Ein Café nur für Frauen, in dem jede willkommen ist: So etwas sollte es auch in Stuttgart geben, findet unsere Autorin. Foto: IMAGO/Zoonar/Titova Ilona

Bremen hat, was Stuttgart nicht hat: ein Café nur für Frauen. Unsere Kolumnistin Anna Katharina Hahn sagt, warum sie sich einen solchen Raum wünscht.

Auf dem Campus der Hamburger Universität steht der Philosophenturm, kurz Phil-Turm, praktische, weithin sichtbare Behausung der Geisteswissenschaften. In seinem Foyer gab es in meiner Studienzeit – und hoffentlich noch immer – eine Tür, auf der in großen Lettern „Frauen- und Lesbenraum“ stand. Als Studentin habe ich mitleidig gelächelt über diese Aufschrift, die violette Farbe der Buchstaben, das riesige Frauenzeichen. Wozu sollte so etwas gut sein? Wer um Himmels Willen wollte sich dort aufhalten? Ich jedenfalls machte einen Bogen darum, bin nie hineingegangen. Als unternehmungslustige junge Frau, neu in der riesigen Stadt an der Elbe, war ich froh, endlich von Männern, nicht von Schuljungen, umgeben zu sein. Männer, mit denen ich über Literatur und Musik, Kunst und Theater reden, im Seminar diskutieren und die Nächte in den Klubs auf der Reeperbahn durchfeiern konnte. Kein Bedarf an Orten, in denen sie nicht zugelassen waren, diese harmlosen, amüsanten Zeitgenossen. Frauen, die hinter die Tür mit den lila Buchstaben flohen, lieber unter ihresgleichen waren, mussten sonderbare Wesen sein und hatten wahrscheinlich in Wahrheit nur Probleme damit, den richtigen Kerl zu finden.

 

Beleidigungen, obszöne Rufe, Übergriffe – jede Frau kennt das

Natürlich stieß auch mir reichlich zu, was Frauen täglich zustößt, damals wie heute: Beleidigungen, obszöne Rufe, Übergriffe auf meinen Körper. Eine Vergewaltigung habe ich nie erfahren, dafür bin ich bis heute dankbar, denn ich weiß, es war Glück, nicht mein Verdienst. Damals schrieb ich es meinem sicheren Auftreten zu, ich war doch kein Opfer! Und wenn ein Mann aus der Rolle fiel, war er eben besoffen, Schwamm drüber.

Wo Frauen unter sich sein können

Auch wenn ich Gewalt als Problemlösung für Konflikte mit dem Patriarchat ablehne, bin ich heute Feministin und wäre froh, es gäbe mehr solche Räume wie den damals im Phil-Turm. Einen Raum, in dem Männer, seien sie Feministen oder Machos, einfach keinen Zutritt haben. Einen Raum, in dem Frauen unter sich sein können. Einen Raum, der sicher ist vor allem, was ich damals für harmlos oder zufällig hielt.

Platz für Männer gibt es genug. Sie brauchen nichts an ihre Türen zu schreiben, denn Frauen wissen genau, wo sie nichts verloren haben. Es genügt, wenn ein Haufen Männer schweigend herumsitzt, herumsteht, Vibes aussendet, die jede in die Flucht schlagen. Ich wünsche mir ein Café mit langen Öffnungszeiten, die nicht auf Ehrenamt angewiesen sind, warm, freundlich und cool, in dem jede willkommen ist, egal, wie alt sie ist, welche Hautfarbe oder Religion sie hat. Eine junge Frau in Bremen hat sich diesen kühnen Traum im Sommer 2024 mit einem Eiscafé erfüllt. Selbstverständlich weiß ich, dass in Stuttgart Frauen immer wieder dafür gekämpft haben und kämpfen, solche Plätze zu erschaffen, als Kulturhaus, als Buchhandlung. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, noch immer, leider.