Erfolgreicher Klimaschutz und eine erfolgreiche Autoindustrie sind keine Gegensätze, findet die FDP.
Die Hiobsbotschaften aus der Automobilindustrie in Baden-Württemberg häufen sich. Dabei arbeiten knapp eine halbe Million Menschen im Automobilumfeld – bei Herstellern oder Zulieferern. Zwei Drittel der Bevölkerung besitzen ein Fahrzeug mit Verbrenner-Motor, viele sind auf ein eigenes Auto angewiesen, schreibt FDP-Kreisvorsitzender Timm Kern in einer Pressemitteilung. Gleichzeitig sollen ambitionierte Klimaziele erreicht werden.
Wie können die Ziele der Erhaltung der Arbeitsplätze in der Autoindustrie und der klimafreundlichen Mobilität zusammen gedacht werden? Das war Thema bei einem Diskussionsabend der FDP Freudenstadt bei der Firmengruppe Oest.
Erneuerbare Kraftstoffe
Veit Grünberg, Landtagskandidat der FDP im Landkreis Freudenstadt, hob hervor, wie wichtig individuelle Mobilität gerade im ländlichen Raum ist.
Der Sprecher für individuelle Mobilität der FDP-Landtagsfraktion, Friedrich Haag, betonte, dass das Automobil nur mit vielen verschiedenen Technologien klimaneutral werden könne. So könne die Elektromobilität einen Teil zur Verkehrswende beitragen – vorausgesetzt, der Strom dafür käme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.
„Nur auf die E-Mobilität zu bauen, halte ich für gefährlich. Es sind weltweit rund 1,4 Milliarden Verbrennerautos unterwegs. Es ist völlig illusorisch, zu glauben, wir könnten all diese Autos in naher Zukunft durch Elektroautos ersetzen. Deshalb müssen wir erneuerbare Kraftstoffe für den Verbrenner voranbringen. Es braucht endlich die richtigen Rahmenbedingungen für die synthetischen Kraftstoffe“, so Haag.
Oest betreibt rund 100 Tankstellen im süddeutschen Raum
Um solche Antriebe weiterzuentwickeln, brauche es jedoch ein technologieoffenes Umfeld. „Deshalb ist das Verbrennerverbot so fatal – sowohl für die Autoindustrie als auch für den Klimaschutz“, teilte der FDP-Politiker seine Meinung.
Alexander Klein, Vorsitzender der Geschäftsführung der Oest Gruppe, beleuchtete das Thema aus Unternehmersicht und als Branchenkenner. Die Oest Gruppe ist als Hersteller von Schmierstoffen sowie umweltfreundlichen Sonderkraftstoffen aktiv und betreibt als Gründungsgesellschafter der Deutschen Avia rund 100 Tankstellen im süddeutschen Raum.
Ideologische Gründe
Dadurch konnte Klein tiefere Einblicke in die Schwierigkeiten geben, die es aktuell noch dabei gibt, klimafreundliche Kraftstoffe auf den Markt zu bringen: „An mehreren Tankstellen bieten wir bereits klimafreundlichen, nicht fossilen HVO100 Diesel an, der bis zu 90 Prozent weniger CO2 verursacht. Wir würden, wenn möglich, an allen Tankstellen fossilen Diesel durch HVO100 ersetzen. Das dürfen wir aus rechtlichen Gründen aber nicht. Wir müssen weiterhin herkömmlichen Diesel als Alternative anbieten, was aufgrund der begrenzten Tank-Anzahl an den Stationen oftmals ein Problem darstellt. Hier werden dem klimafreundlichen, nicht fossilen HVO durch die Politik künstlich Steine in den Weg gelegt.“
Timm Kern, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag, äußerte anschließend sein Unverständnis darüber: „Hier könnten wir als Baden-Württemberg technologischer Vorreiter sein. Stattdessen hängen wir aus ideologischen Gründen hinterher. Wir haben hier doch das Know-how für neue Antriebe – warum nutzen wir es nicht?“ Der Abgeordnete plädierte dafür, dass nicht Politiker, sondern Ingenieure über neue Antriebe entscheiden sollten.