Ein Urlaub in Südostasien ist nun unter Auflagen möglich: Statt Quarantäne gibt es erst einmal eine Residenzpflicht auf Phuket, danach kann man weiterreisen.
Phuket - Wie jeden Abend breiten Gamey und Sugar ihre großen Baumwolllaken mit knalligem Blumenwiesenmuster über die alten, abgewetzten Kunstledersessel. Ordentlich soll es aussehen, gepflegt und sauber, dann, wenn die Kunden kommen. Doch auch an diesem Abend müssen sie sich lange in Geduld üben – eine Tugend, die die Thais beherrschen. Doch zu Coronazeiten wird selbst ihre Langmut hart auf die Probe gestellt. Warten ist das allgegenwärtige Mantra. Warten auf die Gäste, die sie nun schon seit Monaten so schmerzlich vermissen. Hier an diesem kleinen Stand auf dem Nachtmarkt.
Thailand hat die Grenzen geöffnet
Doch inzwischen wird das Warten belohnt. Thailand hat seine Grenzen geöffnet. Zögerlich zwar, doch ein Urlaub unter Palmen ist nun wieder möglich, ganz ohne Quarantäne und dafür mit den zupackenden Fußmassagen von Sugar und Gamey. „Wenn wir mehr Kunden haben, hilft die ganze Familie“, sagt Sugar mit erleichtertem Lachen, „wochenlang hatten wir keine Einnahmen.“ Da sei sie froh, wenn nun alle Sessel wieder besetzt werden. Die ersten Kunden entspannen sich auf den farbintensiven Blümchenmustern und geben sich ganz dem Klopfen, Ziehen und Zehenschnalzen hin – endlich – für die Urlauber und auch für die Thailänder.
Ganz einfach ist es allerdings nicht, ins Land zu kommen. Formulare müssen ausgefüllt werden, Bescheinigungen eingeholt, die Einreise beantragt werden. Doch mit etwas Vorlauf ist all das zu schaffen. Wer vollständig geimpft ist, darf ins Land oder besser nach Phuket. Statt Hotelquarantäne gibt es erst einmal eine „Inselpflicht“. Das „Sandbox“-Programm, mit dem Thailand den Tourismus wieder ankurbeln möchte, nennt klare Regeln: Die ersten sieben Nächte darf man das Hotel nicht wechseln. Allerdings könnte es einen schlimmer treffen, als eine gute Woche auf einer Insel in der Andamanensee verbringen zu müssen, bevor man weiterreisen darf, falls man Liegestuhl und Hotelpool überhaupt noch wechseln möchte.
Der Weg zurück zur Normalität ist lang
Seit dem 1. Juli, dem Beginn der Sandbox-Zeitrechnung, haben rund 25 000 internationale Touristen die Möglichkeit genutzt, ihren Urlaub endlich wieder in Südostasien zu verbringen, darunter etwa 2000 Deutsche. Angeführt wird die Liste der Thailandbesucher von US-Amerikanern, Israelis und Briten – alle geimpft und dazu noch getestet. Der Anfang zur Rückkehr in ein normales Tourismus-Leben ist Thailand gelungen, doch es ist noch ein langer Weg, bis wieder eine Art Normalität eintritt. Noi kann das kaum erwarten. Als Touristenführerin hatte sie es in den letzten Monaten nicht leicht.
Zu gerne hätte sie den Gästen das quirlige Phuket gezeigt, mit all den coolen Murals, den fantasievollen Wandbildern, die aus der Stadt schon fast eine Open-Air-Galerie machen. Oder die kleinen Schreine vor jedem Haus, die Gummibaum- und Ananasplantagen, die feinen, weichen Sandstrände, die Freundlichkeit der Inselbewohner, eben all das, was Phuket so liebenswert macht. „Unsere Familie betreibt Landwirtschaft, und ich habe während des Lockdowns versucht, die Waren auf dem Markt zu verkaufen – aber ich kann das einfach nicht. Ich bin keine Marktfrau.“
Auch ihr Mann arbeite im Tourismus. Er sei mit dem Longboat aufs Meer gefahren, Fische fangen. Die Grundversorgung hat also geklappt. Noi freut sich, dass sie es irgendwie geschafft haben und langsam bessere Zeiten beginnen. Sie wird wieder gebucht.
