Polizeihauptkommissar Anton Rebholz (links) und Polizeihauptmeister Karl Tritschler machen auf der 1235 Meter hoch gelegenen Polizeistation in Feldberg im Schwarzwald, Deutschlands höchstgelegenem Polizeiposten, ihren Dienst. Foto: dpa

Polizisten auf Kufen - auf dem Feldberg ist das derzeit ein gewohnter Anblick.

Feldberg - Wenn es schnell gehen muss, lässt Rainer Neubronner den Streifenwagen stehen. Mit dem blau-weißen Motorschlitten rast der Polizeioberkommissar über den Schnee. Blaulicht und Martinshorn verschaffen ihm auf der Piste Respekt. Wahlweise schnallt er auch mal die Ski an und wedelt zum Einsatzort. Neubronner arbeitet seit 31 Jahren auf dem Feldberg als Polizist. Sein Revier ist das größte Wintersportgebiet Baden-Württembergs.

Wenn der Oberkommissar morgens kurz vor 6.30 Uhr auf dem höchsten Berg in Baden-Württemberg seinen Dienst beginnt, greift er zuerst zur Schneeschaufel. Die 1961 errichtete Polizeistation auf 1235 Metern Höhe ist deutschlandweit einmalig: Höher hinaus geht es für die Polizei nirgendwo in der Republik.

"Von der Witterung hängt alles ab"

"Wir leben hier oben mit dem Wetter. Von der Witterung hängt alles ab", sagt der 50-Jährige, der 1980 seinen Winterdienst aufgenommen hat. Die Polizeiarbeit muss funktionieren, auch wenn draußen vor der Tür zweistellige Minusgrade herrschen und der Schnee vier Meter hoch liegt. Ohne Handschuhe, feste Schuhe und Fellmütze geht hier gar nichts.

Die Polizeiwache ist nur im Winter geöffnet, in der Regel von Anfang Dezember bis kurz vor Ostern. Solange die Skisaison dauert, sind auch die Polizisten da. An Spitzentagen drängen sich bis zu 10.000 Wintersportler auf dem Feldberg. Die Ordnungshüter sind dann im Dauereinsatz. Besonders stressig wird es um Weihnachten und den Jahreswechsel sowie in den Fastnachtsferien. In dieser Zeit sind auch viele Holländer und Franzosen unterwegs, die gerne den Feldberg ansteuern.

"Mit anderen Polizeistationen nicht vergleichbar"

An Werktagen sind zwei Polizisten auf dem Feldberg, an Wochenenden drei im Einsatz. "Unser Arbeits- und Einsatzprofil ist mit anderen Polizeistationen nicht vergleichbar", sagt Postenführer Anton Rebholz (50). Die Polizisten kümmern sich nicht nur um die Straßen, sondern vor allem um Loipen, Lifte und Pisten. Insgesamt 55 Kilometer Piste können Wintersportler rund um den 1493 Meter hohen Feldberggipfel unter die Bretter nehmen. Nicht jeder Polizeibeamte kann hier oben eingesetzt werden. "Ein Kollege, der den Schnee nicht mag oder dem das Skifahren fremd ist, hat keine Chance."

Der 56 Jahre alte Kollege Karl Tritschler arbeitet seit 1989 auf dem Feldberg. Zum Alltag gehören verschwundene Skiausrüstungen, Taschendiebstähle, Streitereien oder Unfälle auf der Straße, wenn Autofahrer sich auf der Suche nach einem Parkplatz möglichst nah am Skilift in die Quere kommen. Auch bei einem Zusammenstoß auf der Piste oder an einem der 31 Lifte, ist die Polizei gefragt. "Wir nehmen solche Unfälle auf und suchen den Schuldigen, so wie auf der Straße", sagt Polizeihauptmeister Tritschler.

Manchmal geht es um Leben und Tod

Immer mal wieder geht es auch um Leben und Tod. "Die Gefahren werden häufig unterschätzt", sagt Neubronner. Auch am Feldberg, im deutschen Mittelgebirge, gehen Lawinen runter. Und weil das Gebiet groß und unübersichtlich ist, die Hänge steil und die Schluchten tief sind, verunglücken immer wieder Wintersportler oder verirren sich. Groß angelegte Suchaktionen müssen regelmäßig organisiert werden. Nicht alle enden glücklich, immer wieder müssen die Polizisten auch Leichen bergen.

Auf den Pisten herrschen nach Beobachtung von Neubronner und seine Kollegen immer rauere Sitten. Auf den voller werdenden Pisten wird schneller und gewagter gefahren. Snowboarder und Skifahren gehen auf Kollisionskurs, andere überschätzen sich und verunglücken.

Braucht die Bergwacht Hilfe, springt die Polizei ein und fährt zum Beispiel den Notarzt mit dem Motorschlitten oder dem Geländewagen zur Unglücksstelle. Ein normaler Streifenwagen, sagen die Polizisten, schafft es hier oben häufig nicht. In den meisten Fällen sind die Beamten abseits der Straße unterwegs. Wenn es ganz brenzlig wird, muss ein Hubschrauber angefordert werden.

Erste Anlaufstelle für Urlauber

"Weil unsere Polizeiwache direkt im Skigebiet steht, sind wir natürlich für viele Urlauber die erste Anlaufstelle", sagt Polizeihauptkommissar Rebholz. Dann sind die Beamten auch als Touristenführer gefragt. "Weil wir in einem Feriengebiet arbeiten, sind die Menschen uns gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen", sagt Neubronner. "Die Grundstimmung ist positiver als anderswo, weil die Menschen Urlaub haben." Oft gibt es auch Lob, etwa von Urlaubern, die bestohlen wurden und ihr Hab und Gut wiederbekommen.

"Die Kriminalität ist auch auf dem Feldberg zu Gast", sagt Neubronner. "Aber wir haben hier oben Erlebnisse, auf die man in einem Großstadtrevier lange warten kann." Die Arbeit in der Natur gehört für ihn ebenso dazu wie das eigenständige Arbeiten. "Wir müssen in den allermeisten Fällen schauen, dass wir selber klarkommen." Die nächsten Polizeistationen sind gut 20 Minuten entfernt.

Verschärft wird die Situation durch die Bundesstraße 317, die über den Feldberg führt. Mitten durchs Skigebiet verläuft mit ihr eine stark befahrene Durchgangsstraße. Wird diese zugeparkt, müssen die Polizisten Strafzettel schreiben und für freie Bahn sorgen. Im Zweifel muss auch abgeschleppt werden.

Dennoch bleibt Neubronner genug Zeit für sein Hobby. Seit mehr als 30 Jahren sammelt er Polizeimützen aus aller Welt. In der Polizeistation auf dem Feldberg sind sie fein säuberlich sortiert. Es sind inzwischen 161 Stück aus mehr als 100 Ländern - von Südafrika bis Nordkorea. Manche kommen von Polizeikollegen, die auf dem Feldberg Ski gefahren sind.
 

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