Die Kinder schmücken den Weihnachtsbaum. Foto: Schnekenburger

Im Don-Bosco-Haus kommen an Heiligabend ganz unterschiedliche Menschen zusammen – und es wird ein kleines Fest daraus.

Für Momente ist ein Baby der Star. Insbesondere zu Weihnachten nicht weiter verwunderlich, dreht sich doch alles um das Christkind, das allerdings oft genug nur Statist im Zentrum bleibt.

 

Im Don-Bosco-Haus ist es an diesem Heiligabend aber für Momente ein ganz diesseitiges kleines Menschenkind, das in der ukrainischen Community freudig begrüßt wird. Aus ihr kommt die größte Gruppe, die zur Feier beiträgt.

Gemeinschaft gesucht

Diese Feier soll Gemeinschaft sein, aber auch Wärme, ein Herauslösen aus der Einsamkeit für ein paar Stunden. In ihnen bleiben Verlorenheit und Not, die an diesem Abend besonders präsent werden, ausgeblendet. Und, ja, es gibt auch ein leckeres Weihnachtsessen.

Eine erste Gemeinschaft bildet der Impuls im Hof zwischen Don-Bosco-Haus und „Linde13“. Irmhild Sellhorst, Leiterin der Fachstelle „Geflüchtete und Trauma“ im katholischen Dekanat Rottweil, trägt die Gedanken vor.

Gedenken der Opfer von Krieg und Unterdrückung

Eingeschlossen sind ausdrücklich die Opfer der Amokfahrt auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg. Eingeschlossen sind vor allem auch die Menschen in der Ukraine und im Nahen Osten, die unter Krieg leiden, wie in Syrien oder Palästina, Menschen aber auch, vor allem Mädchen und Frauen, denen ideologische Herrschaft auch den Zugang zu Bildung verwehrt, freie Entfaltung und wichtige gesellschaftliche Impulse nachhaltig unmöglich macht.

Pfarrer Martin Schwer entzündet Kerzen und Fackeln am „Friedenslicht“. Foto: Schnekenburger

Das Licht kommt in Form des „Friedenslichts aus Bethlehem“, an dem einige Fackeln, die den Hof erhellen, und von fast jedem eine Kerze entzündet werden. Flüchtlinge aus der Ukraine, aus Afghanistan, Syrien, eine Familie aus Eritrea, die noch hinzugestoßen ist, und Gäste und Helfer aus der Oberndorfer Bürgerschaft sind jetzt eine Gemeinschaft.

Musik und Licht verbinden die Teilnehmer

Sie fällt später freilich wieder ein bisschen in Grüppchen auseinander, doch bleiben auch diese Grüppchen durchlässig. Man singt gemeinsam Weihnachtslieder, vielstimmig, vorsichtig oder innig. Und auch wer vom Blatt singen muss, versucht, sich einzubringen.

Kinder tragen auch das Licht mit den Namen aus der ganzen Gemeinschaft zum „mahn!mal“. Foto: Schnekenburger

Einbringen werden sich besonders die Kinder. Pfarrer Martin Schwer verweist auf die Symbolkraft des auch in schwierigen Zeiten grünen „Tannenbaums“. Einer steht mitten im Saal und wird jetzt von den Kindern geschmückt, bis aus dem nackten Grün ein glänzender Weihnachtsbaum geworden ist.

Und noch einmal spielt das Licht eine besondere Rolle: Alle sind eingeladen, ihren Namen auf eine Kerze zu schreiben, die schließlich ebenfalls am Friedenslicht entzündet und zum „mahn!mal – unsere Namen für die namenlosen Toten“ wird.

Und noch einmal werden dir Gruppen durchlässig: Beim Essen hilft man sich selbst-verständlich, kommt ins Gespräch, erzählt von der Heimat, ein bisschen aus der Vergangenheit, spricht über Probleme und Perspektiven – und über die verschiedenen Bräuche, die mit dem Weihnachtsfest einher gehen.

Jetzt fällt die besondere Rolle natürlich der Musik zu: Sie führt noch einmal alle zusammen. Nicht nur, wenn Pfarrer Bernhard Bücking am Klavier den ebenso bunten wie bemühten Chor durch die deutschen Weihnachtslieder begleitet.

„Maria“ und „Bethlehem“ versteht man auch aus dem Eritreischen. Foto: Schnekenburger

Eine junge ukrainische Pianistin trägt Lieder vor, in die einige mit einstimmen, eine Frau aus Eritrea stimmt Weihnachtslieder aus ihrer Heimat an, und auch ein junger afghanischer Mann will seinen Beitrag leisten und trägt ein Lied vor. Takt und Rhythmus werden mitgeklatscht, die Menschen bewegen sich zur Musik.

Die Feier wird zum Fest

Die Feier wird zum kleinen Fest. Für das kleine Baby ist die Zeit freilich zu weit fortgeschritten. Lange war es tapfer dabei, bezauberte alle, die es begrüßten, mit seinem wachen Lächeln, gab keinen Moment irgendeinem Unmut laut – doch jetzt ist es zuhause.