Das erstmals im Vorfeld des internationalen Jugendfußball-Turniers ausgetragene Feriencamp begeistert 59 Kinder im Weiherstadion.
Volker Grimminger hat ein Handicap. Der Leiter der Reutlinger 11Freunde-Fußballschule sitzt gerade im Rollstuhl, weil er sich in der Woche vor Ostern beim Abschlusskick eines Jugendcamps in Reutlingen einen Riss der Patellasehne zugezogen hat. Aber auch im Sitzen und mit ausgestrecktem Bein strahlt der Ex-Profi, der aktuell das Verbandsliga-Spitzenteam der Young Boys Reutlingen trainiert, auf dem Fußballplatz Autorität aus.
59 Kinder, die seit Ostermontag beim Bentley-Cup-Feriencamp dabei sind, sitzen im Halbkreis auf dem Kunstrasenplatz des Hechinger Weiherstadions vor ihm und hören sich Kritik daran an, dass soeben beim Einsammeln von fünf Dutzend Bällen nicht alle gleichermaßen aktiv waren, dass manche recht unbeteiligt rumgelümmelt haben.
„Eine Mannschaft“, sagt Grimminger streng, „funktioniert nur dann, wenn alle mitmachen.“ Das, so lautet die Botschaft, gilt nicht nur während eines Spiels auf dem Platz, sondern auch davor und danach. Und eben beim Training. Und weil manche der Kinder sich während der Ansprache noch kabbeln, folgt der etwas lauter ausgesprochene Nachsatz: „Eine Mannschaft funktioniert auch nur dann, wenn alle still sind, wenn der Trainer redet.“
Vier Tage lang trainieren 57 Jungs und zwei Mädchen
Vier Tage lang trainieren 57 Jungs und zwei Mädchen aus der Region im Hechinger Weiherstadion. Das Feriencamp, das von der 11Freunde-Fußballschule aus Reutlingen durchgeführt wird, bildet in diesem Jahr erstmals den Aufgalopp zum Bentley-Cup, jenem bereits gut etablierten, mit internationalen Topmannschaften besetzten Jugendfußballturnier, das am 25. und 26. April am selben Ort über die Bühne geht.
„Stillstand ist Rückschritt. Wir wollen jedes Jahr etwas Neues machen“, sagt Bentley-Cup-Cheforganisator Nicklas Becker. Deshalb stellte sein kongenialer Partner Steffen Kraus den Kontakt zu Volker Grimminger her, der sich ohne zu zögern bereit erklärte, zum ersten Mal eines seiner Fußballcamps in Hechingen aufzuschlagen. „Wir sind den Bentley-Cup-Machern dankbar, dass wir das hier machen dürfen“, sagt der Reutlinger. „Wir finden hier wirklich Top-Bedingungen vor.“ Und weil es eine Premiere unterm Zoller ist, lässt er sich von seiner Verletzung auch nicht abhalten, persönlich vor Ort zu sein.
„Wir hätten das Camp zweimal vollgekriegt“
Als Renner hat sich das Feriencamp auf Anhieb erwiesen. Die Plätze waren im Nu ausgebucht. „Wir hätten das Camp zweimal vollgekriegt“, sagt Nicklas Becker – und weiß auch, warum. Das Medizintechnikunternehmen Bentley als Hauptsponsor des Turniers hat es möglich gemacht, die Anmeldegebühr von 199 auf 99 Euro zu reduzieren.
Vom FC Hechingen, vom FC Killertal, vom SV Rangendingen, von der TSG Balingen und von anderen Vereinen aus der Region kommen die Sieben- bis 14-jährigen Kinder, die mit Begeisterung dabei sind, wenn Torschüsse, Dribblings und Zweikämpfe geübt werden. Ihre Trainer wissen, wovon sie reden, denn es handelt sich durchweg um ehemalige Fußballprofis oder Spieler mit Erfahrung aus höheren Ligen, wie Maik Stingel, der den SSV Reutlingen trainiert hat, oder Volker Grimminger selbst, der einst beim VfB Stuttgart ausgebildet wurde und bei Felix Magath und Ralf Rangnick trainierte.
Nicht nur mit harter Hand, sondern auch mit Spaß
„Es kommt darauf an, die Meute in Schach zu halten“, sagt Grimminger. „Und das nicht nur mit harter Hand, sondern auch mit Spaß.“ Nur fünf Minuten, nachdem er 46-Jährige die Kids wegen des schleppenden Ballsammelns in den Senkel gestellt hat, bietet er ihnen die Bühne, im großen Rund ihren Lieblingswitz zu erzählen. Gemeinsam zu lachen gehört zum Teambuilding eindeutig dazu. Streng achten er und seine Trainerkollegen aber darauf, dass keiner der Schwächeren von den anderen lächerlich gemacht wird. „Bei uns ist Platz dafür, Fehler machen zu dürfen“, lautet eine der Kernbotschaften im Camp.
In Hechingen läuft das alles sehr rund, auch dank des sensationell schönen Frühlingswetters, das dem bunten Treiben im Weiherstadion die gewünschte Leichtigkeit verleiht. Das Catering klappt ebenfalls. Das Team der Hechinger Pizzeria Zollerstuben sorgt dafür, dass es zum Mittagessen für die großen und kleinen Kicker leckere Pasta gibt.
Am Donnerstag, dem Abschlusstag des Camps, folgt dann der Einsatz der Papas und Mamas. Um 15 Uhr wird das Eltern-Kind-Spiel angepfiffen, bei dem die Jungs und Mädels zeigen dürfen, was sie beim Training gelernt haben. Und schließlich werden noch Pokale verteilt. Der „Camp Champ“, der Elfmeterkönig, der beste Keeper und die „Dribbelraketen“ werden gekürt. Volker Grimminger sagt dazu: „Ich bin zwar ein Freund der Philosophie, dass alle Teilnehmer Gewinner sind, aber ein Extra-Anreiz kann nicht schaden.“