"Es wird jetzt wirklich Zeit, dass wir dort fertig werden", sagt Joachim Hilser vom Straßenbauamt zu den Felssicherungsmaßnahmen im Schenkenzeller Vortal. Seit wenigen Tagen – oder besser gesagt Nächten – laufen die Arbeiten wieder unter Hochdruck.
Schenkenzell-Vortal - Von Dienstag auf Mittwoch waren die Arbeiter erstmals in der Nacht tätig – von 20 Uhr bis etwa 5 Uhr am nächsten Morgen. Derzeit werden am betroffenen Fels kurz nach der Abfahrt in den Gallenbach Löcher gebohrt, in denen im Anschluss die Anker verpresst werden, die das Sicherungsnetz letztlich halten.
Temperaturen kein Problem
Die Arbeiter lassen sich dabei von den leichten Minusgraden nicht abschrecken. "Die derzeitigen Temperaturen sind kein Problem", erklärt Hilser auf Nachfrage unserer Redaktion. Kritisch werde es erst ab einem Bereich von minus zehn, minus 15 Grad. Dann könne es durchaus passieren, dass "die Maschinen streiken". Solche kalten Nächte sind diese Woche aber nicht mehr zu erwarten – und Hilser hofft, dass das bis zum Abschluss der Arbeiten Anfang Februar so bleibt. Denn auch, wenn die Anker mit Zement im Fels verpresst werden, dürfe es nicht allzu kalt sein. "Wir sind guter Dinge", gibt sich Hilser optimistisch.
Schulbus fährt wie gewohnt
Gearbeitet wird vor allem deshalb nachts, um den Verkehr möglichst wenig zu behindern und auch den Schulbus nicht zu beeinträchtigen. Das Straßenbauamt wollte den Anwohnern in Kaltbrunn und Wittichen so "ein Stück weit entgegenkommen". Am Tag ist die Landesstraße mit halbseitiger Sperrung und Ampelregelung befahrbar. Sobald die Arbeiten laufen, kann es mitunter zu langen Wartezeiten von bis zu 90 Minuten kommen, hatte das Straßenbauamt angekündigt.
Bohrgerät braucht Platz
Im Einsatz ist nämlich ein großes Bohrgerät, das wegen seiner Stützen relativ breit ist und die Straße blockiert. Ein Durchkommen ist dann zeitweise nicht möglich. "Ab 20 Uhr sind die meisten von der Arbeit zuhause", begründet Hilser den gewählten täglichen Arbeitsbeginn. Die Bohrarbeiten gehen selbstredend nicht geräuschlos vonstatten. Joachim Hilser hofft auf das Verständnis der Anwohner, den Lärm in dieser Woche auszuhalten. Immerhin fänden die Arbeiten im Winter statt, wo die meisten doch eher bei geschlossenen Fenstern schlafen.
Er ist froh, wenn die Arbeiten nun zu einem Abschluss kommen. "Wir haben jetzt echt lange gebraucht", gibt er zu. So habe es unter anderem Notfälle gegeben, die das tätige Felssicherungsunternehmen dazwischengeschoben habe – etwa, wenn auf viel befahrenen Bundesstraßen schnell etwas zu tun war. Auch Corona habe das Unternehmen zeitweise geschwächt. "Und die Maßnahme im Vortal war halt die, bei der der Verkehr am wenigsten beeinträchtigt war", erklärt Hilser, warum dort Verzögerungen am ehesten in Kauf genommen werden konnten. Zwischenzeitlich war zum Schutz eine Betonwand am Straßenrand aufgestellt, der Verkehr konnte ungehindert fahren. Und die Stellen, bei denen Gefahr im Verzug geherrscht hatte, "sind schon lange gesichert", erinnert Hilser.
Buswartehäuschen steht bald wieder
Auch für das Buswartehäuschen gibt es gute Nachrichten: Es soll in den kommenden Tagen aufgestellt werden, stellte Bürgermeister Bernd Heinzelmann in Aussicht. Kurz vor Weihnachten hatte der Kreis die Freigabe erteilt. dass das Häuschen wieder an seinen alten Platz zurückkehren kann. Die Sicherungsarbeiten in diesem Bereich sind bereits abgeschlossen. Bislang hat das passende Fahrzeug gefehlt – der Stapler der Gemeinde ist laut Heinzelmann zu klein, um das Häuschen zu transportieren. Der Bauhof sei aber dabei, einen Bagger zu organisieren.
Info: Darum geht’s
Zum ersten Felsabgang kam es im Mai 2019 in unmittelbarer Nähe zum dortigen Bushaltehäuschen. An gleicher Stelle ging im Dezember 2019 weiteres Geröll ab. Bei der näheren Untersuchung des Felses entlang der Landesstraße – zwischen dem Abzweig Gallenbach und dem Abzweig nach Kaltbrunn – wurden weitere kritische Bereiche entdeckt. Im Februar 2020 wurden die betroffenen Hänge so gesichert, dass keine Steine mehr unbeabsichtigt auf die Straße fallen. Tiefergreifende Arbeiten wurden in einem Maßnahmenpaket, das auch andere Felssicherungen im Kreis beinhaltete, ausgeschrieben. Gestartet wurde im Vortal dann im Februar 2021 mit den ersten Maßnahmen.