Die Woche begann mit einem harten Schlag für Freunde der Billig-Prostitution. Es ist vorbei, bye-bye Pussy-Club. Die Polizei hat das Flattrate-Freudenhaus in Fellbach dichtgemacht. Endlich hat die Politik einen juristischen Hebel gefunden, um das "menschenverachtende" Geschäftsmodell zu stoppen. Die Hygiene im Billig-Puff war mangelhaft, die Massagebank dreckig. Nun sitzen die Prostituierten auf der Straße, doch bestimmt gehen sie bald auf den Strich. Foto: dpa

Der Pussy-Club ist passé. Doch demnächst will der Mieter, Prinz Marcus von Anhalt, Wiedereröffnung feiern, allerdings als sogenanntes FKK-Haus ohne Flatrate-Angebot.

Fellbach - Der Pussy-Club ist passé: Nach der Razzia vom 26. Juli hat das Ordnungsamt den Puff in der Schaflandstraße dichtgemacht. Doch demnächst will der Mieter, Prinz Marcus von Anhalt, Wiedereröffnung feiern, allerdings als sogenanntes FKK-Haus ohne Flatrate-Angebot.

"Wegen Unzuverlässigkeit" habe man der Betreiberin das Gewerbe untersagt, erklärte Fellbachs OB Christoph Palm nach der Durchsuchung des Bordells vor dreieinhalb Wochen. Seitdem sitzen die Geschäftsführerin, eine 26-jährige Rumänin, sowie drei Männer in Untersuchungshaft. Palm räumte jedoch kurz danach ein, dass in den Räumen durchaus wieder ein Bordell einziehen könnte – sofern ein anderer Betreiber eine Generalsäuberung der Räume und bauliche Veränderungen vornehme und das Flatrate-Konzept beende.

So kommt es nun vermutlich. Der neue Betreiber ist kein Unbekannter. Es handelt sich um Prinz Marcus von Anhalt (42). Er ist Mieter des Gebäudes und hatte bereits das frühere FKK-Haus über Jahre betrieben. In diesem Frühjahr allerdings verpachtete er die Räume an jene Rumänin, die dann den Flatrate-Puff eröffnete. Bei Pauschalpreisen von 70 Euro beziehungsweise 100 Euro (abends) kamen Freier aus dem ganzen süddeutschen Raum.

Marcus Eberhardt, wie er ursprünglich hieß, wurde vor drei Jahren von Prinz Frederic von Anhalt adoptiert und hat daher seinen Adelstitel. Der einstige Metzgerlehrling hat sich zu einer schillernden Figur des internationalen Jetset hochgearbeitet. Im "Entertainmentbusiness", wie er es selber nennt, also durch Tabledance-Clubs oder als Bordellbetreiber, hat er genügend Geld eingenommen, um sich mehrere Schlösser an Wohnsitzen wie Los Angeles oder Dubai sowie 25 Edelkarossen leisten zu können.

Derzeit jedoch ist "Prinz Prolo", "Prinz Prahl" oder "Bordell-König", wie er von der Boulevardpresse genannt wird, nicht in Monaco, sondern in der schwäbischen Kleinstadt zugange. Er will den bisherigen Pussy-Club "aufpäppeln, umbauen, die behördlichen Vorschriften erfüllen, verpachten und eröffnen", sagt der nie um einen flotten Spruch verlegene Prinz. Am 1. September soll das Freudenhaus unter dem Titel FKK-Safari eröffnet werden. Allerdings benötigt der Prinz noch einen Untermieter, der den Laden führt. Denn der Mann möchte eigentlich lieber seinen Hobbys "Tennis, Autorennen, Speedboot" nachgehen als sich mit Behörden um die Arbeitsbedingungen von Prostituierten streiten. Zum Eröffnungstag verspricht er freien Eintritt. Berufsgruppen wie Polizisten, Steuerfahnder "und alle Innenminister" erhielten sogar zwei Tage gratis, scherzt er. Ansonsten soll ein Eintrittspreis von 30 Euro sowie ein Halbstundensatz für sexuelle Dienstleistungen von 50 Euro für die Freier gelten.

Im Fellbacher Rathaus ist "der Herr Prinz ist noch nicht vorstellig geworden", sagt Pressesprecher Arnold Marhoffer, "das muss er aber auch nicht." Der Bordellbetrieb müsse nur einen Tag vorher als Gewerbe angemeldet werden, "das ist laut Gesetz ausreichend". Über die Entwicklung sei man natürlich "not amused, wir brechen nicht in Jubel aus". Grundsätzlich sie die Stadt aber "nicht auf einem Kreuzzug gegen Bordellbesitzer oder die Prostitution schlechthin". Man werde allerdings genau beobachten, ob die Situation den Anforderungen entspreche.