Seit mehr als 30 Jahren lockt der Rottweiler Ferienzauber in den Sommerwochen Tausende auf das Gelände unter dem Wasserturm. Unzählige Künstler sind hier schon aufgetreten. Simone Teufel und Fred Frank haben das Festival von Anfang an miterlebt und viele Eindrücke gesammelt.
Rottweil - "Weißt du noch Nina Hagen...", "oder kannst du dich noch an den vielen Rindenmulch erinnern, den wir immer benötigt haben?", "oder das Konzert von den Toten Hosen"? – Simone Teufel und Fred Frank schwelgen beim Interview in Erinnerungen, denn die beiden kennen das Festival seit Anbeginn.
"Damals gab es den Bauspielplatz. Da war ich als Kind immer", erinnert sich Simone Teufel an die Anfangszeit. Hier konnten Kinder tagelang nach Herzenslust Hütten und Häuser bauen und spielen. "Das war echt super", sagt Simone Teufel und bedauert, dass es das Angebot nicht mehr gibt. Dafür toben sich Kinder heute im Kinderland, im hinteren Bereich des Festivalgeländes, aus.
Mitarbeiter im Gastroteam
Fred Frank hat dem Ferienzauber, der damals noch von Thomas Greiner und Harald Burger geleitet wurde, als Mitarbeiter im Gastroteam kennengelernt. Der Platz habe zu dieser Zeit noch ganz anders ausgesehen, erinnert er sich. Man habe ein großes Zelt gehabt, und die Gastronomie komplett selbst gestemmt. "Und eigentlich hat es im Sommer immer geregnet. Die Bierbänke sind teilweise im Schlamm versunken. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wenn man das schmucke Gelände so anschaut", erzählt Fred Frank lachend. "Da hat man eine Menge Rindenmulch gebraucht, um den Platz wieder trockenzulegen", fügt Simone Teufel an.
Die Ferienzauberfamilie
Bereits in den Anfangsjahren habe sich die "Ferienzauberfamilie" gefunden, die es bis heute gibt. "Es waren ja ganz viele freiwillige Helfer. Manche haben für die Ferienzauberzeit sogar ihren kompletten Jahresurlaub geopfert", erzählt Fred Frank. Abends, nach getaner Arbeit habe man sich dann im Helferzelt getroffen und viele schöne Feste gefeiert. "Die Helfer haben früher zwei bis drei Wochen am Wasserturm verbracht", erzählt er. Heute sei das anders. "Heute gehen sie nach getaner Arbeit in die Stadt...".
Stetig weiterentwickelt
Jahr für Jahr habe sich das Festival weiterentwickelt, wurde ausgebaut und angepasst. "Wir haben immer wieder etwas verändert und optimiert. Jahr für Jahr. Dennoch war es uns ganz wichtig, dass die Leute ›ihren‹ Ferienzauber auch wiedererkennen und sich wohlfühlen", betont Fred Frank.
Mit Campino im Biergarten
"Nach dem Ferienzauber ist vor dem Ferienzauber. Wir setzen uns immer zügig nach dem Festival zusammen, schauen was gut lief, und was weniger gut lief, und planen dann auch gleich fürs nächste Jahr", informieren Teufel und Frank, die beide im Vorstand des MuM-Vereins sind. Mit 16 Jahren habe Simone Teufel dann erstmals mitgearbeitet. "Ich habe Flyer und Programmhefte verteilt und Karten verkauft – im Häuschen in der Fußgängerzone", erzählt Simone Teufel.
Später habe sie dann die Künstlerbetreuung von Beatrice Siegel übernommen. "Da wurde es dann richtig spannend", gibt sie zu. "Alle Künstler, die hier Konzerte gegeben haben, waren vom Gelände begeistert und saßen dann nach dem Konzert auch meist gemeinsam mit den Besuchern im Biergarten – beispielsweise Nina Hagen, oder auch Campino von den Toten Hosen. Das Gelände hier oben ist ein Ort mit ganz viel positiver Energie", erzählt sie.
Die Suche nach dem "Mädchen von Rottweil" der Toten Hosen
Unschöne Begegnungen habe es in all den Jahren noch nie gegeben. Beim Konzert der "Toten Hosen", bei dem sie das "Mädchen von Rottweil" suchten, seien nur Frauen zugelassen gewesen. "Ich habe noch nie so viele gut als Frau verkleidete Männer gesehen...", erzählt Simone Teufel lachend. Das sei eine ganz besondere Atmosphäre gewesen.
"Es ist auch klasse, wenn man überlegt, wie viele Künstler wir in all den Jahren schon gesehen und gehört haben", betonen beide – "die fallen einem so spontan gar nicht mehr alle ein. Erst dann wieder, wenn man ein Lied im Radio hört". Das Festival ist über die Jahre zu einem Event für alle Generationen geworden. Die Kleinsten können sich im Kinderland vergnügen und austoben und die Älteren im Schatten ihr Bier oder ihren Wein genießen.
Lokale Größe ebenso wie Welt-Acts
Eine große Aufgabe ist Jahr für Jahr auch das Zusammenstellen des Programms. "Hier sind Claus Gams und Mike Wutta wirklich super Unterstützer, die kennen sich bestens aus", loben die beiden, denn nur nach dem eigenen Gusto die Künstler auszuwählen, das könne auch schnell mal schief gehen. "Und unser Programm hat Qualität. Wir haben lokale Größen genauso hier wie Welt-Acts". Das neue Konzept, ohne Zirkuszelt und mit offener Bühne, gefällt den beiden gut. Ob das so bleibt? "Das muss man sehen...", sagen sie. Darüber werde nach dem Festival diskutiert. Ideen gebe es noch viele. "Es macht auch nach all den Jahren immer noch viel Spaß, sich zu engagieren und zu sehen, wie sich das Festival weiter entwickelt", betonen die beiden abschließend.