Fotos von Zeichnungen: "Menschliches". Foto: Keck

Die Feierstunde im Sitzungssaal des Rathauses zum 100. Geburtstag der 2016 verstorbenen Künstlerin Margot Jolanthe Hemberger zeigte sich – ganz in ihrem Sinne – von der heiteren Seite. In den Ansprachen wurde die starke Persönlichkeit Hembergers hervorgehoben.

Loßburg - Bürgermeister Christoph Enderle betonte, dass es der Gemeinde Loßburg als Verwalterin der Margot-Jolanthe-Hemberger-Stiftung sowie dem Stiftungs-Kuratorium ein ernstes Anliegen sei, den 100. Geburtstag zu begehen. Eine Trauerfeier sollte es nicht werden, sondern man wolle im Gedenken in lockerer Atmosphäre auch das Fröhlichsein zu seinem Recht kommen lassen.

Auch bewusst provoziert

Die 1953 ins "beschauliche Loßburg" gelangte Künstlerin wurde von Enderle als eine Persönlichkeit charakterisiert, die manchmal auch bewusst provozierte und auffiel. "Sie konnte es sich leisten, anders zu sein" angesichts ihrer Fähigkeiten, meinte das Gemeindeoberhaupt, das die Vita Hembergers skizzierte.

Nicht nur in Loßburg fänden sich überall Hinweise auf das Wirken und die Präsenz der Künstlerin. Tatsächlich ist ihre "Genialität" darüber hinaus an vielen Orten zu entdecken. Mit dem Nachlass ist die Absicht und Verpflichtung verknüpft, jungen Künstlern eine Heimat zu geben.

Dank für Einsatz

Zum Jubiläumsjahr sei es gelungen, Klappkarten und Postkarten zu drucken, die beispielhafte Werke präsentieren. Exklusiv gibt es zu diesem Gedenken eine Sonderbriefmarke "100 Jahre – Margot Jolanthe Hemberger". Ein besonderer Dank Enderles galt Magda Motté für ihren unermüdlichen Einsatz bei der Gründung der Stiftung.

Kuratoriumsmitglied und Loßburgs ehemaliger Bürgermeister Thilo Schreiber beschrieb in einer launigen Rede seine Begegnungen mit Margot Jolanthe Hemberger. So blieb ihm einmal auf einer Sitzung fast die Spucke weg: "Was hat die Frau für eine Power mit 79 Jahren!"

Einmalige Persönlichkeit

Leisetreten war nicht die Sache der Künstlerin. Ihre Meinung tat sie im Allgemeinen offen kund, wohl wissend, dass sie dabei anderen auch mal auf die Zehen trat. Als Bauleiterin, beispielsweise beim Aufstellen von Großplastiken, sei sie geradezu gefürchtet gewesen, selbst bei gestandenen Handwerkern. Auch mit "wohlmeinenden Künstlerkollegen" konnte Hemberger von Fall zu Fall ungnädig verfahren, wenn künstlerische Grundsätze verletzt wurden.

Im Gesamten erlebte Thilo Schreiber die Künstlerin als eine "einmalige Persönlichkeit, die das Leben genießen konnte". Heiterkeit und Gelassenheit strahlte sie aus, und das machte sie in den Augen vieler Menschen höchst angenehm. Ihr vor 20 Jahren erstelltes Vermächtnis sei von "unschätzbarem Wert".

Vor der Ansprache der Hemberger-Freundin und Germanistik-Professorin Magda Motté wurde ein von Margot Jolanthe Hemberger besonders geschätztes Musikstück, der zweite Satz von Beethovens Violinkonzert, interpretiert von Anne-Sophie Mutter, vom Band eingespielt.

Bereichernder Umgang

Magda Motté erzählte vom bereichernden Umgang mit Hemberger. So sei die Künstlerin von der Literatur und die Hochschullehrerin von der Kunst inspiriert worden. Hemberger habe es anfangs im dörflichen Loßburg nicht leicht gehabt. Leute hätten sich gefragt, was das für eine Person sei – ohne Mann, ohne Kinder. Wäre das anders, "dann verginge ihr das Künstlerdasein", hieß es damals zuweilen. 63 Jahre verbrachte Margot Jolanthe Hemberger in Loßburg. Längst war der "eloquenten, intelligenten Persönlichkeit" die Gemeinde zur Heimat geworden.

Im Anschluss an die Feierstunde waren die Gäste eingeladen zur Ausstellungseröffnung im Heimatmuseum im Alten Rathaus. In Zusammenarbeit mit Magda Motté hatte das Museumsteam mit Fred und Hannelore Ludwig, Marianne Bäuerle und Ingrid Ehmann eine Auswahl aus den "Kostbarkeiten des Werks von Margot Jolanthe Hemberger" zusammengestellt. Magda Motté führte in die Exponate ein, die von der ungeheuren Vielseitigkeit der Künstlerin in Bezug auf Techniken, Materialien und Motiven zeugen. Sie entspricht der Überzeugung Hembergers: "Routine ist der Tod der Kreativität und eines echten Künstlers unwürdig."

 Die Ausstellung ist ab dem 16. Januar sonntags von 14 bis 17 Uhr zugänglich. Sonderführungen sind möglich und können über die Telefonnummer 07446/516 (Ludwig) gebucht werden.