Das war’s dann wohl: Das Ende des traditionsreichen Felgenherstellers BBS scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Für das Unternehmen gibt es nach dem fünften Insolvenzantrag keine Perspektive mehr. Den 240 Mitarbeitern steht die Kündigung bevor.
Dieser Satz leitet wohl das Ende des Felgenhersteller BBS ein: „Ich werde dem Gericht vorschlagen, das Insolvenzverfahren zum 1. Oktober zu eröffnen.“ Darüber hat der vorläufige Insolvenzverwalter Dirk Pehl zusammen mit der Agentur für Arbeit die Mitarbeiter am Dienstag bei einer Betriebsversammlung informiert.
Während ein Teil der Belegschaft noch für die Abwicklungsarbeiten benötigt wird, wird Pehl den meisten Mitarbeitern nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens die Kündigung aussprechen und sie freistellen müssen. „Das liegt daran, dass zum 30. September das Insolvenzausfallgeld ausläuft und BBS die Löhne und Gehälter für die rund 240 Mitarbeitenden wieder aus eigener Kraft erwirtschaften müsste. Dies ist jedoch nicht möglich, da bei BBS der eigentliche Geschäftsbetrieb bereits Monate vor dem Insolvenzantrag zum Erliegen gekommen war“, so Pehl laut Pressemitteilung seiner Kanzlei weiter. BBS habe weder Aufträge, noch überhaupt Geld auf dem Konto gehabt.
„Und selbst wenn das anders gewesen wäre: Ohne die Markenrechte hätten wir auch keine BBS-Räder auf den Markt bringen können.“ Die Markenrechte liegen weiterhin bei Klaus Wohlfarth, Geschäftsführer des Altgesellschafters KW Automotive. Obwohl KW und die BBS-Investoren von der IS Holding eigentlich eine Einigung verkündet hatten, ist ein Transfer der Rechte nie vollzogen worden.
„Positiv war und ist jedoch, dass es keine ausstehenden Löhne gegeben hat und die Mitarbeitenden so zumindest den vollen Anspruch auf das Insolvenzgeld hatten“, sagt Pehl. Während der Juli noch vorfinanziert werde konnte, warten die Mitarbeiter weiterhin auf das Insolvenzgeld für August und September, das erst mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgezahlt werden kann.
Mitarbeiter erhalten Arbeitslosengeld
Doch was dann? Die vertraglich festgelegte Kündigungsfrist der Mitarbeiter bleibt auch nach ihrer Freistellung bestehen, ist laut Insolvenzordnung jedoch auf maximal drei Monate gedeckelt. „Für den Kündigungszeitraum haben die Mitarbeitenden einen vertraglichen Anspruch auf ihren Arbeitslohn gegen die Insolvenzmasse – also das vorhandene Geldvermögen der BBS“, erklärt Pehl. Da dieses jedoch nicht ausreiche, um die Löhne für die gesamte Belegschaft bezahlen zu können, erhalten die Mitarbeiter zunächst für bis zu drei Monate Arbeitslosengeld.
„Schritt ist alternativlos“
Das Arbeitslosengeld umfasst jedoch nur etwa zwei Drittel des Nettolohns, weshalb die Mitarbeiter für den Restbetrag einen Anspruch gegenüber der Insolvenzmasse haben – also etwa Maschinen oder noch auf Lager befindliche Räder, die Pehl nun zu verkaufen versucht. Das kann dauern – wofür Pehl um Verständnis bittet: „Dieser Schritt ist aber alternativlos, da wir mit den finanziellen Mitteln von BBS die Löhne nicht bezahlen können und wir alle Gläubiger – zu denen auch jeder einzelne Mitarbeitende gehört – gleich behandeln müssen.“ Durch die direkte Freistellung könnten sich die Mitarbeiter auch gleich auf neue Jobs bewerben.
Die Gebäude in Schiltach und Herbolzheim sind derweil nicht Teil der Insolvenzmasse, da sie von BBS lediglich angemietet wurden. Sie gehen nun in den Besitz der Vermieter zurück, die über die weitere Verwendung entscheiden.
Unternehmen würde „faktisch aufhören zu existieren“
Wie lange das Insolvenzverfahren letztendlich dauert, hänge davon ab, wie schnell die Vermögenswerte veräußert werden, erklärt Ingo Schorlemmer, Pressesprecher von Pehls Kanzlei Schultze und Braun. Üblich seien drei bis fünf Jahre.
Die Geschichte von BBS wäre mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens also noch nicht vollständig beendet – doch das Unternehmen würde „faktisch aufhören zu existieren“, wie Schorlemmer erklärt. Was bis zur Abwicklung bleibe, sei eine „leere Hülle“ – also kaum weniger als das, was BBS in den Augen mancher Mitarbeiter hinsichtlich der ruhenden Produktion ohnehin bereits seit Monaten ist.