Auch elegante Figuren in der Luft sind gefragt. Roman Fiala (rechts) leitet die Kinder an. Foto: Jansen

Akrobatik, Trapezturnen oder Clownsummern – das erlernen die 36 Kinder beim Mitmachzirkus. Neben Kunststücken steht Gemeinschaft im Vordergrund.

Loßburg - Nur fünf Tage haben die 36 Kinder zwischen sechs und elf Jahren beim Loßburger Kinderferienprogrammpunkt Mitmachzirkus mit den Zirkuspädagogen und Artisten des Zirkus Bingo, um ihre Kunststücke für die Aufführung vor Eltern und Bekannten an diesem Freitag einzustudieren. Auf dem Waldfestplatz werden eindrucksvolle, lustige und unterhaltsame Nummern geübt. Am Montag probierten die Kinder die verschiedenen Möglichkeiten aus: Möchten sie Clown, Trapezkünstler oder gar Feuerfakir sein? Täglich von 9 bis 16 Uhr trainieren die Kinder zwei selbst gewählte Disziplinen, unterbrochen vom Mittagessen und kleineren Pausen – und selbst da üben die Kinder begeistert.

Doch nicht nur die eigenen Nummern machen Freude: Die Späße der Clowns wollen die Kinder auch bei den Proben unbedingt mitbekommen. "Nein, jetzt haben wir das Boxen verpasst", ärgert sich ein Junge, als er die Clownsnummer schon in vollem Gange sieht. Keine Sorge: Sie hat noch nicht wirklich angefangen. Denn die zwei Kinder-Clowns, die die Frage, wer gestern den Kopfstandwettbewerb gewonnen hat, mit Fäusten austragen, haben keinen blassen Schimmer von ihrer Aufgabe. Boxhandschuhe gehören an die Hände, nicht an die Füße. Und sie gehören auch nicht unter die Hemden. Aber das mache man mal einem Clown klar, der konsequent alles falsch versteht.

Kalte Dusche für das Publikum oder Trick?

Keine Verständigungsschwierigkeiten haben die Kinder-Clowns Luana und Larissa – alias Lulu und Lala. Nur einen Eimer auf einer Stange balancieren? "Das ist doch pipileicht", meint Lulu und füllt den Eimer mit Wasser. Es kommt wie es kommen muss: Lala kann den wassergefüllten Eimer natürlich nicht balancieren – ob das Publikum einer Dusche doch noch durch einen Trick entgeht? Am Freitag erfahren es die Angehörigen der Kinder.

Jugendreferentin Sonja Müller freut sich über Unterstützung für das Ferienprogramm, mit dem den Kindern wieder etwas geboten werden kann. Das Familienministerium fördert die Veranstaltung über das Corona-Aufholpaket "Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche". Überhaupt gehe es nicht nur um Kunststücke beim Mitmachzirkus: Die seien zweitrangig, so Betreuer Georg Seyboldt. Wichtiger sei stattdessen: "Die finden hier viele neue Freunde". Nicht nur Späße und Blödeleien stehen auf dem Plan. Hoch hinaus geht es etwa beim Trapez: auf einer Art Schaukel, bestehend aus einer Eisenstange. Wie gut die Kinder daran bereits turnen können, zeigen sie schon bei den Proben – bei der Engelfigur, beim eleganten Auf- und Abschwingen auf die Stange oder auch zu mehreren auf dem dünnen Gestell.

Auch der neunjährige Adrian turnt nicht allein: Auf seinen Schultern steht ein Teamkollege, unten hängt sich ein weiteres Mädchen ein. "Wenn man der Stärkste ist, muss man immer unten stehen", erzählt Adrian und meint: "Das sieht so leicht aus, ist es aber gar nicht."

Ein Seil mit einer Schlinge zum Festhalten – mehr braucht es für einige Mädchen nicht, um zu beeindrucken. In luftiger Höhe schwingen sie im Kreis – dabei noch eine künstlerische Figur zu machen, ist nicht so einfach. Doch die Mädchen strecken elegant die Beine und "fliegen" mit dem Seil.

Balance halten, Gleichgewicht finden

Auch Balance ist gefragt. Maike hat den Dreh raus: Die Elfjährige steht scheinbar mühelos auf einem Brett, das auf einer Rolle balanciert wird. Dabei hält sie lässig zwei Stöcke mit sich darauf drehenden Plastiktellern. "Ich muss nur an einem bestimmten Punkt sein, dann habe ich das Gleichgewicht", erklärt sie. Andere jonglieren mit Bällen oder mit bunten Tüchern. Auch Diabolos kommen zum Einsatz: Vier Jungs zeigen stolz, wie sie das Diabolo in die Höhe werfen, auffangen und Kunststücke beherrschen. Feurig wird es dann beim Auftritt der Fakire: Die drei Jungen, die sich an die Flammen wagen, schwingen selbstbewusst feurige Stäbe.

Für Zirkusdirektor Roman Fiala vom Zirkus Bingo ist die Arbeit eine Herzensangelegenheit: "Zirkus ist eine große Familie", sagt er. Als Artist reiste er durch die Welt, etwa nach Finnland, in die Schweiz und die damalige Sowjetunion. "Man fühlt sich so frei", berichtet er vom Wohnwagenleben.

Später, als Fiala sich mit seiner Truppe selbstständig gemacht hatte, spezialisierte er sich auf Ferienprogramme und Schulprojekte, die er seit 24 Jahren anbietet. "Wir wollen auch die Freude am Zirkus weitergeben", erklärt er seine Motivation, mit Kindern zu arbeiten. Die Begeisterung gibt er offensichtlich weiter: Seyboldt, heute selbst Betreuer beim Zirkus Bingo, war einst als Kind Teilnehmer.

An diesem Freitag ist die Zirkusvorstellung vor Eltern, Großeltern und Geschwistern dann komplett – samt Choreographie, Musik und Vorhang im Zirkuszelt. Die Clowns kommen mit roter Nase und mit Kostüm: "Dann zieh’ ich mir Schuhe von meinem Opa an", kündigt Adrian an. Die zu großen Schuhe wolle er als Clownsschuhe bemalen.

Für den Zirkus geht es danach zur nächsten Station: Fiala und seine Truppe fahren nach Böblingen weiter.