem Rauch gleichzeitig auch die steinerne Sitzbank, auf der Lammfelle liegen.

Waschzuber aus Holz

„Es ist ein so durcheinandergewürfeltes Sammelsurium – da wird einem nicht langweilig, wenn man durchs Haus läuft“, kommt Wagner auf die einzeln ausgewählten Gerätschaften in der Küche, aber auch den anderen Räumen zu sprechen.

Neben der Küche befindet sich das offene Bad – der Wasserhahn kommt direkt aus der hölzernen, mit Lehm aufgemauerten, Zwischenwand. Dort steht ein riesiger Waschzuber. „Die Holzbadewanne kann auch als Dusche verwendet werden“, verrät Bettina.

Heugabeln und Dreschflegel

Denn herkömmliche Fliesen seien schlichtweg kalt. Holzdielen und so ein Trog fühlten sich – vor allem für nasse Fußsohlen, viel wärmer an. Und auch eine Etage höher ist alles einzigartig gestaltet.

Denn im ersten Obergeschoss ist der Treppenaufgang nicht etwa durch ein Geländer von Ikea abgegrenzt, sondern durch die Stiele langer Heugabeln, Rechen und Dreschflegel – Werkzeuge, wie sie auf dem Anwesen wohl jahrhundertelang genutzt wurden, und die das Ehepaar in einer Scheune auf dem Grundstück fand.

Leuchtende „Kristalle“

Eine Besonderheit auch das Schlafzimmer der beiden. Eine eigens gemauerte Salzsteinwand über dem Bett strahlt sanftes Licht aus und sorgt somit für eine beruhigende Atmosphäre.

Doch Gabriel und Bettina sind nicht alleine in dem großen Haus. Auch Bettinas Tochter Salome hat ein Zimmer – und zwar hell erleuchtet. Denn an zwei Holzstücken hängen Glühbirnen in den verschiedensten Formen – manche sehen aus wie strahlende Kristalle.

Haus „hautnah“ erleben

„Ich habe einen Ast getrocknet, aufgesägt, geschliffen und geölt“, erzählt sie von der Geschichte hinter der naturbelassenen Aufhängung. Und: „Davor hatte ich nicht so viel mit Handwerk zu tun.“ Doch das hat sich geändert.

Die Holzverschalung hinter ihrem offenen Kleiderschrank hat sie mit Tanne und Douglasie selbst gefertigt. Mittlerweile habe das Haus für Salome sogar eine so große Bedeutung, dass sie sich das Baujahr 1621 als Tattoo in den Oberarm hat stechen lassen, verrät sie.

Die Folge „Zimmermann rettet 400 Jahre altes Fachwerkhaus“ der ARD-Room-Tour vom 2. Februar ist in der ARD-Mediathek verfügbar.