Die Zahl der Fälle von Partnergewalt stagniert im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg auf hohem Niveau: 1012 Straftaten registrierten die Ordnungshüter 2025.
Zwei Frauen aus der Region verloren vergangenes Jahr ihr Leben, weil ihre männlichen Partner sie töteten – in zwei weiteren Fällen überlebten die Opfer einen Tötungsversuch. Das geht aus der polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2025 hervor. Ein versuchter Mord und ein Totschlag ereigneten sich in Lahr.
Aus den Zahlen zur Partnergewalt – also Gewalt innerhalb von Beziehungen – lässt sich ablesen: Der typische Täter ist männlich und deutsch – 80 Prozent sind Männer, rund 55 Prozent haben einen deutschen Pass. Nach Deutschland führen die Türkei, Rumänien, Syrien, Italien, Polen und die Ukraine die Nationalitätenrangfolge bei den Verdächtigen an. Bei knapp vier Prozent handelte es sich um Asylbewerber.
Nach einem Corona-Tief stiegen die Zahlen bis 2023 deutlich und knackten die 1000er-Marke. 1012 Fälle sogenannter häuslicher Gewalt registrierte das Polizeipräsidium Offenburg 2025. Das sind vier weniger als im Vorjahr, sieben weniger als 2023. Abgesehen von diesem geringfügigen Rückgang stagnieren die Zahlen auf „hohem Niveau“, betonte Polizeipräsident Jürgen Rieger bei der Vorstellung der Zahlen.
328 Menschen wurden von ihrem Partner verletzt
Bei mehr als zwei Dritteln der Übergriffe handelte es sich um Körperverletzungen, in ungefähr jedem sechsten Fall lag eine Bedrohung vor. Fünf Prozent der Partnergewalt zugerechneten Delikte waren Nachstellungen, rund zwei Prozent Vergewaltigungen. Dabei wurden 327 Opfer in der Ortenau, dem Landkreis Rastatt und in Baden-Baden leicht sowie eine Person schwer verletzt.
Der Polizei bereiten diese Zahlen Kopfzerbrechen – insbesondere weil das Problem mutmaßlich noch viel größer ist. Das legt eine sogenannte Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamts nahe. „Die Studie geht davon aus, dass es zehn Mal mehr Fälle sind“, erläuterte Rieger. Das Problem: Partnergewalt spielt sich meist in den eigenen vier Wänden und fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit ab – und Opfer zögern zudem häufig, Übergriffe zur Anzeige zu bringen.
Das Polizeipräsidium versucht sich im Kampf gegen die Partnergewalt besser aufzustellen. Rieger berichtete unter anderem von „umfangreichen Fortbildungsmaßnahmen“ für Beamte. Zudem hofft die Polizeispitze auf die Änderungen im Polizeigesetz Baden-Württemberg zum Einsatz der „elektronischen Aufenthaltsüberwachung“ – also die elektronische Fußfessel. „Irgendwann mal – wir hoffen bald – kann man die Fußfessel anordnen“, so Rieger. Er lobte das „Spanische Modell“, bei dem das Opfer direkt gewarnt wird, wenn sich der betreffende Täter unerlaubt nähert – unabhängig davon, wo das geschieht.
Opfer erhalten in neuer „Notwohnung“ Schutz
Auf der iberischen Halbinsel wurde der Einsatz von Fußfessel und Empfänger bereits 2009 eingeführt. Seitdem sank die Zahl der ermordeten Frauen nach Angaben der Polizei und Behörden deutlich. Der baden-württembergische Gesetzesentwurf orientiert sich an diesem Modell. Demnach kann die Polizei einen entsprechenden Antrag bei Gericht stellen. Das Tragen kann für sechs Monate angeordnet werden, mit einer Option auf eine Verlängerung.
Zudem gibt es seit Februar 2026 eine sogenannte Notwohnung im Ortenaukreis – ein gemeinsames Projekt der Polizei und des Vereins Frauen helfen Frauen. „Darauf haben wir lange hingearbeitet“, erklärte Polizeipräsident Rieger. „So können wir Opfer direkt aus der Gefahrensituation rausnehmen und vom Täter trennen. Unmittelbar danach beginnen die Betreuungsmaßnahmen.“ Idealerweise wisse man dann nach drei Tagen, wie es weitergehen soll. „Trennt man sich? Geht man zurück? Kommt eine Therapie in Frage?“, zählte Rieger mögliche Optionen auf.
Unabhängig von technischen und gesetzlichen Neuerungen sowie neuen Hilfsangeboten für Opfer, richtete sich Polizeipräsident Rieger auch an die Ortenauer: „Wir appellieren an die Bevölkerung, beim Thema Partnergewalt sensibel zu sein.“
Rosenstraße 8a
Der Verein Frauen helfen Frauen lädt auf Samstag, 7. März, von 10 bis 16 Uhr in die Ausstellung „Rosenstraße 8a“ nach Offenburg ein. Das interaktive Konzept thematisiert häusliche Gewalt und macht diese in einer nachgestellten Wohnung eindrücklich erfahrbar. Besucher bewegen sich durch verschiedene Räume und erhalten Einblicke in Dynamiken, Warnsignale und Auswirkungen von Gewalt im häuslichen Umfeld. Ziel der Ausstellung ist es, für ein oft verborgenes gesellschaftliches Problem zu sensibilisieren, aufzuklären und Betroffenen sowie ihrem Umfeld Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Der Ausstellungsort ist die Lange Straße 40/42 in Offenburg.