Karsten Schwanke erläutert eine brisante Wetterlage. Foto: Albert M. Kraushaar

„Wetter ist das, was wir täglich empfinden. Klima ist eine Entwicklung“ – das betont ARD-Wetterfrosch Karsten Schwanke vor rund 400 Zuhörern in der Gechinger Festhalle.

„Der Name Karsten Schwanke zieht immer“, freute sich Bettina Schöttmer mit einem Blick in die restlos besetzte Festhalle. Die zahlreichen Gäste sind der Einladung der Initiative „Pro Windkraft Lindenrain“ gefolgt, um den bekannten Fernseh-Meteorologen und Wissenschaftsjournalisten live zu erleben.

 

Schwanke stammt aus Ostdeutschland, hat in Berlin und Hamburg studiert und betreibt seit 2020 mit "MeteoCloud" eine Firma, die mit KI-Methoden die Wetterprognosen verbessern möchte.

Vielfältige Auswirkungen

Der Diplom-Meteorologe ist seit 30 Jahren bei der ARD und verschiedenen dritten Programmen zu sehen und reist mit verschiedenen Vortragstiteln durch das Land. Unter anderem mit den Schwerpunkten Klimawandel und seine Bedeutung für Immobilien, Versicherung oder Gesundheitsbranche, aber auch dessen Einflüsse auf die Land- und Forstwirtschaft oder die Nahrungsmittelindustrie.

In der Festhalle von Gechingen begrüßen Bettina Schöttmer und Veronika Steinböhmer für die Initiative „Pro Windkraft Lindenrain“ den prominenten Gast – gestern noch in der Tagesschau, heute bei uns in Gechingen – mit dem Thema „Der Klimawandel Herausforderung für unsere Gesellschaft“.

Viele Daten und Fakten

Dazu hatte Schwanke nicht nur eine große Menge an Folien, Zahlen und Fakten mitgebracht, er versuchte auch von Beginn an die Themen Wetter und Klima zu trennen. „Wetter ist das, was wir täglich empfinden. Klima ist eine Entwicklung“, so Schwanke. Das Hauptproblem sei dabei das Tempo, mit dem die Wärmeentwicklung aktuell immer schneller voranschreite.

Rund 400 Besucher kamen in die Gemeindehalle zum Vortrag von Karsten Schwanke. Foto: Albert M. Kraushaar

Obwohl der Diplom-Wettermeteorloge diverse Rekordzahlen und Horrorversionen wie die Flut im Ahrtal oder sogenannte Jahrhundertereignisse mitgebracht hatte, war es ihm ein Anliegen, nicht den Teufel an die Wand zu malen, sondern den Menschen die Augen für die Situation zu öffnen. „Wir messen eine Zunahme der Niederschläge, aber sie verteilen sich anders. Da, wo viele Menschen wohnen, ist es im Schnitt um eineinhalb Grad wärmer, wir müssen uns auf Dürren einstellen, und wir werden in den Städten neue Rekordtemperaturen erleben“, stellte er einige Schwerpunkte vor.

Dass er mit seinen Prognosen zum Teil in der Diskussion mit dem Deutschen Wetterdienst steht, klang bei diversen Zahlen durch. „Ja, wir stehen in einem Wettbewerb, wir wollen auch beim Wetter immer besser werden“, bestätigte Schwanke. Viele Berechnungen seien Modelle, aber diese würde durch neue Erkenntnisse und Messmethoden immer präziser.

Eine Mahnung

Neben den Dauerthemen E Mobilität, Solar und Wind brachte er vor allem die Batterie- und Speichertechnik ins Spiel und sparte auch das Thema Wasser nicht aus. „Wir werden nicht nur eine Diskussion über neue Talsperren führen müssen“ – auch der zunehmenden Versiegelung schob Schwanke eine große Rolle zu. „Über Abläufe, Kanäle und die Flüsse gelangt das Wasser zu schnell in die Nordsee. Wir müssen den Regen wieder unserem Grundwasser zuführen“, mahnte der Diplom-Meteorologe.

In der anschließenden Diskussion ging es um Fragestellungen zum Methanausstoß durch Rinder, die Mobilität in Deutschland sowie die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Schwankes These: „Wenn wir 30 Prozent weniger Nahrung produzieren würden, wäre das der größte Gewinn für das Klima“. Unter dem Strich gab sich der Wetterexperte nicht geschlagen: „Ja, wir können die Herausforderungen schaffen, aber besser ist es, wenn sie alle mitmachen“, warb er in seinem Schlusswort für Mut zu Veränderungen und zum Verzicht.