Ludwig Loerwald (von links), Dietmar Benz, Ruth Hehr, Stefan Hehr und Ulrike Kesselring freuen sich über den neuen Platz. Foto: Hiller

Das kleine Ensemble mit Sitzbänken nahe der Stadthalle heißt nun „Bürgermeister-Hehr-Platz“. Bei der offiziellen Einweihung erinnerte Mahlbergs Bürgermeister Dietmar Benz an seinen Amtsvorgänger Ulrich Hehr und dessen Verdienste in der Stadt.

Schon seit einigen Wochen ist ein gepflastertes Plätzchen mit zwei Sitzbänken darauf fertig gestellt. Jetzt wurde das Ensemble offiziell der Bevölkerung übergeben und bei dieser Gelegenheit auch gleich mit einem besonderen Namen versehen.

 

Eingeweihten war natürlich längst bekannt, wie der geschaffene Platz nach Beschluss des Gemeinderats künftig heißen soll. Spätestens als Bürgermeister Dietmar Benz unter den Feiergästen insbesondere Ruth Hehr, die Witwe seines Amtsvorgängers Ulrich Hehr, und deren Sohn Stefan begrüßte, war jedem klar, was sich unter der anfangs noch verhüllten Texttafel verbarg.

Darauf steht nämlich jetzt in blau-weißen Straßenschildfarben: „Bürgermeister-Hehr-Platz“ und zusätzlich zur Erläuterung: „In Würdigung der Verdienste von Bürgermeister a.D. Ulrich Hehr 1970 - 1994.“ Der frühere Rathauschef ist erst vor zwei Jahren verstorben.

Hehr wurde 1970 zum Rathauschef gewählt

Ein kleiner Treff für Bürger soll der Platz unfern des Stadthallen-Eingangs auf einem Stück der dahinter sich ausdehnenden großen Rasenfläche Richtung Grundschule werden, wünschte sich Benz. Schon im Oktober 2023 hatte der Gemeinderat einmütig beschlossen, Hehr posthum mit einer Platzanlage zu ehren, hatte dafür anfangs noch weitere Standortalternativen erwogen. Doch die Stadthalle, die noch unter Hehrs Rathaus-Ägide Ende der 1980er-Jahre gründlich modernisiert und saniert worden war und die seitdem in ihrem äußeren Erscheinungsbild nahezu unverändert ist, gewann.

Der aktuelle Bürgermeister zählte einige Leistungen seines Vorgängers auf: Im Dezember 1970 war der gebürtige Nagolder, zuvor in der Kippenheimer Rathausverwaltung als Leiter einer damaligen Verwaltungsgemeinschaft mit Mahlberg tätig, erstmals zum Mahlberger Bürgermeister gewählt worden – zur Überraschung seiner Frau: „Ich hatte ihm vorhergesagt, dass er als geborener Schwabe hier niemals eine Wahlchance hat.“ Dann steuerte Hehr mehr als 24 Jahre lang nach zwei unangefochtenen Wiederwahlen bis November 1994 die Mahlberger Geschicke aus dem Rathaus heraus.

In dieser Zeit hatte er, hob Benz hervor, im Zuge der Gemeindereform das Kunststück fertig gebracht, Orschweier trotz Konkurrenz anderer Gemeinden zum Zusammenschluss mit Mahlberg zu bewegen. Seine Strategie: „Wohnen in Mahlberg, Gewerbeansiedlung in Orschweier.“ Eine Sanierung des alten Mahlberger Ortskerns hatte das Stadtbild grundlegend verändert, samt verbesserter Infrastruktur etwa mit Ansiedlung von Arztpraxen und Apotheke. Orschweier bekam unterdessen seine neue Mehrzweckhalle als Eingemeindungsgeschenk für „nur“ eine Million Deutsche Mark Baukosten.

Anwohner wohnten der kleinen Feierstunde bei. Foto: Hiller

Heute wird deren nötige, gerade angelaufene Grundsanierung auf satte 6,2 Millionen Euro Kosten geschätzt, merkte Benz dazu mit wenig Begeisterung an. Der neue Ortsteil Orschweier profitierte aber auch per Realisierung einer ersten eigenen zentralen Wasserversorgung oder später der strategisch besonders gelungenen Ansiedlung des Aldi-Zentrallagers, einer Förderschulerweiterung, neuer Friedhofsleichenhalle und St.Anna Kindergarten. Hehr initiierte überdies nicht nur die damaligen Waldfeste in der Nähe des Autobahn-Rasthauses, sondern auch das neue Stadtfest, den Weihnachtsmarkt und die Altennachmittage. Ebenso leidenschaftlich betrieb Hehr die Gründung eines Museums-Förderkreises, bevor später das Oberrheinische Tabakmuseum eröffnet werden konnte.

Jetzt darf man also an Hehr zurückdenken, wenn man auf einem der beiden sich gegenüber angebrachten Sitzbänke im Freien ausruht. Angelegt hatte den kleinen Platz der städtische Bauhof in Eigenleistung unter Mitwirkung des Grundschulhausmeisters Alexander Jäger und Verwendung schon vorhandener Materialien und Sitzbänke. Deshalb kostete der komplette Gedenk-Platz nur 4200 Euro – „ein bescheidener Betrag, angesichts der großen Verdienste“, so Benz.

Erster Ehrenplatz

Ulrich Hehr war zeitlebens nicht als Finanzhasardeur, sondern als „Rechner mit spitzem Stift“ bekannt. Als 2017 der erste städtische Ehrenplatz auf dem Gelände des Tabakmuseums nach deren langjährigem Leiter Josef Naudascher benannt worden war, hatte sich der damals noch gesunde Altbürgermeister darüber von Herzen mit gefreut.