Ein 41-Jähriger ist vom Amtsgericht Oberndorf jetzt wegen mehrmaligen Diebstahls verurteilt worden. Ihm war vorgeworfen worden, dass er Briefe geöffnet und Geld an sich genommen habe.
Am Dienstagmorgen verhandelte das Amtsgericht Oberndorf über die Strafe eines 43-Jährigen, der sich wegen Diebstahls in acht Fällen verantworten musste. So arbeitete der Angeklagte im Januar 2020 bei einem Subunternehmen der Post.
Er war dafür zuständig, die Briefkästen im Raum Schramberg abzufahren und zu leeren. Ihm wird nun vorgeworfen,zahlreiche Briefe geöffnet und sich den Inhalt angeeignet zu haben, wobei eine Summe von rund 900 Euro verloren ging. Dies geschah so lange, bis die Polizei ihm Anfang Februar 2020 das Handwerk legen konnte.
Kondolenzbriefe betroffen
Auf die Spur kam man dem Angeklagten, als sich vermehrt Personen meldeten, deren Brief den Empfänger nie erreichte – oder Empfänger, die vergeblich warteten. Dieses Phänomen trat im Raum Schramberg gehäuft auf, so dass die Sicherheitsabteilung der Post Ermittlungen aufnahm.
Gleiches Unternehmen
Mit der Zeit stellte sich heraus, dass die verschwundenen Briefe alle von ein und demselben Subunternehmen transportiert werden sollten, bei welchem der Angeklagte damals arbeitete. So geriet er ins Visier der Strafverfolgung. Nachweisen konnte man ihm zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nichts.
„Fangbrief“ eingelegt
Den Ermittlern kam jedoch eine zündende Idee: Mittels eines sogenannten Fangbriefes sollte die Täterschaft des Kurierfahrers festgestellt werden. Hierbei wurde ein Geldschein mit Silbernitrat präpariert und in ein Briefkuvert gesteckt. Dieses warfen Mitarbeiter der Post kurz vor Leerung in einen Lauterbacher Briefkasten.
Auffällig platziert
Der Brief wird dabei so präzise platziert, dass er direkt ins Auge springt. So kam es schließlich auch: Der Angeklagte wurde von der Polizei angehalten, an seiner Hand fanden sich Spuren der Chemikalie. Ferner konnte eine Tüte mit teils geöffneten, teils ungeöffneten Briefen im Fahrgastraum festgestellt werden. Infolge eines Durchsuchungsbeschlusses fanden die Beamten in der Wohnung des 41-Jährigen weitere Briefe.
Schulden und Fahrzeugrate
Daraufhin zeigte sich der Angeklagte geständig. Er habe sich in einer misslichen Lage befunden und konnte seine Schulden nicht abbezahlen, auch für sein Auto musste er hohe Raten begleichen. Das Geld, das er verdient, reiche nicht für die Versorgung seiner Familie. Er entschuldigte sich bei den Opfern.
Zur Bewährung ausgesetzt
Folglich verurteilte ihn das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wird. Er müsse sich zudem in Schuldenberatung begeben und eine niedrige Summe im vierstelligen Bereich an einen Bewährungshilfeverein zahlen.
Damit soll dem Angeklagten, der mittlerweile in einer Fabrik arbeitet, eine Chance gegeben werden, sich zu beweisen und sein Leben in den Griff zu kriegen. Dieses Urteil nahm er an.
So wird überführt:
Die Chemikalie Silbernitrat
wird bei derartigen Fällen oft eingesetzt, um Diebe zu überführen, so etwa auch in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Berührt ein Langfinger den Schein, kommt er mit der Substanz in Kontakt, welche sich in der Haut ansetzt. Innerhalb einiger Tage geht sie auch rückstandslos und ohne Gefahr für die Gesundheit wieder ab, abwaschen kann man das Silbernitrat allerdings nicht. So fällt es der Polizei leichter, zu beweisen, dass jemand den Brief öffnete und den Geldschein herausnahm.