Der Schwarzwald-Baar-Kreis soll die Unterstützung der Jugendmusikschulen im Kreis stark kürzen. Diese Entscheidung fiel jüngst im Ausschuss für Bildung und Soziales. Welche Auswirkungen das auf die Jugendmusikschule St. Georgen-Furtwangen haben könnte, fragte unsere Redaktion beim Leiter der Einrichtung, Elias Zuckschwerdt, nach.
St. Georgen/Furtwangen - 46 800 Euro gab der Landkreis bislang als Förderung für die Jugendmusikschulen der Städte und Gemeinden aus. In Folge des Sparzwangs soll diese freiwillige Leistung um 15 000 Euro reduziert werden.
Elias Zuckschwerdt hierzu: "Über den genauen Zeitplan beziehungsweise den Beginn der Kürzungen wurden wir seitens des Landkreises noch nicht informiert. Uns wurde Ende Juli 2021 in einem Schreiben mitgeteilt, dass die Haushaltsstrukturkommission und der Ausschuss für Bildung und Soziales eine perspektivische Abschmelzung der Musikschulförderung vorschlagen. In den kommenden Jahren solle die Förderung jeweils um 15 000 Euro reduziert werden, bis sie schließlich auf Null zurückgefahren ist."
Angebot im Bereich der Breitenförderung gefährdet
Der Anteil am Kreiszuschuss für die Jugendmusikschule St. Georgen-Furtwangen habe in den vergangenen Jahren zwischen 16 000 und 18 000 Euro gelegen. "Diese Mittel fehlen uns perspektivisch", gibt Zuckschwerdt zu bedenken.
"Sollten die fehlenden Mittel tatsächlich nicht ersetzt werden können, müssten wir unser Angebot im Bereich der Breitenförderung zurückfahren", so Zuckschwerdt. "Das beträfe dann zum Beispiel Bläserklassen, die wir in Kooperation mit vielen Schulen anbieten." Im Rahmen dieser Projekte könnten Kinder zu vergünstigten Preisen über zwei Jahre ein Instrument im Kleingruppenunterricht erlernen. "Damit ermöglichen wir momentan vor allem auch Kindern aus einkommensschwachen Verhältnissen den Zugang zu Musikunterricht", betont der Einrichtungsleiter. "Des Weiteren wäre möglicherweise auch unser Engagement für das Sprachförderprogramm SBS (Singen-Bewegen-Sprechen) betroffen. Hier sind wir momentan Bildungspartner für zahlreiche Kindertagesstätten und leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund."
Thematik wird mit Mitgliedsgemeinden besprochen
Zum weiteren Vorgehen erklärt Zuckschwerdt: "Wir werden die Thematik im Beirat mit den Vertretern unserer sieben Mitgliedsgemeinden besprechen und hoffen, dort eine Lösung zu finden." Zu den sieben Mitgliedsgemeinden zählen neben St. Georgen und Furtwangen auch Triberg, Königsfeld, Schonach, Schönwald und Vöhrenbach.
"Musikschulen sind in meinen Augen eine öffentliche Gemeinschaftsaufgabe, die von Land, Kreis und Kommunen getragen werden sollte. Aktives Musizieren fördert die Entwicklung unserer Kinder und unterstützt die Persönlichkeitsbildung. Musizierende Menschen bringen sich zudem verstärkt aktiv in die Gesellschaft mit ein. Dies sollte neben den Kommunen und dem Land auch dem Landkreis etwas wert sein", betont Zuckschwert und warnt: "Nach zwei Jahren coronabedingter Einschränkungen, die in besonderem Maße Kinder und Jugendliche trafen, halte ich die Abschmelzung der Kreisförderung und das davon ausgehende Signal für fatal."
Im Schwarzwald-Baar-Kreis, das machten die Kreisräte bei der Ausschusssitzung deutlich, setzt man nun auf das Engagement der Kommunen, um die fehlenden Zuschüsse seitens des Kreises aufzufangen.
Info: Wichtige Bildungsinstitution
Im Jahr 2018 konnte die Jugendmusikschule St. Georgen-Furtwangen ihr 50-jähriges Bestehen feiern und gehört damit nach eigenen Angaben "schon lange zu den wichtigsten Bildungsinstitutionen der Region für Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene". Sie gehöre zu den "größeren Musikschulen im Land". Die zuvor 1500 Schülerbelegungen in der Einrichtung seien während der Corona-Pandemie auf circa 1350 zurückgegangen, so Zuckschwerdt.