Die Droge Fentanyl wird mancherorts immer mehr zum Problem. Foto: David Maialetti/The Philadelphia/David Maialetti

Fentanyl ist dutzendfach stärker als Heroin und seit Jahren in der Drogenszene angekommen. Auch der Kreis Calw und dessen Umgebung bleiben davon nicht verschont.

Wer das US-Justizministerium nach der häufigsten Todesursache bei Menschen zwischen 18 und 49 Jahren in den USA fragen würde, erhielte eine sicher für manche überraschende Antwort: Fentanyl. Wie aus einem UNO-Bericht hervorgeht, starben 2021 die meisten der rund 90 000 Überdosierungs-Todesopfer in den USA an dem künstlich hergestellten Opioid, das als Medikament gegen starke Schmerzen eingesetzt wird und 50 Mal stärker wirkt als Heroin. In vielen Medienberichten trägt die Substanz bereits den Titel „Killer-Droge“.

 

Auch in Deutschland ist Fentanyl seit einiger Zeit angekommen. Bei insgesamt 102 Todesfällen bundesweit seien fentanylhaltige Medikamente 2021 mitverantwortlich gewesen, berichtet der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Der Kreis Tuttlingen beispielsweise, so schrieb die Schwäbische Zeitung vor Kurzem, werde aktuell gar von der Droge überschwemmt. Und auch im Nordschwarzwald ist das Problem bekannt.

Drei Todesfälle in der Region

„Fentanyl wird seit Jahren in der Heroinszene als Ersatzstoff konsumiert“, erklärt Yvonne Schwarz-Tron, Sprecherin des Polizeipräsidiums Pforzheim, das mitunter für den Kreis Calw zuständig ist. Das sei ein „polizeilich bekanntes Phänomen“, führt die Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion aus.

Und der Konsum bringt auch in der Region fatale Folgen mit sich. „Seit dem Jahr 2020 kam es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Pforzheim zu insgesamt drei Todesfällen, bei welchen unter anderem Fentanyl als Ursache festgestellt wurde“, berichtet Schwarz-Tron. Letztmalig sei das bislang im Jahre 2022 der Fall gewesen. Schon zwei Milligramm der Droge können tödlich sein.

Was passiert, wenn der Heroin-Markt einbricht?

Dass sich Fentanyl auch im Nordschwarzwald auf dem Vormarsch befindet, kann das Pforzheimer Präsidium aber nicht feststellen – zumindest gebe es keinen statistisch signifikanten Anstieg der Fallzahlen, erklärt die Polizeisprecherin. Ob es dabei aber bleiben wird, scheint ungewiss.

Denn der Anbau und Vertrieb von Heroin aus Afghanistan wurde vor einiger Zeit von den Taliban verboten. Fast das gesamte Heroin, das in Europa verkauft wird, stammt von dort – entsprechend könnte der Markt für die Droge in absehbarer Zeit einbrechen.

Was zunächst wie eine gute Nachricht klingt, könnte jedoch ebenso schwerwiegende, neue Probleme auslösen. Denn Suchtkranken bliebe dann nur die Wahl, sich auf einen harten Entzug einzulassen – oder sich nach Ersatz umzusehen. Etwa nach Fentanyl.