Von Partystimmung keine Spur
Der Thailand-Tourismus erholt sich vorerst im Schneckentempo. Und so kommt es, dass man den Hotelpool und den Strand ziemlich allein für sich hat. Trubel und Gedränge sind noch nicht zurückgekehrt, laute Partystimmung weit gefehlt. Das sei allerdings sehr angenehm, hört man von den Gästen, die zurzeit auf die Insel kommen. Die deutschen Studenten, die ihr Streetfood auf dem Nachtmarkt genießen, hätten dagegen schon gern etwas mehr Trubel. „Aber das passt auch so und wir sind ja noch ein ganzes Jahr hier. Mal sehen, was bis dahin passiert“, zeigen sich die BWLer ganz positiv gestimmt: „Es ist warm, lecker und wir sind in Asien. Das ist doch cool, gerade im Moment.“
Und der Big Buddha thront dabei noch immer über der Chalong Bay, die Wellen rollen noch immer mal monoton, mal aufbrausend an die sich sacht ins Meer ergießenden Stände von Kamala, Surin, Patong oder Bang Tao, einfache Garküchen sorgen für den Duft exotischer Gewürze, feinstes Thai-Food haben sie im Angebot. Günstig ist es und besser als in Deutschland. Nirgendwo ist es voll, nirgendwo muss man etwa anstehen.
Kneten, Klopfen und Zupfen
Auch am Strand von Patong geht es ungewöhnlich ruhig zu – die Liegestühle stehen in Reih und Glied, die bunten, fotogenen Buchstaben für den Insta-Post sind poliert. Was fehlt, sind die Besucher, doch die werden kommen, wenn es sich erst einmal herumgesprochen hat, dass zuerst Phuket und dann Thailand wieder bereist werden können. Und bis dahin freuen sich Gamey und Sugar auf ihre Kunden zum Kneten, Massieren, Klopfen und Zupfen.
Es geht wieder aufwärts mit dem Tourismus in Thailand und es fühlt sich ausgesprochen gut an.
Info
Anreise
Mit Singapur Airlines ab Frankfurt oder München mit Zwischenlandung in Singapur. Wer auf dem Hinflug ohne Aufenthalt in Singapur direkt weiterfliegen möchte, sollte keinen VTL-Flug buchen. Die „Vaccinated Travel Lane“ ist für Touristen, die länger in Singapur bleiben, www.singaporeair.com. Thai Airways bietet Nonstop-Flüge ab Frankfurt nach Phuket, www.thaiairways.com.
Einreise
Langsam öffnet sich Thailand wieder für die Touristen. Für die Insel Phuket gibt es dabei das Corona-Modellprojekt namens Sandbox. Dieses wurde zum 1. Oktober noch einmal nachgebessert. Wer vollständig geimpft ist, kann einreisen und quarantänefrei Urlaub machen – allerdings muss man erst einmal 7 Nächte in einem zertifizierten Hotel übernachten, darf sich aber auf der Insel frei bewegen.
Es gibt zudem eine Reihe von Formalitäten. Beim Thailändischen Fremdenverkehrsamt findet man eine Checkliste, die man Punkt für Punkt abhaken kann. Wichtig ist, alle Formulare (z. B. PCR-Test) ausgedruckt mitzunehmen. Vor Ort muss man noch am Flughafen einen zweiten PCR-Test machen und im Hotel auf das Ergebnis warten. Das Sandbox-Projekt startete im Juli und wurde inzwischen ausgeweitet. Für das restliche Thailand gilt eine Quarantäne von 7 Nächten (im Hotel) nach Einreise, danach ist freies Reisen im Land möglich. Auf Ko Samui darf man bereits nach einer Nacht plus negativem PCR-Test weiterreisen.
Unterkunft
Im 5-Sterne-Hotel Banyan Tree am Bangt Beach an der Andamanensee gibt es luxuriöse Zimmer oder Villas mit Pool und Strandzugang. DZ/F ab 215 Euro, www.banyantree.com/en/thailand/phuket. Ein Boutique-Hotel mitten im Ort und dabei nur 50 Meter vom Strand entfernt ist das Burasari in Patong. Verwunschen und dabei absolut stylish mit Poollandschaft vor den Zimmern. DZ/F ab 30 Euro, https://phuket.burasari.com/.Momentan bieten viele Hotels, die am Sandbox-Programm teilnehmen, spezielle Pakete an. Während der Hochsaison von Dezember bis März ist mit höheren Preisen zu rechnen.
Allgemeine Informationen
Thailändisches Fremdenverkehrsamt, www.thailandtourismus.de