Pflege, Long Covid, Rentenreform und schwindendes Ehrenamt: Beim Besuch von SPD-Vertretern in der Lahrer VdK-Geschäftsstelle wurde klar, wie groß die sozialen Baustellen sind.
Es war ein Großaufgebot der Sozialdemokraten, das sich in der Geschäftsstelle des VdK-Kreisverbands in Lahr einfand, um sich mit dem VdK-Vorstand auszutauschen. Mit dabei waren der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner sowie die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Katja Mast (ebenfalls SPD). Dazu kamen Kai Schröder-Klings, SPD-Landtagskandidat für den Wahlkreis Lahr, sowie der Lahrer Ortsverbandsvorsitzende Sino Boeckmann.
Traditionell versteht sich der VdK als Interessenvertreter in Sozialfragen. Vertrautes Terrain also für die SPD, könnte man meinen – zumal die Offenburgerin Mast und die Lahrer VdK-Vorsitzende Tanja Fischer auch noch Cousinen sind. Doch allzu familiär und reibungslos sollte der Termin dann nicht verlaufen: Dafür ist die soziale Not im Land zu groß, dafür sind die Probleme der Mitglieder zu vielfältig. Den Bundestagsabgeordneten blieb keine andere Wahl, als sich der Diskussion zu stellen – was sie auch taten.
Pflegegrad: Fischer kritisierte vor allem die aus ihrer Sicht in vielen Fällen nicht nachvollziehbare Entscheidungsfindung bei der Einstufung in einen Pflegegrad. Besonders wenig Verständnis hat sie dafür, dass der Medizinische Dienst sich häufig weigert, Menschen dem Pflegegrad 1 zuzuordnen. Damit werde ihnen notwendige Unterstützung zur Teilhabe verwehrt. Sinnvoll wäre es, wenn der VdK bei den Terminen anwesend wäre. „Wenn der Antrag über uns geht, neigt der Medizinische Dienst eher zur Bewilligung der Anträge“, war sich Fischer sicher. Dafür fehlten dem Verband jedoch die nötigen Kapazitäten.
Long Covid: Ehrenkreisverbandsvorsitzender Roland Hailer bezeichnete die Rolle des Verbands als „Lotsenfunktion“. In diesem Bereich gebe es viel Überforderung, der VdK kläre bei Long Covid auf, helfe beim Ausfüllen von Anträgen und leiste Unterstützung nach einem Krankenhausaufenthalt. „Viele sind überfordert, wenn sie entlassen werden, und sehr dankbar, wenn sie merken: Da ist jemand, der mir hilft.“
Rentendiskussion: Wie werde an der VdK-Basis die Rentendiskussion erlebt, wollte Fechner wissen. Sowohl die Unzufriedenheit als auch die Verunsicherung seien bei diesem Thema riesengroß, lautete die Antwort vom stellvertretenden Vorsitzenden Thomas Giedemann. Zustimmung fand vor allem der Vorschlag von Mast, künftig alle Menschen – also auch Beamte oder Ärzte – in eine gemeinsame Rentenkasse einzahlen zu lassen. „Damit rennen Sie beim VdK offene Türen ein“, sagte Hailer. Bei allem Verständnis für die Sorgen der Rentner machte Mast deutlich: „Nichts in unserem Land ist so stabil wie die gesetzliche Rente.“ Nun gelte es, diese generationen- und leistungsgerecht für die Zukunft aufzustellen.
Ehrenamt: Dass das Ehrenamt „extrem wichtig“ sei, darin waren sich alle am Tisch einig. Die Anwesenden stellte jedoch auch fest: Das Ehrenamt verschwindet nicht, wird aber weniger. Zwar gebe es weiterhin punktuell großes Engagement, doch für ein längerfristiges Mitwirken, etwa in einer festen Funktion, reichten bei vielen die zeitlichen und persönlichen Kapazitäten nicht mehr aus. „Das Ehrenamt müsste gestärkt werden“, so Hailer. Aber zu oft werde es nur in Sonntagsreden gewürdigt. Dem widersprach Fechner: „Da hätte ich früher zugestimmt, aber das gilt mittlerweile nur noch bedingt.“ Mit Maßnahmen wie der Anhebung der Ehrenamtspauschale oder der Entbürokratisierung habe man den Vereinen zuletzt einiges „unter den Weihnachtsbaum gelegt“.
Das ist der VdK
Der Sozialverband VdK ist eine sozialpolitische Interessenvertretung für alle Bürger in Deutschland und hat mehr als 2,3 Millionen Mitgliedern. Der Fokus liegt auf sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit