Fritz Frey feiert sein Jubiläum am Pfingstsamstag mit einem Orgelkonzert in der Simmersfelder Johanneskirche. Foto: Köncke

Fritz Frey aus Simmersfeld spielt seit 60 Jahren Orgel. An das Jubiläum wird mit einer musikalischen Feierstunde am Pfingstsamstag, 4. Juni, ab 19 Uhr in der Johanneskirche erinnert.

Simmersfeld - Genau genommen sind es bereits 62 Jahre, dass Fritz Frey Gottesdienste in der Simmersfelder Johanneskirche musikalisch umrahmt. Wegen der Pandemie wurde das im Mai 2020 geplante Jubiläumskonzert abgesagt. "Das holen wir nach", hatte ihm Ortspfarrer Alexander Schweizer damals versichert. Wer sein Amt zum Lobe Gottes mit solcher Leidenschaft und Hingabe ausübe, müsse öffentlich gewürdigt werden.

Schon in jungen Jahren fasziniert

Der Klang der Orgel habe ihn schon in jungen Jahren fasziniert, erinnert sich der 79-Jährige im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Früher seien Taufen nicht im Gottesdienst, sondern anschließend in der Kirche im engsten Familien- und Bekanntenkreis gefeiert worden, und der Pfarrer habe die gesungenen Lieder auf dem Harmonium begleitet. Das möchte ich später auch können, stand Freys Entschluss früh fest.

Weil im Elternhaus kein Instrument vorhanden war, malte er die Manuale auf einen Bogen Papier, legte seine Finger drauf, bewegte sie und sang dazu christliche Lieder. In der Schule stand ein Harmonium. Das war jedoch dem Lehrer vorbehalten. Einmal hielt sich Fritz in dessen Abwesenheit nicht an die Anweisung, wurde erwischt und musste zur Strafe eine ganze Seite Text "in Schönschrift" abschreiben.

Die Tante hatte ein Harmonium

Für Konfirmanden war der Besuch des Gottesdienstes damals Pflicht. Meistens saß Frey in der hintersten Bankreihe mit Blick auf den Organisten. Das bekam Pfarrer Ostermann mit, und der ermutigte den Jungen, sich im Orgelspiel unterrichten zu lassen. Einen Lehrer zu bezahlen, kam für die Arbeiterfamilie aus finanziellen Gründen aber nicht infrage. Wie gut, dass es eine Tante gab, die als Diakonisse arbeitete und sich ein Harmonium zugelegt hatte, in ihrer Stuttgarter Dienstwohnung aber keinen geeigneten Platz dafür fand. Die Großeltern von Fritz Frey hatten ihn. Immer, wenn die Verwandte zu Besuch kam, spielte sie darauf, und Fritz durfte mitmachen.

Fuhr sie zurück, wurde das Harmonium abgeschlossen, um zu verhindern,"dass wild drauflos geklimpert wird". Wenn er Musikstunden nehmen würde, könnte sie ihm zum Üben den Schlüssel überlassen, und er bekäme das Instrument später vielleicht sogar geschenkt. Die Suche konnte beginnen. Zuerst nahm er Stunden bei Christine Waidelich in Aichhalden. Ab Januar 1957 fuhr er einmal in der Woche mit dem Fahrrad zu ihr. Nach vier Wochen konnte er schon die ersten Lieder auf ihrem Harmonium spielen. Dann aber musste Frau Waidelich stärker in der Landwirtschaft mitarbeiten und hatte keine Zeit mehr.

Premiere am Pfingstsonntag

Oberlehrer Ernst Waidelich aus Ettmannsweiler erklärte sich bereit, den jungen Mann unter seine Fittiche zu nehmen. Weil Frey auch gerne Orgel gespielt hätte, war Organist Rümelin aus Altensteig die nächste Station. Nach zwei Jahren fleißigen Übens umrahmte der damals 17-Jährige am Pfingstsonntag 1960 die Morgenfeier in der Simmersfelder Johanneskirche."Das hat auf Anhieb gut geklappt", erinnert sich der Senior gerne an die damalige Premiere.

Die Musik auf einem Tasteninstrument war für den Beschäftigen der Altensteiger Besteckfabrik Auerhahn nicht nur ein Ausgleich zum Arbeitsalltag, sondern "ein Stück Lebenserfüllung". Geholfen hat es ihm besonders in Zeiten depressiver Gedanken, von denen der 79-Jährige nicht verschont geblieben ist. Bis heute vergeht für ihn nach eigener Aussage kein Tag, an dem er sich nicht ans Harmonium setzt, selbst kurz vor dem Zubettgehen.

Die Domorgel war ein Höhepunkt

Fritz Frey musiziert nicht nur in der Simmersfelder Johanneskirche, er begleitet Senioren bei Liedernachmittagen im Alten- und Pflegeheim, umrahmte Zusammenkünfte des Freundeskreises der Altensteiger und des Bibel- und Brezel-Treffs der Liebenzeller Gemeinschaft. Auch die hobbymäßige Beschäftigung mit dem Orgelbau bereitet ihm Freude. Ein Höhepunkt war für ihn der dreitägige Aufenthalt in Passau mit der Besichtigung der weltgrößten, 17 Meter hohen Kirchenorgel im Dom, und dass er darauf eine Stunde lang spielen durfte. Möglich geworden war das, weil Frey bei der SWR-Sendung "Unsere Helden" von den Einwohnern der Gemeinde im Oberen Wald wegen seines sozialen Engagements zum "Stillen Vorbild" gekürt und bei der Übertragung aus der Albblickhalle stürmisch gefeiert worden war.Als Belohnung bekam er die Reise nach Bayern geschenkt.

Jetzt freut sich der Organist zusammen mit den Kirchenmusikdirektoren Peter und Eva-Magdalena Ammer aus Nagold auf das verspätete Jubiläumskonzert am Pfingstsamstag in der Johanneskirche.