Die Not ist groß – könnte das die Lösung sein? Aufgrund zahlreicher fehlender Kita-Plätze sollen Kinder aus VS zukünftig auch in Bad Dürrheim oder Brigachtal betreut werden.
Die Not ist groß: Zum Stichtag 1. März 2025 fehlten in Villingen-Schwenningen laut Stadt insgesamt 462 Kita-Plätze – davon 192 im U3- und 270 im Ü3-Bereich. Zwar sind Neu- und Umbaumaßnahmen geplant, doch der Fachkräftemangel verzögert die Umsetzung und zwingt die Verwaltung zum Umdenken. Bestehende Gruppen mussten bereits geschlossen werden, weil kein Personal zur Verfügung steht.
Was also tun? Das Amt für Kindertageseinrichtungen stellt klar: „Diese Situation erfordert neue Wege und Denkmuster.“ Das machen die Verantwortlichen in einer Vorlage für den Ausschuss für Jugend, Bildung und Soziales deutlich, der am 17. Juli tagt. Nun denkt man über die Grenzen von VS hinweg – beschlossen werden soll deshalb, dass VS-Kinder zukünftig auch Kita-Plätze in Bad Dürrheim oder Brigachtal erhalten. Diese beiden Kommunen haben der Doppelstadt konkrete Platzangebote gemacht.
Bad Dürrheim bietet ab dem 1. Januar 2026 bis zu 20 Plätze im Ü3-Bereich an. Diese stehen nach Abschluss laufender Baumaßnahmen zur Verfügung. Brigachtal kann ab sofort zehn Ü3- und zehn U3-Plätze bereitstellen. Angesichts von mehr als 450 notwendigen Plätzen ein Tropfen auf den heißen Stein – dennoch eine Möglichkeit, die die Verwaltung nun in Anspruch nehmen möchte.
Wie aus der Vorlage hervorgeht, haben die Verantwortlichen insbesondere jene Familien im Blick, die in Nähe der betroffenen Gemeinden liegen. Etwa Schwenningen, Weigheim oder Mühlhausen für Bad Dürrheim sowie Villingen, Rietheim oder Marbach für Brigachtal. Auch Familien, bei denen sich Arbeitsplatz und Kita sinnvoll kombinieren lassen, könnten profitieren.
So soll die Zusammenarbeit funktionieren
Geplant ist, dass das Amt für Kindertageseinrichtungen der Stadt interessierte Familien vermittelt. Die Platzvergabe selbst erfolgt, so ist es derzeit angedacht, direkt über die jeweiligen Gemeinden. Die Kinder aus der Doppelstadt sollen in bestehende Gruppen integriert werden – eigene Gruppen für VS-Kinder sind nicht vorgesehen.
Ein öffentlich-rechlicher Vertrag soll dabei die Basis für die Kooperation sein. Dieser soll laut Verwaltung keine feste Laufzeit haben, aber Kündigungsfristen erhalten. In der Vorlage wird außerdem betont: Rein rechtlich ist dieses Vorgehen unproblematisch. Das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern werde nicht tangiert, vielmehr nehme man den Rechtsanspruch auf Betreuung in den Fokus.
Was es kostet
Die Gesamtkosten für die Stadt VS hängen von der gewählten Betreuungsform ab. Im teuersten Fall – Ganztagsbetreuung mit über 44 Wochenstunden – würden sich die Ausgaben bei vollständiger Belegung aller 40 Plätze laut Verwaltung auf bis zu 333 000 Euro pro Jahr belaufen. Nun müssen die Stadträte entscheiden, ob sie diese ungewöhnlichen Weg gehen möchten.