Die Feldsperlinge verschwinden oder sind schon verschwunden. In Kandern, das von vielen Wiesen und Feldern umgeben ist, ist das auffällig.
Schon Spatzen beziehungsweise Haussperlinge haben es nicht überall leicht. Sie leben gerne in Gruppen und sind oft ortstreu. Ihr typisches Tschilpen hört man in Dörfern und Siedlungen, in naturnahen Vorgärten, in Heckenstrukturen, an Bauernhöfen und alten Scheunen sowie bei dörflichen Gaststätten. Dort finden die Vögel Brutplätze und Nahrung, wie Erntereste, Wildblumensamen oder auch Brotkrumen und – Haussperlinge sind findig – kleinere Essensreste. Die Modernisierung aber macht auch den Haussperlingen zu schaffen, nämlich wenn Grünflächen versiegelt werden, Hecken verschwinden und Scheunen umgebaut werden.
Man muss schon genau hinschauen, um den Feldsperling vom Haussperling zu unterscheiden. Feldsperlinge sind etwas kleiner als Haussperlinge und anders gezeichnet. Der Feldsperling hat eine rostbraune, der Haussperling eine graue Kappe. Feldsperlinge haben zudem einen markanten schwarzen Wangenfleck und ein weißes Halsband, Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt.
Ein guter Tipp, Feldsperlinge zu beobachten, sind Spaziergänge an Dorfrändern, entlang von Feldern und Wiesen oder das Vogelfutterhaus im Winter. Und genau hier fällt auf: Die Vogelart ist immer seltener zu sehen. Die Kandernerin Christine Steck, Mitglied beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und Naturschutzbund, hat die Vogelart in ihrem Garten, wo viele Pflanzen wachsen, die Samen enthalten, die Feldsperlinge gerne fressen, schon länger nicht mehr gesehen.
Naturschützer Horst Spreen, der einen großen naturnahen Garten außerhalb von Kandern besitzt, ist ebenfalls aufgefallen, dass wohl viele Haussperlinge bei ihm vorkommen – aber: „Feldsperlinge sind einfach weg und ich rätsele, warum“, teilte er bei einer Begehung seines Gartens mit.
Auf der Vorwarnliste
Ein ähnliches Bild ergibt sich im Winter an den Futterhäuschen. Feldsperlinge – früher sehr häufige Wintergäste – werden bei der jährlichen „Stunde der Wintervögel“ viel seltener gezählt, selbst wenn man Vogelfutter mit vielen Samen ausstreut.
Beobachtet haben dies auch die Natur- und Vogelfreunde in Efringen-Kirchen. Vereinsmitglied Aino Hakkala teilt mit, dass in jüngster Zeit in der Kanderner Nachbargemeinde ebenfalls weniger Feldsperlinge beobachtet wurden. Mittlerweile steht die Vogelart in Baden-Württemberg sogar auf der Vorwarnliste vom Aussterben bedrohter Arten.
Naturschützer und Vogelbeobachter sprechen mittlerweile von einem „dramatischen Verschwinden“, es gebe einen regelrechten „Bestandskollaps“, heißt es in Fachzeitschriften. Nahezu flächendeckend ist die Vogelart in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bereits verschwunden. Der Bestand des Feldsperlings ist in den vergangenen Jahren massiv eingebrochen.
Diese Beobachtung konnte in der Vergangenheit in weiten Teilen Deutschlands gemacht werden und wurde jetzt durch die aktuellen Zahlen aus Monitoring-Programmen, darunter das Monitoring häufiger Brutvögel (MhB) des DDA bestätigt“, hieß es 2024 auf der Webseite des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA).
Ein Netzwerk forscht
Im südlichen Baden-Württemberg finden sich noch Brutkolonien, aber insgesamt wird gerätselt, was den plötzlichen Bestandseinbruch verursacht. Diskutiert werden neben dem Verlust von Lebensräumen, also Landschaftsveränderungen und Flächenverbrauch, Pestizide, Beiszmittel, Parasiten oder Salmonellenerkrankungen.
Mittlerweile hat sich deshalb ein „Netzwerk Feldsperling“ gegründet. Hier forschen Eckhard Gottschalk, Naturschutzbiologe an der Universität Göttingen, und Professor Michael Lierz als Direktor der Klinik für Vögel, Reptilien und Amphibien an der Universität Gießen an den Ursachen. Sie bitten die Bevölkerung um Mithilfe.
Auf der Webseite des DDA heißt es, dass Bürger „frischtote (ein bis drei Tage) Vögel zusammen mit einem Kühlakku verpackt in ein Paket nach Gießen schicken“ können. Für Untersuchungen auf Erreger seien Vögel besser, die nicht eingefroren sind. Lasse sich das Einfrieren aus organisatorischen Gründen nicht vermeiden, könne der Vogel trotzdem untersucht werden. „Vor dem Versand bitte das Einsendeprotokoll der Vogelklinik Gießen ausfüllen“, teilt der DDA dazu mit (siehe Info-Kasten).
Lebensraum bieten
Um den Bestand des Feldsperlings zu erhalten, können Bürger dem Höhlenbrüter entsprechende Nistkästen in einem naturnah gestalteten Garten anbieten. Wichtig ist zudem der Erhalt einer vielfältigen Landschaft, auf der neben vielen Samenpflanzen zudem Hecken und alte Obstbäume, die Nisthöhlen bieten, zu finden sein sollten.
Mithilfe
Das Einsendeprotokoll
für die Vogelklinik der Universität Gießen ist auf der Webseite der Universität unter www.uni-giessen.de/de/fbz/fb10/institute_klinikum/klinikum/kvraf/formulare abzurufen. Dort kann das Formular heruntergeladen werden. Bei den Einsendungen ist bei „Sonstiges“ zu vermerken: „Projekt Feldsperling Lierz/Gottschalk“. Diese sollen als Päckchen im Karton (nicht in einem Umschlag) an die Vogelklinik geschickt werden.