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Der Chef des Landesseniorenrats, Roland Sing, hält nichts von der Idee, Ältere mit Hilfe einer Prämie zum Umzug zu bewegen.

Gar nichts. Das ist lebensfremd und geht an der Lebenswirklichkeit von Älteren völlig vorbei. Eines der schlimmsten Dinge im Alter neben Krankheit und Pflege ist die Vereinsamung. Wenn man der Vereinsamung dann auch noch Vorschub leistet, indem man jemand aus seinem gewohnten Wohn- und Lebensumfeld herausreißt, halte ich das für keine tolle Idee. Ältere bleiben auch deshalb möglichst lange in ihrer Wohnung, weil sie das soziale Umfeld schätzen, die Strukturen. Hier gilt das Motto: Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Wenn Ältere in ihrer Wohnung zurechtkommen, zieht daher auch eine Prämie von 5000 Euro nicht. Wenn sie ihre Wohnung aufgeben, hat das andere Gründe, etwa dass sie die Wohnung nicht mehr beherrschen können, weil sie nicht barrierefrei ist.
Welche anderen Möglichkeiten sehen Sie, um Senioren, die alleine in einer sehr großen Wohnung leben, den Umzug in eine kleinere Wohnung zu erleichtern?
Man muss aufklären und informieren, welche besseren Strukturen sich den Senioren in anderen Wohnungen oder anderen Wohnformen bieten, um ihr Alltagsleben besser bewerkstelligen zu können. Dazu gehören barrierefreie Wohnungen, aber auch betreutes Wohnen oder Mehrgenerationenhäuser – dies muss mehr ins Bewusstsein gerückt werden.
Wird durch diese Prämie indirekt Druck auf die Senioren ausgeübt, ihre Wohnung zu räumen?
Ich denke nicht. Wir haben einen freien Wohnungsmarkt. Warum soll ein Älterer nicht das Recht haben, in seiner gewohnten Struktur leben zu können? - Man muss die Menschen überzeugen, und es muss für sie Sinn machen.