Gemeinsam mit dem Naturschutzbund Lörrach erforschen Kinder beim Schopfheimer Ferienprogramm verborgene Wasserwelten in der „Kleinen Wiese“.
Speedy hat’s erwischt: Sanft landet der kleine braune Flohkrebs in einer Wasserschüssel, in der er nun emsig seine Kreise zieht. Gespannt beugen die zehn Jungen und Mädchen ihre Köpfe über die anderen Wassertierchen, die sie aus der Kleinen Wiese gefischt haben: nervöse, nadeldünne Babyfische, winzige Strudelwürmer, Libellen- und allerlei Fliegenlarven sowie kleine Flusskrebse.
Hat das Tier Beine – und wenn ja: wie viele?
Mit Hilfe von Bestimmungskarten und -büchern versuchen die Kinder nun herauszufinden, wen sie vor sich haben: Hat das Tier Beine, und wenn ja, wie viele? Wie atmet es? Und wie kommt es im Wasser zurecht? Projektleiterin Eva Althof vom Naturschutzbund (Nabu) Lörrach erklärt: „Ihr wisst ja selbst, wie schwer es für uns sein kann, in der Strömung Halt zu finden. Wenn diese winzigen Tiere das schaffen, sind sie echte Superhelden“, schreibt der Nabu in einer Medienmitteilung.
Deshalb geben die Kinder ihren Tieren sprechende Namen und tragen ihre Merkmale in so genannte „Wasserheldenkarten“ ein. „Mein Flohkrebs heißt Speedy, weil er so schnell ist“, verrät Amon. „Sind das auch Füße?“ wundert sich Filip über die Vorderbeine einer Eintagsfliegenlarve, die an Krebsscheren erinnern. Ihre Beine lassen sich gar nicht so leicht zählen: Am Hinterleib flimmern viele Kiemenfäden, mit denen sie sich sowohl festhalten als auch atmen kann – ein echter Superheld eben. In Kleingruppen präsentieren die jungen Forscher ihre Ergebnisse und erhalten hierfür gebührenden Applaus.
Lebensräume für zahlreiche Tiere
Es ist bereits die zweite Aktion, die der Nabu Lörrach beim Schopfheimer Sommerfun-Ferienprogramms anbietet. Begleitet wird sie von den Biologinnen Eva Althof und Johanna Saumweber sowie von Birgit Althof. Der Bereich um die Kleine Wiese an der Grundschule Langenau bietet sich perfekt als Forschungsgebiet an: Das Wasser ist sauber und nicht zu tief, durch die Renaturierung sind neue Lebensräume für viele unterschiedliche Wassertiere entstanden.
Bäume, Sträucher und eingeschleppte Pflanzen
Im Uferbereich lernen die Kinder Bäume und Sträucher kennen, aber auch eingeschleppte Pflanzen: den Japanischen Staudenknöterich etwa, der große Flächen überwuchert. Damit verdrängt er heimische Pflanzenarten und folglich auch Insekten. Ein unguter Faktor unter vielen anderen: Um bis zu 75 Prozent sei die Biomasse von Fluginsekten in den vergangenen drei Jahrzehnten zurückgegangen, kritisieren Naturschützer. Und wo die Insekten fehlen, geht vielen Vogelarten die Nahrung aus.
Am Ende lockt das Wasser noch einmal. Silas kann sich kaum losreißen von den jungen Elritzen im Uferbereich: zarte Fischbabys mit durchsichtigen Körpern. Marie ist ein bisschen schlapp, aber begeistert. Kein Wunder, denn auf dem Programm standen auch wilde Bewegungsspielen auf dem Bolzplatz. Zum Abschied erhalten alle Teilnehmer ein dickes Lob und ein Programmheft, mit dem der Nabu für weitere Kinderaktionen wirbt. „Die Kinder waren voll bei der Sache, es hat richtig Spaß gemacht“, freut sich Eva Althof.