Angelo Kelly hat die Musik im Blut. Foto: Cools

Einen Hauch Melancholie, viel Hoffnung und Zuversicht, den Sound der grünen Insel und eine gigantische Menge Lebensfreude – das brachten Angelo Kelly und seine Familie am Donnerstagabend mit ins Rottweiler Kraftwerk und wurden von der feiernden Menge sofort ins Herz geschlossen.

Rottweil - Man nehme eine irische Bouzouki, Uilleann Pipes, eine Geige und dazu eine Familie, der die Musik so im Blut liegt, dass sie ihr so leicht von der Hand geht wie das Atmen – das waren die Zutaten eines Abends, der vor allem Fans von irischer Folkmusik im Gedächtnis bleiben wird.

Früher ging er als kleiner Junge mit der Kelly Family auf Tour, heute ist Angelo Kelly das Oberhaupt seiner eigenen Familie und mit ihr auf den Bühnen unterwegs. So hatte er neben seiner Frau Kira auch die Kinder Gabriel (21), Helen (20), Emma (16), Joseph (11) und William (7) mit nach Rottweil gebracht.

Publikum wird angesteckt

Bei "On the Road" ergriff auch gleich der älteste Sohn das Mikrofon und stimmte die Menge im Kolossaal auf das, was noch kommen sollte, ein. "To see all your faces in so many places we’ve been makes my heart beat faster", drückte der Song die Freude der Familie darüber aus, endlich wieder live spielen zu können.

Und spätestens beim Kinderlied "I’ll Tell Me Ma" und dem traditionellen irischen "The Galway Girl" konnte das Publikum nicht anders als mitzuwippen und sich von der Freude der Kellys auf der Bühne anstecken zu lassen.

Der Kleinste im Scheinwerferlicht

Genauso wie überschäumende Freude gehörten aber auch melancholische und wehmütige Töne zum musikalischen Programm, etwa mit dem von Kira geschriebenen "Stay With Me" oder dem klassischen Folk-Song "Danny Boy", das, vom kleinsten Kelly gesungen, besonders zart klang und das Publikum berührte. Bei "Country Roads" wurde William gesanglich nur allzu gern von den Rottweilern begleitet. Danach war für den Siebenjährigen Schlafenszeit.

Noch am Vorabend hatte Milow auf der Kraftwerk-Bühne gestanden. Mit uns sprach er darüber, welche seiner Songs bei ihm immer wieder Gänsehaut erzeugen:

Der Rest der Familie dachte aber noch lange nicht an die Nachtruhe. Mit "Liberty" verlieh Angelo Kelly seinem Glauben an Freiheit und der Einstellung, dass jeder ein Recht auf sie hat, Ausdruck. Und obgleich das Motto des Abends der "Irish Summer" war, gab die Familie, allen voran Helen, das christliche Weihnachtslied "Mary Did You Know", zum Besten, ehe das bekannte "Whiskey In The Jar" ertönte.

Testturm als Denkmal?

Gabriel Kelly warf zwischendurch ein, wie beeindruckt er vom Rottweiler Testturm inmitten der vielen Natur gewesen sei. Und Angelos Mutmaßung, es handle sich dabei um ein Ehrendenkmal für ihn quittierten die Rottweiler mit einem Lachen. Überhaupt wurde an diesem Donnerstagabend viel gelacht. Und getanzt noch dazu. Der Familie, deren Mitglieder im Laufe des Abend alle zeigten, wie einzigartig ihre Stimmen sind, war anzumerken, welche Freude sie an der Musik hat. Insbesondere Angelo und Gabriel wirbelten über die Bühne.

"Wild Rover" und "An der Nordseeküste"

Freude hatten auch die Rottweiler. Und mancher sang doch tatsächlich beim irischen Volkslied "Wild Rover" die Zeilen "an der Nordseeküste", wie Angelo Kelly lachend feststellte und gleich darauf in das deutsche Klaus-und-Klaus-Cover miteinstimmte. Und natürlich durfte auch ein bisschen Nostalgie nicht fehlen. So sorgte der Kelly-Family-Song "I Can’t Help Myself", den Angelo Kelly vor rund 25 Jahren für seinen damaligen Schwarm und seine jetzige Frau Kira geschrieben hatte, nicht nur bei eingefleischten Fans für Gänsehaut.

Am Ende war es die Kombination aus typisch irischer Folk-Musik, Songs über das Leben mit seinen Höhen und Tiefen und einer Familie, die die Musik liebt und lebt, die den Abend im Kraftwerk so besonders machte.