Trainer Rainer Göringer erklärt LZ-Volontärin Lena Dahms wie man einen Degen benutzt. Foto: Schmidt

Wie funktioniert Fechten? Ist das nur eine Randsportart oder auch etwas für die breite Masse? Unsere Redaktion ist der Sache auf den Grund gegangen.

So ziemlich jeder war wohl irgendwann schon einmal joggen oder Fahrrad fahren, hat Fußball gespielt oder zum Tennisschläger gegriffen. Und dann gibt es noch haufenweise Sportarten, die man höchstens bei Olympia schon einmal gesehen, sich aber noch nie selbst daran probiert hat.

 

Beim Fechten duellieren sich zwei Personen mit einem Degen, einem Florett oder einem Säbel. Neben Ringen und Boxen gehört es zu den ältesten Wettbewerben der Menschheit. Im Mittelalter trugen Adelige ihre Konflikte durch Fechtkämpfe aus und die Begriffe des Sports gibt es etwa seit 1570.

Auch heute wird noch gefochten, unter anderem beim TV Lahr. Jeden Montag und Mittwoch kommt dort die Gruppe zusammen und trainiert – die meisten zum Spaß, einige für einen Wettkampf.

Sportler in einer Altersspanne von sechs bis 87 Jahren

Unsere Autorin hat ein Training begleitet, alle Übungen von Aufwärmen bis Abbau mitgemacht und am eigenen Leib erfahren, worauf es beim Fechten ankommt. Die Gruppe besteht in der Regel aus etwa zwölf Sportlern. Der Jüngste ist sechs Jahre alt, der Älteste fast 87. Zu Beginn eines Trainings macht die Gruppe sich warm und wiederholt die Beinarbeit. So nennen sich die Positionen, in denen man beim Kampf steht. Die Knie leicht gebeugt und ein Fuß nach hinten gestellt.

In kleinen Schritten läuft man vorwärts und rückwärts. „Wir dürfen nicht einfach auf den Gegner zu rennen“, erklärt Rainer Göhringer. Er war 32 Jahre lang Abteilungsleiter der Fechtgruppe beim TV Lahr und außerdem 14 Jahre lang Präsident des Südbadischen Fechterbundes.

Inzwischen hat er sich aus seinen Ämtern zurückgezogen, kommt aber noch zum Training und assistiert den jungen Nachwuchsfechtern.

Die werfen sich nach der abgeschlossenen Beinarbeit in ihre Ausrüstung. Eine knielange Hose, eine Schutzjacke und für untendrunter eine harte Schale. Dann wird noch die Fechtmaske, ein großer, eng sitzender Helm mit einem Gitter vor dem Gesicht, angelegt. Als letztes noch die Handschuhe – und schon kann man kaum noch erkennen, wer da vor einem steht. In der Ausrüstung schwitzt man zwar schnell, aber fühlt sich im Gegenzug auch sehr professionell und erhaben, findet unsere Autorin. So eine komplette Montur kostet in der Anschaffung etwa 700 bis 800 Euro. Aus diesem Grund werden Kinder, die neu im Verein anfangen auch erst einmal aus dem Fundus eingekleidet, um die Kosten für ihre Eltern möglichst gering zu halten.

Insgesamt 13 „Bahnen“ besitzt die Fechtabteilung des Turnvereins Lahr, bestehend aus einem Gerät, dass die Treffer in Rot oder Grün anzeigt und piepst. Über ein Kabel, dass durch den Handschuh gesteckt wird, sind die Degen mit dem Gerät verbunden. Man benötigt beim Fechten keinen Schiedsrichter, der genau aufpasst und hinschaut. Das Gerät erledigt die Arbeit von allein. Die Sportler können sich ganz auf ihre Technik, die unterschiedlichen Angriffe und Verteidigungen und natürlich aufs Spaß haben konzentrieren.

Einer der Nachwuchstalente von ihnen ist der 13-jährige Nico Weber. Der Schüler trainiert fünf Mal pro Woche und fährt an den Wochenenden mit seinen Eltern durch ganz Deutschland, um an Turnieren teilzunehmen. „Ich hab einfach ganz viel Spaß dabei. Das ist meine Leidenschaft“, erzählt Weber unserer Redaktion.

Fast jedes Wochenende sind die Athleten auf einem Turnier

„Ich habe manchmal Training hier und manchmal am Landesstützpunkt in Waldkirch. Da holt mein Papa mich mittags von der Schule ab und bringt mich dorthin. Auf den Autofahrten lerne ich dann“, sagt Weber. Dass ein großer Teil seiner Freizeit für den Sport draufgeht, stört den 13-Jährigen nicht. „Im April und Mai bin ich jedes Wochenende weg, da sind die ganzen Turniere. Dann ist es schon mal schwierig, aber meine Freunde richten sich auch nach mir. Wir treffen uns oft abends im Fitnessstudio, und beim Fechten hab ich ja auch Freunde“. Weber fechtet seit 4,5 Jahren. Er war in diesem Jahr Platz 15 auf der deutschen Rangliste. Sein großes sportliches Ziel ist es, irgendwann mal die Top drei zu erreichen.

Sein Vereinskollege Jürgen Schmidt hingegen übt den Sport nur zum Spaß aus, Ambitionen für Wettkämpfe hat er nicht. Der 77-Jährige hat vor 15 Jahren nach einer Verletzung mit dem Laufen aufgehört und schaute sich nach einem Sport um, den man auch im Alter noch gut machen kann. Einmal die Woche fechtet er jetzt beim TV Lahr und zum Spaß nimmt er auch an Turnieren teil. „Das ist so aufregend. Wenn es los geht, heißt es drei Minuten volle Konzentration“, sagt er. Schmidt begeistert vor allem die Reaktionsgeschwindigkeit, die man beim Fechten benötigt, aber auch die Konzentration und Taktik. „Es geht einfach rund beim Fechten“, lacht er.

Die Gruppe zeigt sich freundschaftlich und fair und die großen Altersunterschiede machen niemandem etwas aus. Nach ihrem Selbstversuch findet unsere Autorin: Fechten ist zwar gar nicht so einfach, aber macht sofort einen riesengroßen Spaß.

Ella-Ostermann-Turnier
Einmal im Jahr, am zweiten Oktoberwochenende, veranstaltet der TV Lahr ein großes Fechtturnier, benannt nach einer Lahrer Fechterin. 200 Sportler gehen an den Start, sie kommen aus ganz Europa.