Auf dem "Gipfeltreffen der Weltmarktführer" hat Klaus Wohlfarth jüngst die Strategie für seine KW-Automotive-Gruppe vorgestellt – besonders für die BBS in Schiltach.
Schiltach-Hinterlehengericht - Ex-Wirtschaftsminister Walter Döring hatte in Zusammenarbeit mit einem Wirtschaftsmagazin vor einigen Tagen 100 Unternehmer zu einem zweitägigen Austausch nach Schwäbisch Hall eingeladen. Als geschäftsführender Gesellschafter der KW-Automotive-Gruppe, zu der seit Juni 2021 auch die BBS automotive GmbH gehört, legte Klaus Wohlfarth auf der Veranstaltung dar, warum und wie er BBS übernommen und was er damit vor hat: "Mit unserer langjährigen Expertise im Aftermarket-Geschäft konnten wir am glaubhaftesten beim BBS-Bieterverfahren darstellen, wie man den Leichtmetallräderhersteller erfolgreich restrukturieren und dennoch weiterhin an den Standorten im Schwarzwald und im Breisgau Leichtmetallräder fertigen kann." Nach dem Prinzip "die Form folgt der Funktion" kehre BBS unter seiner Führung zu den Wurzeln zurück.
Rückzug aus Erstausrüstergeschäft
Wohlfarth zählte Synergieeffekte in vielen Bereichen auf: BBS als Räderhersteller und die KW-Gruppe mit ihrer Fahrwerkssparte sprächen die gleichen Kunden an, beide hätten in ihrem jeweiligen Bereich Schlüsseltechnologien entwickelt, beide hätten an ihren Standorten in Baden-Württemberg eine Fertigungsdichte von fast 100 Prozent. Die Stärken von BBS unter anderem bei der Fertigung von Leichtmetall- und Magnesiumrädern will Wohlfarth stärker in den Vordergrund rücken und dazu den Vertrieb neu ausrichten: "Zukünftig werden die BBS-Räder über exklusive Fachhandelspartner und auch direkt an Endverbraucher weltweit vertrieben. Wenn wir bis Ende 2023 unsere Aufträge und Verpflichtungen der OEM-Kunden erfüllt haben, konzentrieren wir uns nicht mehr auf das Erstausrüstungsgeschäft. Dies ist allein durch die weiterhin ansteigenden Energie- und Rohstoffkosten sowie der Einkaufspolitik der Automobilindustrie so nicht möglich." Im Mittelpunkt stehen für ihn der speziell geschulte Fachhandel sowie der einzelne Endverbraucher. Eine wichtiges Instrument ist der neue Online-Auftritt, über den die BBS-Leichtmetallradsysteme vom Kunden individuell konfiguriert werden können.
Fertigung in Deutschland
Wohlfarth will an den BBS-Standorten in Baden-Württemberg festhalten. "Ich habe beim Aufbau unserer US-Niederlassung mehrere Jahre in den USA gelebt und dadurch meine schwäbische Heimat noch mehr zu schätzen gelernt", betont er. So investiert die BBS in ein modernes, energiesparsameres Produktionsverfahren, um die immer höher werdenden Energiekosten zu reduzieren. Allerdings gibt es in Schiltach-Hinterlehengericht beim Stammsitz der BBS wegen der topografischen Lage keine neuen Fertigungsflächen mehr, weshalb Schiltach und Aichhalden ein interkommunales Gewerbegebiet planen. Dort würde Wohlfarth die BBS gerne ansiedeln und einen modernen energieeffizienten Fertigungsstandort aufbauen. "Es wird viel geredet, wir machen was, wir bauen eine nachhaltige Fabrik", erklärte Wohlfarth beim Gespräch mit unserer Redaktion. Für ihn ist das ein Beitrag der zur Zeit ablaufenden "Transformation" der Automobilbranche. "Und bei den Produkten orientieren wir uns an dem, was der Kunde will", versprach Wohlfarth weiter.
Ein Umzug wird auch dadurch erleichtert, dass die Gebäude der BBS in Hinterlehengericht von einer Immobilienverwaltungsgesellschaft angemietet sind, wie Wohlfarth bestätigte. Was später mit der alten Fabrik geschehe, könne man heute noch nicht sagen. Das Genehmigungsverfahren für das neue Gewerbegebiet und der Neubau werden sicher einige Zeit beanspruchen, ist der Geschäftsführer überzeugt.